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Salzburger Olympia-Bewerbung : Mehr Muskeln, weniger Mozart

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15 Millionen Euro beträgt der Salzburger Bewerbungsetat, die Hälfte stammt aus staatlichen Mitteln. Den beiden Konkurrenten stünde sicherlich ein Vielfaches zur Verfügung, meint Radmann. Eigentlich mag er solche Vergleiche nicht. „Du verlierst deine Linie, wenn du zu viel auf die Gegner schaust. Das habe ich im Fußball gelernt: Du musst dein eigenes Spiel machen.“ Dennoch gibt er zu: „Pyeongchang ist ein ernstzunehmender Mitbewerber, der aber nicht mehr wie 2003 auf einen einflussreichen Mann wie Kim Un-yong im IOC bauen kann. Das war damals ein Trumpf, so hätten die Koreaner beinahe in der ersten Runde die notwendige Mehrheit bekommen.“ Einem Ausschluss aus dem IOC wegen Amtsmissbrauchs und Veruntreuung von Geld kam Kim im Mai 2005 mit seinem Rücktritt zuvor.

Sport vor Kultur, nicht umgekehrt

Diesmal fühlt sich Salzburg besser vorbereitet. 2003 sei der „Mozart-Faktor“ überzogen und der Sport vernachlässigt worden, so hieß es im IOC. „Sport kommt vor Kultur, nicht umgekehrt. Wir wollen eine Sportveranstaltung ausrichten, nicht weitere Festspiele“, sagt Radmann. „Und im alten Konzept war Kitzbühel für alpine Rennen einfach extrem weit weg.“ Deshalb hat man die Zahl der Sportstätten von fünfzehn auf elf reduziert (acht davon existieren bereits), Kitzbühel ist gestrichen worden, noch mehr Wettbewerbe sollen im nahen Pongau stattfinden.

„Wir setzen rigoros auf ein extrem kompaktes Sportkonzept, das kompakteste der letzten dreißig Jahre, mit Fahrtzeiten von wirklich nur 50, 55 Minuten unter allen Bedingungen. Da muss uns erst einmal jemand schlagen.“ Weiteres Plus aus Sicht des Planungschefs: „Unsere Chance ist auch die Gastfreundschaft, die Heimeligkeit und die Intimität. Den Winterspielen täte es gut, mal wieder in einer gelebten Wintersportlandschaft ausgetragen zu werden.“

„Bewerbung darf nicht zu politisch sein“

87 Prozent der Österreicher und 61 Prozent der Salzburger Bürger bekennen sich inzwischen zu den Spielen, im Bundesland Salzburg sind sogar 88 Prozent für den Olympiaplan. Bei einer Volksbefragung im April 2005 hatten die Bürger die Spiele mit rund 60 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Der Gemeinderat beschloss dennoch, noch einmal anzutreten. Radmann winkt etwas genervt ab, blickt nach vorne. „Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ist meine wichtigste Verbündete. Sie geht effizient und präzise voran. Bei uns drängt sich die Politik aber nicht vor. Das ist richtig, denn Bewerbungen dürfen nicht zu politisch sein, das mag das IOC nicht.“

Radmann, der Beckenbauer als Bewerbungsbotschafter wieder an seiner Seite weiß, beherrscht alle Kniffe der Sportdiplomatie, kennt die Stolpersteine. Dennoch hält er die Strömungen im IOC für schwer kalkulierbar. Auf die Frage, warum er diese Herausforderung angenommen hat, antwortet er ohne zu überlegen: „Weil ich verrückt bin. Statt runterzukommen nach der WM, habe ich weiter Vollgas gegeben. Meine Ärzte warnen mich schon.“

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