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Internationale Pressestimmen : Fifa Nostra

  • Aktualisiert am

Enttäuscht, verbittert, gar gebrochen? Blatter verlässt die Fünf-Sterne-Welt Bild: AFP

Kommentatoren aller Länder sprechen nach Blatters Rücktritt von einem längst überfälligen Schritt. Doch was kommt danach? Der Schweizer Tages-Anzeiger trifft den Punkt: „Nun geht der 79-Jährige, das System aber bleibt.“

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          Der Rückzug von Fifa-Chef Blatter hat ein enormes Medien-Echo entfacht. Kommentatoren aller Länder sprechen von einem längst überfälligen Schritt. Aber wer und was kommt danach?

          GROSSBRITANNIEN

          „The Times“: „Sepp Blatters Rücktritt als Fifa-Präsident war längst überfällig. Es ist gut, dass er geht. Die Beweise der US-Ermittler scheinen zu bestätigen, dass die Fifa durch und durch verdorben war, und von einem Klüngel in einer Fünf-Sterne-Welt unter der nachsichtigen Aufsicht Blatters geführt wurde. Die Fifa muss nun einen unwahrscheinlich anmutenden Prozess einleiten, um einen ehrlichen Führer zu suchen.“

          FRANKREICH

          „Libération“: „Fifa Nostra. Heiliger Blatter, er hat uns bis zum Ende lachen lassen. (...) Was werden die 133 Verbandschefs denken, die für ihn gestimmt haben?“

          „Le Figaro“: „Blatter hat also die Waffen gestreckt. Gerade mal vier Tage nach seiner Wiederwahl an die Spitze der Fifa. Eine unglaublich dramatische Wendung, verursacht durch eine weitere Enthüllung.“

          „Ouest-France“: „Die überraschende Bekanntmachung hat die Wirkung einer Bombe für die Fußballwelt. Ein unfassbares Erdbeben nach den Maßstäben des Geschäfts Fußball. Er (Blatter) hielt sich für unzerstörbar, unbesiegbar, unverzichtbar.“

          NIEDERLANDE

          „De Telegraaf“: „Blatter, Game Over! ... Der Fußballkaiser Joseph ’Sepp’Blatter, der sich selbst unangreifbar wähnte, ist dann doch  von seinem Thron gefallen.“ „Trouw“: „Gestern kam gleich im Westen Europas die Hoffnung auf, dass die Fifa doch gesäubert werden könnte. Aber so weit ist es noch nicht. Nicht nur, weil Europa sich erst selbst noch vereingen muss. Aber auch weil mit Sepp Blatter ein Gegner weicht, der immer noch in der Lage ist, trotz seiner Niederlage andere nicht gewinnen zu lassen.“

          „De Volkskrant“: „Das Schiff, über das Sepp Blatter noch am Freitag nach seiner vierten Wiederwahl so feurig sprach, ist dann doch endgültig gestrandet. ... In seiner Periode als Fifa-Vorsitzender entwickelte sich die Organisation zu einer Geldmaschine von unglaublichem Ausmass. Die Milliarden, die in die Fifa-Kasse strömten, waren zugleich der Brandstoff für eine endlose Reihe von  Korruptionsskandalen.“

          SPANIEN

          „El País“: „Die anstehende Wahl eines neuen Fifa-Präsidenten ist ein idealer Moment, eine Neugründung des Weltfußballverbandes zu beginnen. Die Organisation darf nicht mehr die Möglichkeit zu korrupten Machenschaften bieten. (...) Das Management der Fifa zu ändern und den Verband zu einer transparenten Organisation zu machen, wird komplizierter sein.“

          SCHWEIZ

          „Neue Zürcher Zeitung“: „Dem Weltfußball dürften turbulente Wochen bevorstehen, wobei die zentralen Aspekte nicht nur Blatters Nachfolge, sondern auch die Beweggründe für seinen Abgang betreffen werden. Es gibt Spekulationen, Blatter gehe nicht einfach dem Fifa-Frieden zuliebe, sondern kapituliere vor juristischen Untersuchungen. Der Walliser steht zwar seit Jahren einer von Korruption geprägten Organisation vor, doch kriminelle Machenschaften sind ihm noch nicht nachgewiesen worden.“

          „Tages-Anzeiger“: „Blatter wäre der falsche Mann gewesen, um die Fifa in die Zukunft zu führen, dafür war sein Name schon lange viel zu sehr belastet. Nun geht der 79-Jährige, das System aber bleibt. Es bleiben auch einige Funktionäre von fragwürdigem Ruf. Issa Hayatou, Senior-Vizepräsident und damit zweitoberster Fifa-Mann, gehört beispielsweise zu ihnen. Der Weltverband braucht deshalb weit mehr als Blatters Rücktritt.“

          „Blick: „Und jetzt geht er doch? Dann hat er etwas falsch gemacht? Liegt gegen ihn etwas Belastendes vor? Oder reicht ihm die Wiederwahl von letzter Woche für sein Vermächtnis? Oder sind es private Gründe? Noch am Kongress im Hallenstadion in Zürich-Oerlikon beteuerte Blatter, den Fußball vom Ruch der Korruption befreien zu wollen - als Präsident. (...) Bei seinem Abgang gestern tönt er anders, verbittert, geknickt.

          ÖSTERREICH:

          „Die Presse“: „Eines aber dürfen alle Kritiker nicht vergessen: Blatter hat die Fifa zu dem gemacht, was sie ist; ein Unternehmen mit zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz, ein Weltkonzern. Die Vermarktung des WM-Pokals ist ein Selbstläufer, jeder Amateur könnte es. (...) Blatter war ein Top-Manager mit Kontakten, Geschäftssinn und Verhandlungsgeschick. Die Fifa hat unter seiner Leitung den Fußball an den Bestbieter verkauft, ja; aber extrem hochpreisig. Und ausschließlich an dieser Summe wird nun sein Nachfolger gemessen.“

          ISRAEL

          „YNET“: „Fifa wird in der nächsten Zeit mit der Wahl eines neuen Präsidenten beschäftigt sein und die Beschäftigung mit den palästinensischen Beschwerden wird sich verzögern. Sollte Uefa-Chef Michel Platini gewählt werden, wären das gute Nachrichten für Israel. Platini war zuletzt die wichtigste Kraft bei der Unterstützung Israels gegen die Forderung der Palästinenser nach einem Ausschluss (aus der Fifa). Aber auch wenn der Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien gewählt wird ist das nicht unbedingt schlecht für Israel.“

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