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Salt Lake City 2002 : Romneys olympische Mission

  • -Aktualisiert am
Inzwischen ist Mitt Romney einer der aussichtsreichsten Kandidaten der Republikaner, um Präsident Obama herauszufordern

Romney zog nicht nur aus dem Bestechungsskandal Lehren, sondern auch aus dem vielfach kritisierten Bild, das Atlanta 1996 abgegeben hatte. Die überkommerzialisierten und von organisatorischen Pannen gekennzeichneten Coca-Cola-Sommerspiele empfand man als Mahnung. Sein Team schaffte es obendrein, das Etatdefizit von zwischenzeitlich 400 Millionen Dollar auszugleichen, am Ende gab es bei einem Etat von 1,3 Milliarden Dollar sogar einen kleinen Überschuss. Romney hat all das in seinem Buch „Turn-around: Crisis, Leadership, and the Olympic Games“ beschrieben.

Wo Romney auftrat, verbreitete er wortgewandt und mit einem Lächeln Optimismus und Tatendrang. Er war zwar sportfern - allerdings kam er regelmäßig mit der Familie zum Skifahren nach Utah -, konnte aber auf beste Referenzen aus der Privatwirtschaft verweisen. Sein Vater war Geschäftsführer der American Motors Corporation und später Gouverneur des Bundesstaates Michigan.

Die olympische Mission als Sprungbrett

Romney selbst hatte 1984 ein Unternehmen geschaffen, das Firmengründern mit Wagniskapital unter die Arme griff. Er wurde dadurch selbst wohlhabend. In Salt Lake City verzichtete er demonstrativ auf ein Gehalt. Während er als Geschäftsmann früh ähnlich erfolgreich wie sein Vater wurde, unterlag er bei seinem ersten politischen Auftritt, als er 1994 als Kandidat der Republikaner gegen den Demokraten Edward Kennedy im Rennen um den Senatssitz von Massachusetts verlor.

Allerdings mit einem höchst achtbaren Ergebnis von 41 Prozent der Stimmen - außergewöhnlich viel für einen konservativen Republikaner in einem traditionell demokratisch wählenden Bundesstaat. Im November 2002 wurde er dann zum 70. Gouverneur in Massachusetts gewählt. Die olympische Mission war für ihn zu einem Sprungbrett geworden. Aus der Präsidentschaftskandidatur 2008 stieg er aber vorzeitig aus.

In Salt Lake City erlebte Jacques Rogge seine ersten Spiele, in London in diesem Sommer schon seine letzten als IOC-Präsident

Das Olympia-Projekt in Salt Lake City geriet dann noch einmal massiv unter Druck, kein halbes Jahr vor der Eröffnung - ausgelöst durch Usama Bin Ladins Terrorismus. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde die Frage gestellt, ob die Sicherheit der Teilnehmer und Zuschauer bei den Olympischen Spielen zu gewährleisten sei. Dann warfen einige IOC-Mitglieder, vor allem aber europäische und muslimische Politiker die Frage auf, ob ein Land, das sich im Krieg befinde, überhaupt die Spiele ausrichten dürfe.

Über Ausweichszenarien wurde schon debattiert. Eine 2001 vom IOC für die Zeit der Spiele von Salt Lake City ausgerufene Waffenruhe hatten die Amerikaner ausgeschlossen. Romney musste nach vielen Seiten arbeiten, um weltweit Vertrauen in die amerikanischen Organisatoren herzustellen, aber auch um zu verhindern, dass der Geist der Spiele in einem martialischen Sicherheitskorsett erstickte.

Die XIX. Winterspiele waren gerettet

Die Winterspiele 2002 fanden statt - die Eröffnungsfeier gerade fünf Monate nach den Anschlägen wurde bestimmt vom Gedenken an die Opfer der Anschläge, aber auch von der politischen Mission George W. Bushs, wie Romney Republikaner. „Im Namen einer stolzen, entschlossenen und dankbaren Nation erkläre ich die Spiele von Salt Lake City zur Feier der Winter-Olympiade für eröffnet“, rief Bush am 8. Februar 2002.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schrieb mit seinem patriotischen Zusatz olympische Geschichte: Als erstes Staatsoberhaupt änderte er die Eröffnungsformel ab. Romney aber hatte sein Ziel erreicht: Die XIX. Winterspiele waren gerettet.

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