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Schmiergeldaffäre : Gäb soll verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

  • Aktualisiert am

Erfahren in Sport und Wirtschaft: Hans Wilhelm Gäb Bild: dpa/dpaweb

Der frühere Opel-Aufsichtsrat Hans Wilhelm Gäb ist neuer Sporthilfe-Vorsitzender. Der 69jährige folgt auf Hans-Ludwig Grüschow, der wegen der Schmiergeldaffäre um den früheren MDR-Sportchef Wilfried Mohren zurücktrat.

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          Hans Wilhelm Gäb ist neuer Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Der 69jährige wurde am Samstag auf der Vorstandssitzung in Frankfurt/Main zum Nachfolger von Hans-Ludwig Grüschow bestimmt. Gäb wird die Sporthilfe allerdings nur bis zum Ende der Legislaturperiode im November 2006 anführen. Dann will er den Platz für einen jüngeren Kandidaten frei machen. „Ich trete nicht als Krisenmanager an, sondern führe die Arbeit in geordneten Strukturen fort“, sagte Gäb.

          Grüschow war am Freitag als Konsequenz aus der Affäre um den fristlos entlassenen Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, von seinem Amt zurückgetreten. Grüschow hatte Mohren als „Medien-Botschafter“ mit 45.000 Euro honoriert. Laut Gäb habe es dafür Gegenleistungen gegeben, die nicht im Detail dokumentiert worden sind. „Herr Grüschow hat eingesehen, daß er nicht ganz ordnungsgemäß gehandelt hat“, sagte der neue Sporthilfe-Chef.

          Grüschow uneinsichtig: „Kleines Problem“

          In der Sondersitzung am Samstag verabschiedete sich Grüschow von seinen langjährigen Vorstandskollegen. „Es ist eine grandiose Lösung gefunden worden“, sagte der 69jährige zur einstimmige Entscheidung. Wie sehr er dem Ruf der Sporthilfe mit seiner Verfehlung geschadet hat, scheint Grüschow auch nach seinem Rücktritt nicht zu erkennen. Er habe ein „kleines Problem“, meinte der 69jährige, „das muß ich hinter mich bringen.“ Am vergangenen Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft Dresden die Büroräume in der Frankfurter Sporthilfe-Zentrale durchsucht und dabei eine Reihe von Akten gesichert. Die Sporthilfe kündigte eine Sonderprüfung an.

          Gäb wies mit Nachdruck darauf hin, daß sich die Sporthilfe keiner Unregelmäßigkeiten schuldig gemacht habe. „Herr Grüschow hat einen politischen Fehler gemacht, dies aber ohne jegliche eigennützige Absicht. Es gibt keine Skandale und keinen Revisionsbedarf. Solch ein Vorgang wird sich nicht wiederholen“, sagte Gäb, der von 1988 bis 1992 und dann wieder seit 1998 stellvertretender Vorsitzender des Sporthilfe-Vorstandes war.

          Gäb steht für „Kontinuität und Integrität“

          Die deutschen Sportorganisationen DSB und NOK begrüßten seine Wahl. „Die eingetretene Situation darf nicht zum Schaden der Sporthilfe werden, deshalb haben wir eine klare Entscheidung gesucht. Herr Gäb ist integer und unangreifbar. Er ist die beste Lösung“, sagte NOK-Präsident Klaus Steinbach, der mit DSB-Präsident Manfred von Richthofen zuvor die volle Unterstützung Gäbs verabredet hatte.

          Der ehemalige Aufsichtsratschef der Adam Opel AG und Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) genießt sowohl in der Wirtschaft als auch im Sport einen hervorragenden Ruf. „Sein Name steht für Kontinuität und Integrität“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Bernd Rauch, der Gäb in vielen persönlichen Gesprächen für die Übernahme des Amtes gewonnen hatte. Dieser soll die Sporthilfe nun so schnell wie möglich in ein ruhiges Fahrwasser zurückführen. „Wenn so ein Thema länger schwelt, wäre das eine Katastrophe“, erklärte Rauch.

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