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Leichtathletik-Präsident : Lästern über den Lord

Nun mehr Durchblick: Sebastian Coe gibt auf Bild: dpa

Sebastian Coe gibt nach: Der IAAF-Chef beendet seine Beratertätigkeit bei Nike und gibt auch eine Villa in Monaco auf. Häme ist dem Leichtathletik-Präsidenten aber trotzdem sicher.

          2 Min.

          Wenn Sebastian Coe gehofft haben sollte, seine Kündigung des Beratervertrages mit Nike lasse Kritik und Häme verstummen, denen er seit seiner Wahl zum Präsidenten des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF) ausgesetzt ist, hat er sich getäuscht. „Arroganter Lord Coe begreift einfach nicht, welchen Schaden er anrichtet“, titelte die „Daily Mail“ am Freitag. „Er schnallt’s einfach nicht.“ Der „Independent“ erschien mit der Schlagzeile: „Lord Coe: ,Mr. President‘ bietet gute Gründe, ihm ins Gesicht zu lachen“. „Zu stolz oder zu dumm, um zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat?“, fragte das amerikanische Web-Portal letsrun.com.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach der Sitzung des Councils der IAAF behauptete Coe, er gebe den mit angeblich 140.000 Euro dotierten Vertrag mit Nike nicht deshalb auf, weil herausgekommen ist, dass er als Vizepräsident der IAAF mit einem Nike-Manager über die Vergabe der WM zum Jubiläum des Unternehmens an dessen Gründungsort Eugene (Oregon) gesprochen hatte. Diese Vergabe der Titelkämpfe ohne Ausschreibung und ohne Bewerbung ist Teil der Ermittlungen der französischen Justiz wegen Korruption und Geldwäsche gegen den früheren IAAF-Präsidenten Diack.

          Unerträglicher Lärm

          Coe bestand in einer Pressekonferenz am Donnerstag darauf, dass sein Nike-Kontrakt keinen Interessenkonflikt dargestellt habe. Vielmehr seien „Realität und Wahrnehmung schrecklich durcheinander geraten“. Der Lärm sei unerträglich geworden und eine Ablenkung von den Arbeitstagen von 18 Stunden, die er und seine Kollegen leisteten.

          Coe gab die Athleten des Jahres bekannt, die früher bei einer prächtigen Gala ausgezeichnet wurden: die Läuferin Gezebe Dibaba aus Äthiopien und Zehnkämpfer Ashton Eaton aus Eugene. Dem Council hatte er nach Informationen von Reuters mitgeteilt, dass er das Appartement gekündigt habe, das im „Fairmont“, dem Fünf-Sterne-Hotel in Monte Carlo, in dem die Sitzung stattfand, ständig für den IAAF-Präsidenten reserviert war.

          Coe habe zudem die Villa Miraflores im Zentrum von Monaco aufgegeben, die das Fürstentum dem IAAF-Präsidenten zur Verfügung gestellt hatte. Gegenüber der Öffentlichkeit gab Coe bekannt, dass er auch seine Position als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees des Vereinigten Königreichs aufgeben wolle. Die Agentur Chime Sports Marketing (csm), deren Geschäftsführender Gesellschafter Coe ist und die unter anderem Sportveranstaltungen wie die Europa-Spiele etwa nach Baku in Aserbaidschan vermittelt, werde keinerlei Geschäfte mit der IAAF machen.

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          Am Vortag hatte Coe gegenüber der F.A.Z. ausgeschlossen, dass die Unternehmen Nike und Chime oder Personen, die diesen Unternehmen verbunden sind, zur Finanzierung seiner Bewerbungskampagne beigetragen haben. Deren Kosten gibt Coe mit etwa 180.000 Euro an. Für ein Drittel kommt der britische Steuerzahler auf; der Rest seien private Spenden und Eigenleistung.

          Bei Pressekonferenz und Fernsehinterviews wurde Coe von seiner Frau Carole und von Jackie Brock-Doyle begleitet, die seine Sprecherin im Organisationskomitee der Olympischen Spiele 2012 in London war. Inzwischen ist sie Vorstandsvorsitzende von The Good Relations Group, einem Teil von Coes Unternehmen csm.

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