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Revolte in Nairobi : Kenias Läufer besetzen Verbandszentrale

Protest in Nairobi: So sieht es aus, wenn Sportler aufbegehren Bild: Reuters

Weil die Verbandsführung ungeniert Korruption betreibt, könnten Kenias Leichtathleten wie die Russen ausgeschlossen werden. Das wollen sich die Langstreckenläufer nicht bieten lassen – und greifen zu radikalen Mitteln.

          2 Min.

          Die ungenierte Korruption ihrer Verbandsführung ertrugen die Leichtathleten Kenias lange. Die Aussicht aber, dass Athletics Kenya (AK) wie der russische Verband wegen systematischen Dopings, Manipulationen und Unterschlagung von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden und sie dadurch der Chance auf Start- und Siegprämien in aller Welt beraubt werden könnten, hat zu einer Revolte kenianischer Langstreckenläufer geführt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Am Montagmorgen besetzten einige Dutzende von ihnen Riadha House, den Sitz des kenianischen Verbandes in Nairobi, verbarrikadierten sich und forderten auf Flugblättern und Plakaten den Rücktritt von Verbandspräsident Isaiah Kiplagat und seinem Vize David Okeyo.

          „Eure Zeit ist vorüber“ und „Zeit für die Korrupten, nach Hause zu gehen“ stand auf Plakaten. Wilson Kipsang, einer der besten Marathonläufer der Welt, bestätigte von seinem Wohnort Iten aus der Agentur Reuters, dass es sich bei den Besetzern um Mitglieder der Vereinigung Professioneller Athleten Kenias (PAAK) handele. Er sei überrascht worden von ihrem Vorgehen und habe Kontakt zu ihnen aufgenommen.

          Gegen Kiplagat und Okeyo sowie den ehemaligen Schatzmeister von AK, Joseph Kinyua, ermitteln die kenianische Justiz sowie die Ethikkommission des Leichtathletik-Weltverband (IAAF) wegen des Verdachts, eine Zahlung von Sponsor Nike über 700.000 Dollar unterschlagen zu haben.

          Die Langstreckenläufer besetzen die Verbandszentrale.

          Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) wirft Kenia vor, die Gründung einer Nationalen-Anti-Doping-Agentur zu hintertreiben und verbreitetes Doping zu ignorieren. Angeblich haben die Offiziellen auch Doping gedeckt. Gerade hat die IAAF, erschüttert von einem Doping- und Korruptionsskandal, der bis in die Verbandsspitze reicht, den russischen Verband suspendiert.

          Kipchoge Keino, als zweimaliger Olympiasieger eine Ikone der kenianischen Gesellschaft und Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, warnt vor einer internationalen Sperre Kenias. Damit hat er offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Nahezu bei jedem offenen Straßenlauf der westlichen Welt dominieren kenianische Langläufer; Hunderte von professionellen Sportlerinnen und Sportlern bringen so Abermillionen nach Kenia, bei der WM in Peking im Sommer gewannen kenianische Läufer die meisten Goldmedaillen und produzierten zwei Doping-Fälle.

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          Der 71 Jahre alte Kiplagat hält seit vier Jahrzehnten Posten im kenianischen Verband. Bei Doping-Fällen beschuldigte er stets Manager aus Europa und Amerika, ihre Athleten zu missbrauchen. Im Sommer dieses Jahres trat er von der AK-Präsidentschaft zurück, um Vizepräsident der IAAF zu werden.

          Nach seinem Scheitern verlangte er seinen Posten zurück und drängte seinen Nachfolger Okeyo aus dem Amt. Dieser, nun wieder Vizepräsident, darf sich mit einem Posten im Council, dem Rat der IAAF, trösten. Zwar nicht von der Vollversammlung gewählt, rückte er im August in Peking als Vertreter Afrikas in das 27 Mitglieder starke Gremium.

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