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Grindel grenzt sich ab : Der nächste Seitenhieb des DFB-Präsidenten

  • Aktualisiert am

Hebt den Zeigefinger: DFB-Präsident Reinhard Grindel Bild: dpa

Beim Uefa-Kongress will Reinhard Grindel in die höchsten Gremien des Weltfußballs aufsteigen. Zuvor grenzt er sich mit einem verbalen Seitenhieb gegen seinen Amtsvorgänger Niersbach ab.

          Mit klarer Abgrenzung und einem verbalen Seitenhieb gegen Wolfgang Niersbach will DFB-Präsident Reinhard Grindel seinen Aufstieg in die höchsten Fußball-Gremien vollenden. Beim Uefa-Kongress in Helsinki stellt sich Grindel an diesem Mittwoch für die Regierungsposten im Fifa-Council und Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union zur Wahl – und gibt vorher seinem gesperrten Vorgänger eine deutliche Spitze mit. „Ich habe in den zurückliegenden Wochen vor allem den Kontakt zu kleinen und mittleren Verbänden gesucht“, sagte Grindel. „Ich habe dabei von vielen gehört, dass zum ersten Mal ein DFB-Präsident mit ihnen auf Augenhöhe solche Gespräche geführt hat.“

          Der durch die Sommermärchen-Affäre gestürzte Niersbach genoss im internationalen Fußball gerne die Nähe ehemaliger Größen wie Franz Beckenbauer oder Michel Platini, Grindel sucht andere Verbündete. Das sei „eine Frage des Respekts“, sagte der 55 Jahre alte Funktionär. „Es ist wichtig, dass wir als DFB die Möglichkeit bekommen, bei sportpolitischen Entscheidungen in der Uefa und Fifa unsere Position am Beratungstisch deutlich machen zu können.“ Auch mit Blick auf die vom DFB als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnete Bewerbung um die EM 2024 mit der Türkei als einzigem Gegenkandidaten.

          Nicht den Besserwisser spielen

          Es müsse der Anspruch sein, „im Weltsport auch eine Rolle zu spielen. Diese Rolle spielt man aber nicht, wenn man den Besserwisser gibt“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert dem ZDF und forderte eine „faire Chance“ für Grindel. Im Messukeskus, dem Messecenter von Helsinki, darf Grindel seinen Aufstieg ins Council des Weltverbands für die restlichen zwei Jahre Amtszeit von Niersbach fest einplanen. Es gibt keinen Gegner.

          Für die acht freien Plätze in der Uefa-Exekutive gibt es zwölf Anwärter, der DFB-Chef gilt als favorisiert. Alle 55 Uefa-Mitglieder besitzen jeweils eine Stimme. So machte Grindel zuletzt unter anderem bei Fußball-Treffen in Zypern und Südafrika oder beim Nationalmannschafts-Trip nach Aserbaidschan Werbung in eigener Sache. Dabei sei der Skandal um die Vergabe der WM 2006 von anderen Verbänden nicht aktiv thematisiert worden, sagte er. „Aber ich habe von mir aus angesprochen, dass grundsätzlich Themen wie Good Governance und Ethik eine immer größere Rolle spielen müssen.“

          Die Aufarbeitung der Affäre durch Staatsanwaltschaften in Frankfurt und der Schweiz wird Grindel aber auch in seinen neuen Ämtern verfolgen. Für diese Posten will der neue Uefa-Chef Aleksander Ceferin ein Reformpaket verabschieden lassen. So sollen die mögliche Amtszeit des Präsidenten und die der Exko-Mitglieder auf drei Wahlperioden à vier Jahre beschränkt werden. Zudem müssen diese auf nationaler Fußball-Ebene eine Führungsposition haben. Ethische Grundsätze und Prinzipien des Good Governance sollen in den Uefa-Statuten verankert werden.

          Ein Vorgang vor dem Kongress ließ aufmerken. Überraschend zog der isländische Kandidat Geir Thorsteinsson vor drei Wochen seine Kandidatur für die Mitgliedschaft im Fifa-Council zurück. Dass er kein Amt im nationalen Verband mehr hatte, war schon bei seiner ursprünglichen Bewerbung bekannt. Damit kann dieser Posten erst bei einem Außerordentlichen Kongress im Herbst besetzt werden. Zuvor war bereits dem stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Witali Mutko die Kandidatur durch das Governance and Review Committee der Fifa verwehrt worden. Da trifft es sich für den Ausrichter der Weltmeisterschaft 2018 gut, dass nun ein Platz frei bleibt – der russische WM-Organisator Alexej Sorokin wird als aussichtsreichster Kandidat gehandelt.

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