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Russland vor Doping-Bericht : Erster und sauber!

Hat einiges zu erzählen: Jelena Isinbajewa bei den Winterspielen in Sotschi mit Russlands Präsident Putin Bild: AFP

An diesem Freitag stellt die Welt-Anti-Doping-Agentur ihren zweiten McLaren-Report über Doping und Manipulation bei Olympia in Sotschi vor. Die Russen gehen schon vorher in die Offensive.

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          Der Schutz sauberer Athleten, das beste und konsequenteste Anti-Doping-System der Welt und obendrein Platz eins in der Medaillenwertung der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang: Die an diesem Freitag bevorstehende Veröffentlichung des zweiten McLaren-Reports über Doping und Manipulation bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 hat den russischen Sport zu vollmundigen Ankündigungen veranlasst. Größte Aufmerksamkeit dürfte dabei Jelena Isinbajewa erregen, die überraschend zur Präsidentin der suspendierten Nationalen Anti-Doping-Agentur (Rusada) berufen worden ist.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die zweimalige Olympiasiegerin im Stabhochsprung, die während der Olympischen Spiele von Rio im Sommer in die Athletenvertretung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt wurde, galt lange als Kandidatin für die Präsidentschaft des Russischen Leichtathletik-Verbandes. Sie bestreitet, dass Russland staatlich unterstützt gedopt habe und wertet die Untersuchungen von IOC-Mitglied Richard Pound und dem unabhängigen Rechtsanwalt Richard McLaren, die dies belegen, als politische Propaganda. „Ich will für das Wohl des russischen Sports zusammenarbeiten und das beste Anti-Doping-System der Welt machen“, behauptete sie nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass.

          Nächste Diskussion steht bevor

          Vor den Olympischen Sommerspielen von Rio hatte McLaren in einem ersten, unvollständigen Report die Manipulation der Doping-Proben von Sotschi beschrieben und belegt. Sollte er nun weitere Beweise dafür präsentieren, dass im russischen Wintersport systematisch gedopt und dies vom russischen Geheimdienst systematisch vertuscht wurde, dürfte die nächste Diskussion über den Ausschluss der Russen von Olympia bevorstehen, exakt vierzehn Monate vor Eröffnung der Spiele von Pyeongchang (Südkorea). Der Welt-Skiverband Fis hat angekündigt, „prompt und entschieden“ auf den Bericht zu reagieren.

          Ist auch gespannt: IOC-Präsident Thomas Bach
          Ist auch gespannt: IOC-Präsident Thomas Bach : Bild: AFP

          Wie im Sommer, als IOC-Präsident Thomas Bach der Forderung nach dem Ausschluss der russischen Olympia-Mannschaft nicht nachkam, dürfte er auch diesmal die Entscheidung über Ausschluss oder Mitmachen den internationalen Verbänden übertragen. Das IOC hat zwei Kommissionen mit der Prüfung des McLaren-Reports betraut; auf ihre Empfehlung hin will die IOC-Exekutive angemessene Maßnahmen und Sanktionen beschließen. Die Rede ist dabei vom Ausschluss von Athleten, Offiziellen, Begleitern und Regierungsvertretern, nicht aber von Verbänden. Zwischen den Leichtathleten und dem Internationalen Paralympischen Komitee, welche die Russen für ihre Wettbewerbe sperrten, kam es zum Bruch mit dem IOC.

          Der Sprecher von Wladimir Putin, Dimitri Peskow, versprach, Russland werde seine sauberen Athleten weiter gegen den Vorwurf des Dopings verteidigen, sei aber auch offen für konstruktive Kritik an seiner nationalen Anti-Doping-Kampagne. Damit könnte er andeuten, dass die Berufung von Jelena Isinbajewa an die Spitze der Rusada nicht die Provokation ist, als die sie erscheint. Tatsächlich könnte sie den Weg frei machen für einen Moderator, der die russische Leichtathletik zurück führt in den internationalen Sport.

          Erster Schritt müsste freilich das Eingeständnis sein, dass es Manipulationen gegeben hat. Nicht nur die bisherigen Untersuchungen, auch die Nachtests von Doping-Proben der Olympischen Spiele 2008 in Peking und 2012 in London sprechen dafür: Russen machen mit 27 die größte Zahl unter den inzwischen 101 positiven Fällen aus; es folgen die Ukraine mit elf, Kasachstan mit zehn und Weißrussland mit acht. 38 der Doping-Fälle betreffen Gewichtheber, 31 Leichtathleten, sechs Ringer und drei Radrennfahrer.

          Alexander Schukow will zwar noch in diesem Monat die Präsidentschaft des Nationalen Olympischen Komitees und damit seine Mitgliedschaft im IOC aufgeben, um Sprecher der Duma zu werden. „Unser Team endete auf dem ersten Platz der Medaillenwertung von Sotschi“, sagte er dennoch: „Deshalb ist die oberste Aufgabe für die Nationalmannschaft, diese Führung bei den Spielen 2018 zu verteidigen.“

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