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Salt Lake City 2002 : Romneys olympische Mission

  • -Aktualisiert am

Für Mit Romney bleiben die Winterspiele 2002 in Salt Lake City ein Schlüsselerlebnis Bild: dpa

Salt Lake City war als Ausrichter der Winterspiele 2002 fast am Ende - dann kam eine Retter-Gestalt: Mitt Romney. Es war das Sprungbrett für den heutigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

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          Die Olympischen Winterspiele von Salt Lake City, die vor zehn Jahren eröffnet worden sind, bedeuten einen Meilenstein im Leben von Mitt Romney, der heute aussichtsreich im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur liegt. Seine Leistung als Chef des damaligen Organisationskomitees wird in Berichten über den 64 Jahre alten Politiker oft unterschlagen - zu Unrecht.

          Die „Salt Lake Tribune“ berichtete gerade, dass Romney die Spiele als ein Schlüsselerlebnis und einen Höhepunkt seines Lebens ansehe. In einer Grußbotschaft zum zehnten Jahrestag schreibt er selbst von „wahr gewordenen Träumen“. Und kürzlich sagte er bei einem Wahlkampf-Auftritt in Florida selbstbewusst, er habe einst geholfen, die olympische Zukunft insgesamt zu sichern. Tatsache ist: Es stand rund um die Jahrtausendwende schlecht um die olympischen Ideale.

          Es gibt wenige Straftaten, auf die Amerikaner empfindlicher reagieren als auf Bestechung und Einflussnahme. Das war auch deutlich zu spüren, nachdem bekannt wurde, mit welchen „Gaben“ sich Salt Lake City vor der Vergabe 1995 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Winterspiele erkauft hatte. Bestechung widerspricht der amerikanischen Lebensphilosophie, nach der jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Wer hart und ehrlich arbeitet, soll nicht durch finstere Mächte und dunkle Geschäfte um seinen Lohn gebracht werden.

          Die olympische Bewegung verlor Ende 1998 gerade bei den Amerikanern schlagartig das Vertrauen, als der Skandal um direkte oder indirekte Zuwendungen an IOC-Mitglieder aufflog. Zehn Olympier wurden ausgeschlossen oder traten zurück. Für das IOC begann eine Zeit des Umbruchs. Im Juli 2001 folgte der Belgier Jacques Rogge als IOC-Präsident auf Juan Antonio Samaranch, er forcierte die Neuausrichtung noch. In Salt Lake City erlebte Rogge seine ersten Spiele als IOC-Chef, London 2012 werden nun schon die letzten seiner Amtszeit sein.

          „Männer in Nadelstreifen-Anzügen haben versagt“

          In der Stadt im Bundesstaat Utah war es Mitt Romney, der nach dem Skandal aufräumte. Als er Anfang 1999 den Chefposten im Organisationskomitee übernahm, habe er sich gefühlt wie der Hauptdarsteller im Film „Mission Impossible“, sagte er einmal. Sein Credo: Die Spiele sollten den Skandal überschatten, nicht umgekehrt. „Nicht der Sport und die Sportler haben versagt, sondern die Männer in Nadelstreifen-Anzügen“, wurde er nicht müde zu sagen. Er verstand schnell, die Sprache der Athleten zu sprechen. Das wurde eine seiner Trumpfkarten.

          Er stammt aus einer alten, angesehenen und wohlhabenden Mormonen-Familie und ist promovierter Rechtswissenschaftler. Dass Romney, seit 41 Jahren verheiratet und Vater von fünf Söhnen, auch noch Bischof eines Mormonen-Sprengels in Massachusetts war, passte zum Anforderungsprofil. Nur ein Mormone aus der sogenannten „Kirche der Heiligen der letzten Tage“, behauptete man in der Olympiastadt, habe den Weg aus der Krise weisen können - unerschrocken, aufrichtig, zupackend und zielstrebig wie die Vorväter.

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