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Russland und seine Leichtathleten : Geht gar nicht!

Hochgedopt und hochdekoriert: Einsicht wäre auch bei Russlands Gehern wie Sergey Kirdyapkin der erste Schritt zur Besserung Bild: dpa

Die Teilnahme von Russlands derzeit suspendierten Leichtathleten an den Olympischen Spielen ist noch mehr als fraglich. Dennoch beruft der Verband vier hochdekorierte und -gedopte Geher in die Olympiamannschaft. Das ist blanker Zynismus.

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          Geht’s noch? Vier hochdekorierte Athleten seien in die russische Olympia-Mannschaft für Rio 2016 aufgenommen worden, teilt der russische Leichtathletik-Verband mit, nämlich Olga Kaniskina und Jelena Laschmanowa, Sergej Kirdjapkin und Sergej Bakulin. Da kommt ein Geher-Quartett, das einst hochgedopt bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften Goldmedaillen gewann, von langjährigen Sperren zurück.

          Mehr als Optimismus, nämlich Chuzpe, ist es wohl, die vier in eine Auswahl aufzunehmen, die es gar nicht geben kann. Der russische Leichtathletik-Verband ist von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen, seit die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) die in Bild und Ton belegte Anklage der russischen Läuferin Julia Stepanowa erst ans deutsche Fernsehen verwies und dann von einer unabhängigen Ermittlungskommission verifizieren ließ – systematisches Doping á la DDR ließ sich nachweisen, Korruption und Erpressung an der Spitze des Weltverbandes (IAAF) kamen zusätzlich heraus.

          Dreister und skrupelloser Trainer

          Seitdem steckt die Welt-Leichtathletik in der Krise. Und die der Russen erst recht. Ihre Rückkehr in die internationale Leichtathletik ist so fraglich wie nie. Schließlich wurde ein angeblich gesperrter Trainer in der russischen Provinz dabei entdeckt, wie er Sprinter auf die russische Meisterschaft vorbereitete, fiel ein anderer ranghoher Coach auf den fingierten Anruf eines Reporters herein und nannte ihm bereitwillig die Preise für Doping-Substanzen, mit denen er handelt.

          Und die Rehabilitierung der suspendierten Nationalen Anti-Doping-Agentur hat ausgerechnet eine Frau übernommen, die früher mit gedopten Athleten Termine ausmachte, zu denen Kontrollen genehm waren.

          Die vier Geher gehören zu den fast zwei Dutzend aus dem Team von Viktor Tschegin, die überführt wurden. Der Trainer war besonders dreist und skrupellos – und erfolgreich. So wurde der Geher-Stützpunkt in Saransk, Hauptstadt von Mordwinien und weit, weit weg von Moskau, sein Reich mit Repression und Personenkult. Das ungenierte Doping im Tschegin-Sportzentrum, wie die Anlage wirklich heißt, schützte notfalls die örtliche Polizei. Ein Doping-Kontrolleur stieg aus dem Hotelfenster, um ihr mit seinen Proben im Nachtzug zu entkommen.

          „Beleidigung Russlands“

          Als müssten sie wettmachen, dass die weit gediehenen Pläne für die Errichtung einer Tschegin-Statue im Zentrum von Saransk scheiterten, haben mehr als fünfzig Geherinnen, Geher und Trainer eine Petition an den russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnet mit der Bitte, den Namen des großartigen Profis und Patrioten Tschegin zu rehabilitieren.

          Die lebenslange Sperre Tschegins, verhängt im März, sei eine Beleidigung Russlands. Wo solche Briefe geschrieben werden, herrschen blanker Zynismus oder schreiende Dummheit. Olympia-Kandidaten sollten dort nicht herkommen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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