https://www.faz.net/-gtl-8teck

Kommentar : Wann schämt sich Trump?

Diplomatie auf der Matte: Der Amerikaner Kyle Dake und der Iraner Hassan Tahmasebi ringen beim legendären Nationen-Wettstreit in der New Yorker Grand Central Station Bild: AFP

Einst schaffte Ping-Pong-Diplomatie ein wenig Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und China. Nun ist Diplomatie auf der Matte gefragt. Iranische und amerikanische Ringer könnten Trump eines Besseren belehren.

          2 Min.

          Wie nur lautet das Äquivalent zu Ping-Pong-Diplomatie? Wie nennt man, was Menschen und Völker einander näher bringt, indem sie sich gegenseitig packen, auf die Matte werfen oder am Boden festhalten? Der Begriff vom Hinlangen, „grab them“, hat in der Ära Trump eine unschöne Bedeutung erfahren.

          Doch ausgerechnet die Zupacker der Nation, die Nationalmannschaft der Ringer, wird in zwei Wochen etwas leisten, zu dem die amerikanische Diplomatie derzeit nicht in der Lage ist: Iraner werden sie freudig begrüßen und jubeln, wenn sie sich mit den Helden ihres Landes handgreiflich auseinandersetzen. „USA Wrestling“, der nationale Verband der Ringer, wird seine Besten zum Weltcup nach Kermanschah schicken, einem Höhepunkt im Sportkalender des stolzen Iran, der zu den sieben Staaten gehört, für deren Bürger der Präsident Amerikas gerade ein Einreiseverbot verfügt hat und welches darauf mit einem Einreiseverbot für Amerikaner reagiert.

          Ringer-Diplomatie, zweiter Teil

          Was den Tischtennisspielern in den siebziger Jahren gelang, die Annäherung der sprachlosen Giganten China und Vereinigte Staaten durch freundschaftliche Spiele, könnte nun den Ringern für Amerika und die brüskierte islamische Welt gelingen. Schließlich sind die Ringer beider Länder, und die aus Russland noch dazu, ganz eng miteinander, seit sie im Mai 2013 eine Ringer-Gala in der Grand Central Station von New York veranstalteten. Das 1:6 der Amerikaner gegen das iranische Team damals war einer ihrer größten Erfolge; gemeinsam retteten die Ringer ihre Sportart vor dem drohenden Ausschluss von den Olympischen Spielen.

          Auswirkung auf Olympiabewerbung

          Das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten lässt wissen, dass es von der Trump-Regierung die Zusicherung erhalten habe, dass Athleten, die zu internationalen Wettkämpfen anreisen, von dem diskriminierenden Ausschluss ausgenommen seien. Auch Mo Farah, der britische Olympiasieger im Langlauf, dürfe vom Training in Äthiopien zu Trainer und Familie in Oregon zurückkehren. Sie hofften, teilen die ersten Olympier Amerikas mit, dass das Dekret die Werte angemessen anerkenne, auf denen die Nation wie Olympia gründe: Vielfalt und Aufnahme, Chancen und das Überwinden von Gegnerschaft.

          Nicht nur die Bewerbung von Los Angeles um die Sommerspiele 2024 wirft Fragen auf: Sind nur Stars und Profis ausgenommen? Oder dürfen auch, zum Beispiel, Sportler aus dem Flüchtlings-Team des Internationalen Olympischen Komitees oder gar Hobby-Läufer mit Geburtsorten in den inkriminierten Ländern zur Teilnahme am Boston-Marathon einreisen?

          Die Gastfreundschaft der Perser gegenüber den amerikanischen Ringern, das steht zu erwarten, sollte Trump beschämen. Ein anderes Wort für die Diplomatie auf der Matte? Ganz einfach: Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.