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Russlands Sport : Doping, Lüge, Verrat

War der Geheimndienst im Spiel?

Der Chemiker, neun Jahre an der Spitze des Anti-Doping-Labors, will einen Cocktail mit drei Anabolika gemixt haben. Das sei plausibel, sagt der Pharmakologe Professor Fritz Sörgel. Weil die Mixtur die Nachweisbarkeit eines jeden Stoffes um ein Drittel senkt. Aber die Russen, behauptet der Cocktail-Mischer, gingen auf Nummer Sicher. Die Proben sollen vor der Analyse in der Nacht im Labor durch ein Loch in der Wand in einen Nebenraum gereicht worden sein. Dort habe man den belastenden Urin gegen Monate zuvor abgezapften sauberen (eines jeden Delinquenten) getauscht. Und die Proben anschließend wieder zurückgereicht. Alles sauber!

Der Informant: Grigori Rodschenkow

Eine heikle Mission, etwas für Profis. Deshalb also war der Geheimdienst im Spiel? Die Anwesenheit von Agenten hatte schon die Unabhängige Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur unter Vorsitz des Kanadiers Richard Pound festgestellt, bevor Rodschenkow nun daran erinnerte. Die Urinflaschen sind mit einem patentierten Verschlusssystem versehen. „Eigentlich“, sagt Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschlands, „können sie nicht entsiegelt werden, ohne dass es auffällt. Aber das gilt für Sie und mich. Geheimdienste sind vermutlich zu anderen Dingen fähig.“

Der starke Mann des russischen Sports will davon nichts wissen. Mutko will die Vergangenheit ruhen lassen. Sie aber wirkt bis in die Gegenwart: Doping, Korruption, Vertuschung von Staats wegen, schwarz auf weiß festgehalten im Untersuchungsbericht der Wada-Kommission vom 9. November 2015. 330 Seiten Vorwürfe, Zeugenaussagen, Beweise. Die Konsequenzen: Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada ist suspendiert, ebenso das Moskauer Anti-Doping-Labor. Die russischen Leichtathleten sind bis auf weiteres ausgeschlossen von internationalen Wettbewerben. Seither ist Mutko vor allem mit Retten beschäftigt.

Die Botschaft ist Entwarnung

„Ich kann nicht sagen, dass ich in diesen acht Jahren große Erfolge gehabt habe“, sagte Mutko in einem Interview, das er dieser Zeitung, der „SZ“ und dem WDR am 28. April gab. „Wir sind mit vielen Schlussfolgerungen der Wada einverstanden. Wir befolgen in vielen Fällen ihre Empfehlungen und haben dementsprechende Beschlüsse gefasst. Russland hat nie behauptet, dass es kein Problem mit Doping hat. Wir haben nie gesagt, in der Leichtathletik gebe es kein Dopingproblem. Wir haben eingesehen, dass es Probleme im Labor und bei der Rusada gibt. Diese beiden Organisationen machen gerade Pause. Jetzt hat Russland gesagt: Bauen wir alles neu auf. Auf einer ehrlichen Grundlage. Gemeinsam mit der Wada und der IAAF (dem Internationalen Leichtathletik-Verband, d. Red.). Heute ist Russland noch offener geworden (...). Russland ist heute unter Kontrolle.“

Das ist die Botschaft: Entwarnung. Alles wird wieder gut. Lasst uns wieder mitspielen. Wir achten die Regeln. Straft keine sauberen Athleten. So sollen die Erinnerung an Korruption, an die Kontrolle des Systems durch den russischen Staat und seine Organe, in der Entscheidung über die Startberechtigung bei Olympia kondensieren.

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