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Russland und Doping : Hilfe, Mister Trump!

Unterstützt Donald Trump die Russen im Sturm um das Staats-Doping? Bild: AP

Kein Witz: Ein russischer Politiker bittet den künftigen amerikanischen Präsidenten um Hilfe im Kampf gegen die Doping-Anschuldigungen. Zudem werfen das IOC und Präsident Thomas Bach Fragen auf.

          5 Min.

          Jetzt kann nur noch Donald Trump helfen. Als stünde er auf der Bühne eines Kabaretts, rief der Duma-Abgeordnete Igor Lebedew im Sturm um das russische Staats-Doping den kommenden ersten Mann Amerikas um Unterstützung an. Mehr als tausend russische Top-Athleten in dreißig Sportarten waren in den zurückliegenden fünf Jahren gedopt worden. Das hat der kanadische Anwalt und Jura-Professor Richard McLaren in seinem am Freitag vorgestellten Bericht detailliert beschrieben.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Russland hat demnach mit systematischem und staatlich organisiertem Doping die Wettbewerbe der Olympischen Spiele von London 2012 unterminiert und manipuliert. Das Ansehen und der sportliche Wert der Winterspielen von Sotschi 2014, die sich Russland mehr als fünfzig Milliarden Dollar kosten ließ, sind ruiniert, seit bekannt und nun auch belegt ist, dass die Gastgeber heimlich die belasteten Doping-Proben ihrer Athleten gegen saubere austauschten, ihre Gäste nach Strich und Faden betrogen und, natürlich, mühelos besiegten.

          „Es war zu erwarten, dass es keine Beweise geben würde, sondern einen weiteren Strom von Falschheiten und grundlosen Vorwürfen“, polterte Lebedew nun. „All dies hat einen starken politischen Unterton, und wir und alle Russen hoffen, dass unser geliebter Mister Trump dem ein Ende setzen wird.“ Lebedew ist Vizepräsident der Duma und Mitglied im Vorstand des russischen Fußball-Verbandes, Gastgeber der Weltmeisterschaft 2018. Wie er sich Fußball vorstellt, machte er im Sommer deutlich, als er die russischen Hooligans bei der Europameisterschaft in Frankreich per Twitter anfeuerte: „Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so!“

          Lebedew nimmt gewiss eine Ausnahme-Position in Russland ein. Doch die Resonanz auf die Bestätigung all dessen, was Gregorij Rodschenkow, der nach Amerika geflohene frühere Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors bereits im Mai in der New York Times enthüllte und was McLaren im Juni in einem ersten Bericht aufbereitete, ist weitgehend grotesk. Witali Mutko etwa, der als Sportminister jahrelang verantwortlich war für die Unterschlagung positiver Doping-Befunde und jüngst zum Stellvertretenden Premierminister befördert worden ist, behauptet, es sei „in Sotschi einfach unmöglich gewesen, das zu tun, dessen wir beschuldigt werden“.

          Was nun? IOC-Präsident Thomas Bach.

          Niemals seien russische Athleten Teil eines Systems gewesen, das Doping-Proben habe verschwinden lassen. Er kündigte an, das Thema vor Gericht zu bringen. Im Übrigen sei es am Internationalen Olympischen Komitee (IOC), den Bericht zu verifizieren - oder eben nicht. „Wir glauben an unser Team und an unsere Athleten, die in Sotschi gestartet sind“, sagte Mutko der Nachrichtenagentur Tass. „Wir brauchen keine falschen Siege. Wir wollen, dass unsere Athleten die ersten Plätze einnehmen. Es ist nicht unser Fehler, wenn jemand in Sotschi schlechtere Leistungen gebracht hat, als er oder sie hätte bringen können. Keiner unserer Siege war eine Überraschung - unsere Champions sind einen weiten Weg gegangen zu ihren Medaillen.“

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