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Reinhard Rauball im Gespräch : „Wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden“

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DFB-Präsident Niersbach hat im Sommer von einer „Null-Toleranz“ gegenüber Störern gesprochen. Ist das auch Ihr Weg, ist es der richtige Weg?

Es gibt bestimmte Bereiche, in denen es keine Toleranz geben kann: Gewalt, Rechtsextremismus, Pyro. Ansonsten glauben wir, dass der Dialog und die Prävention im Vordergrund stehen müssen. Wir müssen uns aufeinanderzubewegen. Die Prävention ist wichtig, um die derzeitigen noch unüberbrückbaren Gegensätze mittelfristig aufzubrechen. Aber es gibt keinen Königsweg, der uns garantiert, dass wir zur neuen Saison eine Beruhigung bei allen Spielen haben.

Fans des FC Schalke 04 zünden Pyrotechnik auf der Tribüne
Fans des FC Schalke 04 zünden Pyrotechnik auf der Tribüne : Bild: dpa

Wie hat sich nach der Ablehnung des Papiers durch die Vereine im Oktober die Lage verändert?

Ich glaube, es gibt eine Annäherung, viele Fangruppen sind in die Diskussion einbezogen worden. Es gibt aber auch einige Fan-Gruppierungen, bei denen es nicht einfach ist, die haben sich auch nicht von Pyrotechnik distanziert. Wir müssen aber auch den Begriff „Fan“ definieren. Das ist ein nicht unerheblicher Punkt des Problems: Wer ist eigentlich legitimiert, für die Fans zu reden...

... diejenigen, die sich, wie in der Demokratie üblich, artikulieren und engagieren.

Das akzeptieren wir auch, und das Engagement von einigen Gruppen, auch gesellschaftlich, ist anerkennenswert. Aber Fans sind für uns beispielsweise auch die nicht organisierten Zuschauer und der Familien-Block. Es gibt nicht den einzig wahren Fan.

Warum kommt der organisierte Fußball bei Pyrotechnik einfach nicht weiter?

Es gibt bei den Verbänden eine ganz klare Haltung: Pyrotechnik wird nicht erlaubt. Da weichen wir keinen Millimeter von ab. Man sollte zudem wissen: Die Vereine als Veranstalter müssten sich im Falle einer Freigabe auch mit erheblichen Haftungsrisiken auseinandersetzen.

Dass Pyrotechnik auf den Rängen mit vielen Leuten nichts zu suchen hat, ist unstrittig. Viele Kritiker auf Fanseite aber fragen sich: Warum beteiligen Verbände und Vereine die Anhänger nicht an einem Prozess, bei dem am Ende durchaus die Ablehnung stehen kann? Das könnte doch auch im Interesse der Verbände sein.

Es muss erlaubt sein, dass der Verband als Zusammenschluss der 36 Vereine sich eine Position schafft, die lautet: Wir wollen keine Pyrotechnik. Das Risiko liegt allein auf Seiten der Veranstalter, das will keiner eingehen. Der Fußball war auch ohne Pyrotechnik jahrzehntelang eine Erfolgsgeschichte.

Nur - das Problem der Pyrotechnik bleibt.

Wir setzen nach wie vor auf die Einsicht derjenigen, die sich bislang weigern anzuerkennen, dass eine tolle Fußballkultur auch ohne Pyrotechnik möglich ist. Weil dieses Umdenken bisher nicht durchgängig eingetreten ist, ist die Verschärfung von Kontrollen notwendig, dazu modernste Videotechnik und Schulung der Sicherheitsdienste. Das sind alles Konsequenzen, weil trotz eines Neins weiterhin mit Pyrotechnik hantiert wird.

Was erwarten Sie, was in den Kurven geschieht, wenn das Konzept am Mittwoch durchgeht?

Ich erwarte zunächst, dass sich die Mitglieder des Ligaverbandes positionieren und sich am 12. Dezember ihrer Verantwortung stellen. Alles andere wird man sehen.

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