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Kampf um Fifa-Präsidentschaft : Das gefährliche Spiel des Scheichs

Er ist der Strippenzieher der Sportpolitik: Ahmad al Sabah. Bild: AP

Fünf Kandidaten wollen Nachfolger von Fifa-Präsident Joseph Blatter werden. Im Hintergrund arbeitet der neue mächtige Strippenzieher des Weltfußballs. Er hat einen Favoriten, der höchst umstritten ist.

          Fünf Kandidaten hat der Wahlausschuss des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) am Donnerstag für die Präsidentenwahl zugelassen. Die Frage, wer Ende Februar nächsten Jahres auf Joseph Blatter folgt und wie sich die neue Fifa aufstellen soll, wird aber schon jetzt im Hintergrund vom neuen mächtigen Strippenzieher des Weltfußballs geregelt. Einiges deutet darauf hin, dass der asiatische Fußballchef Salman bin Ibrahim al Khalifa (Bahrein) in die Topposition gehievt werden soll - von Gnaden des mächtigen Scheichs Ahmad al Sabah aus Kuweit.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Beide gehören erst seit kürzerer Zeit dem Fifa-Vorstand an. Der royale Abkömmling Salman wird von Menschenrechtsgruppen wegen Foltervorwürfen in seiner Heimat scharf attackiert. Teil des abgekarteten Spiels bei der Fifa ist offenbar, dass der Schweizer Gianni Infantino, derzeit Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und ebenfalls auf der Liste der Präsidentschaftskandidaten, unter Salman den hauptamtlichen Verbandsapparat der Fifa führen soll.

          Ein Scheich als Königsmacher

          Das Geschacher um die höchsten Posten bei der Fifa ist in vollem Gang. Immer offensichtlicher wird die Rolle von Scheich Ahmad als Königsmacher. Der Kuweiter gehört zu den einflussreichsten Sportfunktionären der Welt, ist Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, hat dort Thomas Bach mit in die Präsidentenposition gebracht und führt die weltweite Organisation aller Nationalen Olympischen Komitees. Für viele treibt der Scheich aus Kuweit ein undurchsichtiges, gar gefährliches Spiel. Offenbar will er auch den Daumen senken oder heben, wenn es um die Reformen bei der Fifa geht.

          Zuletzt stellte er fest, dass fast die Hälfte der Vorschläge gar nicht gebraucht würden. So ist Scheich Ahmad auch gegen eine Amtszeitbegrenzung für den Fifa-Vorstand. Er „glaube nicht“ an die weitreichenden Reformpläne des Compliance-Chefs der Fifa, Domenico Scala, bemerkte der Kuweiter in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Während Scala, ein Wirtschaftsmanager aus der Schweiz, beharrlich seine Position für eine grundlegende Erneuerung des Weltverbandes hält, hat der schwache Vorsitzende der fragwürdigen Reformen-Arbeitsgruppe, François Carrard, unter Scheich Ahmad nichts mehr zu sagen.

          Derzeit Favorit: Salman Bin Ibrahim Al Khalifa

          Währenddessen wird der Fifa-Wahlkampf immer mehr zum Spiel der Abhängigkeiten. So erfuhr diese Zeitung, dass der Uefa-Mann Infantino, wenige Tage bevor er seine Präsidentschaftskandidatur bei der Fifa kundgetan hat, sich zu einem Kurzbesuch im Nahen Osten aufhielt. Wie die Uefa bestätigte für einen „Urlaub“, aber eben auch zu „Treffen mit Fußballfunktionären“. Es sei um Kandidaten für die Fifa-Präsidentenwahl gegangen, dafür habe Infantino den Auftrag des europäischen Fußballverbandes gehabt.

          Ein Deal mit Europa

          Der Deal könnte so aussehen: Scheich Ahmad bekommt seinen Mann aus Bahrein auf den Chefsessel der Fifa. Um Fußball-Europa mit ins Boot zu bekommen, erhält Infantino den Job des Fifa-Generalsekretärs. Denn mit Salman gibt es zumindest aus westeuropäischer Sicht ein Problem. Menschenrechtsorganisationen werfen dem royalen Abkömmling aus Bahrein vor, dass er im Jahr 2011 bei den Unruhen in seiner Heimat bei der Verhaftungswelle aktiv beteiligt gewesen sein soll.

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          Danach seien Betroffene auch auf seine Anweisung hin in den Gefängnissen auch gefoltert worden. Scheich Salman bestreitet das. Derweil wäre Infantino im Fifa-Wahlkampf also nur ein Scheinkandidat. Wie wenig unabhängig der Verbandsapparatschik ist, zeigt sich allein daran, dass er sofort von der Kandidatur zurücktreten würde, wie er stets anführt, wenn der suspendierte Uefa-Präsident Michel Platini doch noch zur Fifa-Wahl antreten dürfte.

          Eigentlich hatte Scheich Ahmad auf Platini gesetzt und vor dessen Ausmusterung durch die Fifa-Ethikkommission auch schon vollmundig angekündigt, dass dieser schon mehr als 100 Stimmen auf seiner Seite hätte. Woher der Kuweiter diese Sicherheit nahm, bleibt sein Geheimnis. Zu erwarten ist, dass Platini, gegen den auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt, demnächst mehrere Jahre gesperrt wird. Noch herrscht Unklarheit, worum es bei den zwei Millionen Franken ging, die er von Blatter erhielt.

          Künftig Fifa-Generalsekratär dank eines Deals? Gianni Infantino könnte aus Nyon nach Zürich wechseln

          Zu hören ist, dass sich die Vorwürfe gegen ihn und den ebenso für 90 Tage suspendierten Blatter sogar noch ausweiten könnten. Zumindest muss sich der Franzose bei der Fifa wegen Bilanzfälschung verantworten. Die Fifa-Ethikkommission soll im Hinblick auf die Fifa-Wahl auch die Vorwürfe gegen Salman wegen Menschenrechtsverstößen geprüft haben, aber bisher liegen offenbar keine verlässlichen Beweise dafür vor.

          Durch die Integritätsprüfung fiel dagegen Musa Bility aus Liberia. Wegen strafrechtlicher Vergehen in seiner Heimat wurde er für die Präsidentenwahl am 26. Februar ausgeschlossen. Neben den nominierten Salman und Infantino kandidieren noch der Jordanier Prinz Ali bin al Hussein, der im Mai Blatter unterlegen war, der frühere französische Diplomat und Fifa-Mitarbeiter Jérôme Champagne sowie der Südafrikaner Tokyo Sexwale. Dieser wurde zuletzt von Blatter und Franz Beckenbauer stark unterstützt.

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