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Rio 2016 : Dramatische Verzögerung gefährdet Olympia

  • -Aktualisiert am

An der Copacabana soll 2016 das olympische Volleyball-Turnier stattfinden Bild: dpa

Die Vorbereitungen auf Olympia 2016 laufen so zäh, dass manche Sportfunktionäre schon einen Plan B fordern. Denn auch die neuesten Nachrichten aus Rio de Janeiro sind beunruhigend.

          2 Min.

          Rio de Janeiro? Beim Gedanken an das brasilianische Traumziel verfallen viele Sportfunktionäre in Panik. Die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2016 laufen so zäh, dass einige Weltverbände bereits einen Plan B fordern. „Was die Vorbereitung Olympischer Spiele angeht, befinden wir uns in der kritischsten Situation seit mindestens zwanzig Jahren“, sagte am Mittwoch Francesco Ricci Bitti, der Chef der Vereinigung der Olympischen Sommersportarten (Asoif) im türkischen Badeort Belek.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Dort trafen die Verbandspräsidenten mit der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zusammen – es wurde eine Alarmsitzung. IOC-Präsident Thomas Bach blieb zeitweise sogar die Stimme weg, allerdings wegen einer Erkältung.

          Überall stockt es. Hassan Moustafa, der ägyptische Präsident des Internationalen Handballverbandes, wagte es, den Teufel an die Wand zu malen. „Was machen wir, wenn es wirklich passiert? Wenn die Infrastruktur nicht fertig wird?“ Und draußen vor der Tür wurden bereits die 900 Millionen Dollar ins Feld geführt, die das IOC gespart hat, um auf eventuelle Ausfälle vorbereitet zu sein. Oder auf eine kurzfristige Verlegung.

          Ricci Bitti will davon noch nichts wissen, aber bald könnten die Probleme unlösbar geworden sein: „Wir dürfen die nächsten sechs Monate nicht verschwenden.“ Genau das ist aber zu erwarten. Die Lähmung dürfte bis Oktober dauern – wegen der Fußball-WM im Sommer und der Präsidentschaftswahlen im Herbst.

          Testwettkämpfe sind kaum möglich

          Vertreter von 18 der 28 Föderationen meldeten sich bei der Sitzung zu Wort, 17 hatten dramatische Probleme: Mit dem Bau von Deodoro, einem der beiden olympischen Hauptkomplexe, wurde noch nicht einmal begonnen. Dort sollen Wettkämpfe in acht Sportarten ausgetragen werden: Rugby, Hockey, BMX-Radfahren und Mountainbike, Kanuslalom, Pferdesport, Moderner Fünfkampf, Schießen und Vorrundenspiele im Basketball.

          Auch nach den löchrigen Rechnungen des hilflosen Organisationskomitees werden einige Anlagen erst im Februar oder gar März 2016 fertig – Testwettkämpfe sind dann kaum mehr möglich. Die Segler, die jetzt schon in der Guanabara-Bucht trainieren, monieren beängstigende Wasserverschmutzung. Der Golfkurs müsste schon im Dezember eingesät werden. Die Ruderer beklagen tote Fische auf einer verkommenen Lagune.

          2012 in London bekam Rios Bürgermeister Eduardo Paes die olympische Flagge überreicht
          2012 in London bekam Rios Bürgermeister Eduardo Paes die olympische Flagge überreicht : Bild: dapd

          Der Clou: Bis jetzt ist nicht einmal geklärt, welche Kosten jede der drei betroffenen politischen Ebenen übernehmen muss. Alle sind frustriert, weil Treffen mit den Organisatoren ständig verschoben werden. Und wenn sie stattfinden, werden immer wieder die gleichen Worte gewechselt, dafür Fragen nach Transport und Unterbringung nicht beantwortet.

          Auch die neuesten Nachrichten aus Rio sind beunruhigend. Zuletzt sind Gouverneur Sergio Cabral, einer der Anführer der Bewerbung, und Maria Silvia Bastos Marquez, die Präsidentin der städtischen Olympiagesellschaft, zurückgetreten. Auf der Baustelle des zweiten Zentrums, des Olympic Park, streiken seit vergangenem Donnerstag mehr als 2000 Arbeiter.

          „Sie müssen Forderungen stellen“

          Eigentlich gibt es nur ein einziges positives Signal: Präsidentin Dilma Rousseff hat auf Anraten Bachs ihren neuen Stabschef Aloizio Mercadante zur Kontaktperson für das Organisationskomitee ernannt. Nach langen Verzögerungen traf er am Dienstag erstmals mit dem Olympia-Chef, dem IOC-Mitglied Carlos Nuzman, zusammen. Viel Hoffnung, dass das Projekt jetzt Fahrt aufnimmt, hat allerdings niemand. Rousseff selbst blockiert. Der Absturz ihrer Popularitätswerte, als im vergangenen Jahr die Bevölkerung gegen die Geldverschwendung für Fußball-WM und Olympia auf die Straße ging, war ihr eine Lehre. Olympia? Erst nach der Wahl.

          Derweil tickt die Olympia-Uhr. Dem in der olympischen Historie einzigartigen Kritikfeuerwerk durch die Verbände ließ das IOC später allerdings nur kühle Worte folgen: „Die Zeit wird knapp, aber wir glauben, dass Rio gute Spiele veranstalten kann, wenn sofort Maßnahmen ergriffen werden.“ Eine Task Force soll bei den Bauprojekten helfen, insgesamt will das IOC striktere Aufsicht führen. Auf Agberto Guimaraes, den tapferen Repräsentanten des Organisationskomitees, der in Belek einen Lagebericht gab, wollte aber niemand herumhacken. „Sie müssen Forderungen stellen“, riet er den Vertretern der 28 der olympischen Sportarten. „Und mir helfen, das hier zu überleben.“

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