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Sebastian Coe : Sprungbrett Olympia

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Die Spiele von London trugen seine Handschrift: Lord Sebastian Coe Bild: dapd

Olympia-Organisator Sebastian Coe soll Präsident des Nationalen Olympischen Komitees werden. 2015 will der Brite zudem an die Spitze des Leichtathletik-Weltverbandes rücken.

          Lord Sebastian Coe macht sich auf den Weg in das Internationale Olympische Komitee (IOC). Unmittelbar nach den von ihm glänzend organisierten Olympischen Spielen und Paralympics in London hat der 55-jährige Brite seine Bereitschaft erklärt, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (BOA) zu werden. „Ich bin glücklich, dass es weitergeht“, sagte Coe. „Ich bin formal gefragt worden, und warum sollte ich nicht helfen?“

          Der bisherige BOA-Präsident Colin Moynihan hatte bereits Mitte August erklärt, dass er im November nach siebenjähriger Amtszeit nicht noch einmal kandidieren wolle. „Ich hatte nichts erwartet, bin gefragt worden und habe darüber nachgedacht“, sagte der frühere 800-Meter-Weltrekordler Coe zu seiner Kandidatur. „Ich bringe dem BOA eine große Dankbarkeit entgegen.“ Schließlich hatte sich das BOA 1980 der Forderung eines Olympia-Boykotts der Sommerspiele in Moskau wegen des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan widersetzt. „Das hat mir erlaubt, in Moskau teilzunehmen“, sagte Coe. „Alles, was ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, wäre ohne diese olympische Erfahrung unmöglich geworden.“ In Moskau und vier Jahre später in Los Angeles gewann er jeweils Gold über 1500 Meter.

          Nicht nur mit der Wahl zum BOA-Präsidenten wäre auch die Tür zum IOC weit geöffnet. Bereits vor den London-Spielen hatte Coe erklärt, auch die Präsidentschaft im Leichtathletik-Weltverband IAAF anzustreben, der in der olympischen Bewegung eine zentrale Rolle spielt. Die Amtszeit des Senegalesen Lamine Diack läuft noch bis 2015. Sollte Coe an die Spitze des BOA gewählt werden, könnte er auf der IOC-Vollversammlung im kommenden Jahr in Buenos Aires in den olympischen Orden aufrücken - oder 2014 in Sotschi.

          Wie souverän und erfolgreich er sich auf dem sportpolitischen Parkett bewegen kann, zeigte er nicht nur bei den Sommerspielen und Paralympics. Coe hatte 2005 nicht nur wesentlich dazu beigetragen, dass die Olympischen Spielen zum dritten Mal an London vergeben wurden, sondern auch dazu, dass die englische Metropole für 2017 den Zuschlag für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften erhalten hat.

          Erst Olympiasieger, dann Olympia-Organisator, bald Präsident des Olympischen Komitees?

          Langweilig wird es dem von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagenen Lord, der salopp lieber „Seb“ genannt werden möchte, also nicht werden. Schließlich ist Coe, der von 1992 bis 1997 für die konservative Partei im Parlament saß, von Großbritanniens Premierminister David Cameron schon zum Botschafter für das „Erbe der Olympischen Spiele“ ernannt worden. Damit soll die Nachhaltigkeit des Großereignisses gewährleistet werden.

          Coe ist nicht nur ein smarter Diplomat mit britischem Charme und Witz. Wie der derzeitige BOA-Präsident Moynihan tritt er für harte Strafen gegen Dopingsünder ein. Vor den London-Spielen musste das BOA einen Passus aus seinem Regelwerk streichen, der den lebenslangen Olympia-Ausschluss für britische Sportler nach einer Doping-Sperre von mindestens zwei Jahren vorsah. Coe war darüber nicht amüsiert.

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