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Salzburger Olympia-Bewerbung : Mehr Muskeln, weniger Mozart

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Die Österreicher setzen auf seine Weltläufigkeit, seine Schnelligkeit, seine Kreativität. „Du hast keine Zeit, dich im IOC bekannt zu machen“, sagt er - was heißen soll: Mich kennen alle, und ich weiß, wie es läuft. Im März wird Salzburg dritte und letzte Station der Evaluierungskommission des IOC sein; diese Gruppe erstellt einen Bericht, der den Olympiern - sie dürfen nach den Ethikregeln wegen der Korruptionsgefahr die Bewerber selbst ja nicht mehr besuchen - als Grundlage ihrer Wahlentscheidung dienen soll. „Wir müssen die Mehrheit der IOC-Mitglieder überzeugen. Das ist der Job. Aus.“

Bei neun von elf IOC-Kriterien die Bestnote

Radmann redet nicht gerne um den heißen Brei herum. „Bei der Präsentation vor der Wahl müssen wir überraschen und emotionalisieren“, sagt er. So wie es Deutschland 2000 in Zürich gelungen sei, als die Fußball-WM vergeben wurde. „Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte kein Wort, nicht einmal guten Tag. Er schwieg und drückte nur die Daumen. Auch damit haben wir damals gepunktet.“ Noch heute kann sich Radmann über seinen Coup freuen. Er übernahm damals die Aufgabe, Schröder von seiner stillen Rolle zu überzeugen.

Bei der Ernennung zur offiziellen „Candidate City“ im vergangenen Juni erhielt Salzburg bei neun von elf IOC-Kriterien die Bestnote. „Daraus Schlüsse zu ziehen, halte ich für gefährlich“, sagt Radmann. „In Korea und in Russland ist die Bewerbung eine Angelegenheit von höchstem staatlichen Interesse.“ Das klingt neidisch. Harte Diskussion liegen hinter ihm. Erst Ende 2006 fanden im Aufsichtsrat und im Gemeinderat die letzten wichtigen Abstimmung statt - eindeutig pro Bewerbung, wie der Geschäftsführer herausstellt. Es ging, natürlich, ums Geld. Nun steht ein ausgeglichener Etat von knapp einer Milliarde Dollar, die zu erwartenden Fernseheinnahmen mussten nach unten korrigiert werden.

„Du musst dein eigenes Spiel machen“

Radmann stöhnt etwas, wenn er vom öffentlichen Streit erzählt. Er hoffe, dass die letzten Olympiagegner ihre Niederlage in einem demokratischen Prozess nun akzeptierten. „Die schwierigsten Steine sind aus dem Weg geräumt. Wir haben sämtliche Regierungsgarantien, ohne Ausnahmen. Wir haben ein klares Budget. Das sind nicht irgendwelche Zahlen, sondern sind zusammengestellt von über hundert Fachleuten, zum Teil mir großer olympischer Erfahrung.“ Er mache sich schon seit langem stark dafür, „mit kaufmännischer Sorgfalt“ die reinen Olympiakosten rigoros von Investitionen zu trennen, die nicht extra für die Spiele getätigt würden, für ohnehin dringend benötigte Verkehrswege oder Wohnungen etwa. „In der Vergangenheit sind diese irrwitzigen Milliardensummen zusammengekommen, weil man die Aufwendungen nicht sauber auseinandergerechnet hat.“

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