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Russland und Doping : Hilfe, Mister Trump!

Gut möglich, dass die meisten dieser Medaillen bald weg sind - und damit auch der erste Platz der Russen im Medaillenspiegel nicht nur ihrer eigenen Spiele. McLaren hat, im Gegensatz zu seinem ersten Report, nun die einzelnen Sportlerinnen und Sportler anhand von Unterlagen und Analysen identifiziert. 695 russische Sportlerinnen und Sportlerinnen sowie 19 weitere hat er der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) übermittelt; sie hatte die Untersuchung bei ihm in Auftrag gegeben. Die Wada wird nun die Fachverbände über die Doping-Fälle informieren; diese entscheiden über Sanktionen.

Wintersportverbände stehen nun im Fokus

McLarens Team untersuchte 120 von 250 russischen Urinproben, die von Sotschi 2014 aufbewahrt werden. Sie alle waren offenbar geöffnet worden; darunter die von fünfzehn Medaillengewinnern. Bei Olympia 2012 identifizierte McLaren fünfzehn Medaillengewinner, die wegen Dopings nicht hätten teilnehmen dürfen; zehn von ihnen sind durch Nachtests bereits überführt.

Insbesondere die Wintersportverbände stehen nun im Fokus der Aufmerksamkeit. Denn wie schon vor Rio werden das IOC und sein Präsident Thomas Bach den Ausschluss der russischen Olympiamannschaft für die Spiele 2018 in Südkorea verweigern, werden lieber Athletenvertreter und Doping-Bekämpfer verprellen als Putins Weltmacht. Zwar kündigte Bach wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Berichts von McLaren an, dass alle Doping-Proben russischer Athleten aus Sotschi nun nachgetestet werden sollen. Einmal abgesehen davon, dass dies bei einem kriminalistischen Ansatz, wie ihn das IOC zu verfolgen vorgibt, längst hätte geschehen sollen, wirft dies weitere Fragen auf.

Was, wenn auch in den noch zu testenden Proben eine Salzkonzentration nachgewiesen wird, die darauf hindeutet, dass nach dem Austausch mit der Zugabe von Speisesalz das auf der Probe notierte spezifische Gewicht erhöht wurde? Was, wenn an den Behältern Kratzer und andere Beschädigungen festgestellt werden, die belegen, dass sie geöffnet wurden? Was wenn, wie in den Proben zweier Eishockeyspielerinnen, männliche DNA belegt, dass die Probe ausgetauscht wurde? Doping und die individuelle Schuld einzelner Athleten sind damit nicht bewiesen, sondern allein die Manipulation. Gegen Kollektivstrafen und für den Einzelnachweis von Schuld hat sich Bach stets ausgesprochen.

„Professor McLarens Bericht schildert einen fundamentalen Angriff auf die Integrität des Sports“, sagte er in einer Videobotschaft aus Lausanne. „Für mich als Olympiateilnehmer sollte jeder Athlet oder Offizielle, der sich aktiv an einem solchen Manipulationssystem beteiligt hat, lebenslang von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden, in welcher Funktion auch immer.“ Bach vermeidet es, sich den Inhalt des Berichts von McLaren zu eigen zu machen; da klingt ein „Wenn-es-denn-stimmt“ mit, das von der Einberufung gleich zweier Kommissionen des IOC verstärkt wird.

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