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Umgang mit Dopingsündern : Er oder ich!

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Robert Harting: Stellt sich nur dann zur Wahl, wenn der frühere Dopingsünder Justin Gatlin gestrichen wird Bild: dpa

Der Leichtathletik-Weltverband will Robert Harting bewegen, doch bei der Wahl zum Welt-Leichtathleten zu kandidieren. Doch Harting will nur antreten, wenn der frühere Dopingsünder Justin Gatlin gestrichen wird.

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          Der Weltverband IAAF will den dreimaligen Diskuswurf-Weltmeister und Olympiasieger Robert Harting dazu bewegen, doch noch für die Wahl zum „Welt-Leichtathleten des Jahres“ 2014 zu kandidieren, „denn er ist ein würdiger Champion“, wie IAAF-Sprecher Nick Davies am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Bislang habe der 29 Jahre alte Berliner dem Weltverband aber noch nicht geantwortet. Der dpa sagte Harting am gleichen Tag: „Ich bin gerne bereit, mich der Wahl wieder zu stellen. Aber wirklich nur dann, wenn Athleten, die sich unrühmlich benommen haben, von der diesjährigen Liste gestrichen werden und in der Zukunft ein generelles Nominierungsverbot für sie gilt.“

          Der zu Beginn seiner Karriere in Dopingfragen nicht gerade sensibel auftretende Harting hat damit einmal mehr seinen gestiegenen Reifegrad unter Beweis gestellt. Noch 2009 bei der WM in Berlin hatte er für einen Skandal gesorgt, als er Dopingopfer grob beleidigte. „Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben, so dass sie wirklich nichts mehr sehen“, hatte er zu einer Aktion des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins gesagt. Dieser hatte 20.000 Pappbrillen verteilen lassen, um plakativ auf den im Verborgenen stattfindenden Missbrauch verbotener Mittel aufmerksam zu machen. Hartings damalige Härte rührte auch von der angespannten Situation um seinen damaligen Trainer Werner Goldmann her, der wegen seiner Verwicklungen in das DDR-Doping belastet worden war.

          Justin Gatlin: Zweimal mit  einem Dopingbann belegt
          Justin Gatlin: Zweimal mit einem Dopingbann belegt : Bild: AFP

          Nun hatte sich Harting selbst von der Kandidatenliste zur Wahl des Welt-Leichtathleten gestrichen, weil er nicht gegen den früheren Dopingsünder Justin Gatlin ins Rennen gehen will. Der amerikanische Sprinter war zweimal in seiner Karriere mit einem Dopingbann belegt; zuletzt wurde seine lebenslange Sperre als Wiederholungstäter auf acht und dann sogar auf vier Jahre (von 2006 bis 2010) reduziert.

          Mit Blick auf Gatlin schlug sich auch IAAF-Vizepräsident Sebastian Coe auf Hartings Seite. Er habe mit der Nominierung des 32 Jahre alten Amerikaners auf der Shortlist „große Probleme“, sagte der zweimalige Olympiasieger laut BBC-Bericht. „Er darf an Wettkämpfen teilnehmen - mehr würde ich dazu nicht sagen. Aber ich empfinde das nicht als angenehm“, meinte der 58-Jährige. „Ich glaube, Sie wären überrascht, wenn ich sagen würde, dass ich froh darüber bin.“

          Wie dpa erfuhr, will die Athletenkommission dem IAAF-Council einen Vorschlag unterbreiten, in Zukunft keine dopingbelasteten Sportler mehr auf die Shortlist zu setzen. Die modifizierte Regel könnte aber erstmals bei der Athletenwahl im WM-Jahr 2015 zur Anwendung kommen.

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