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Reinhard Rauball im Gespräch : „Wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden“

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Ministerpräsident Bouffier sagt auch, wenn am 12. Dezember keine Maßnahmen ergriffen werden, wäre das die Bankrotterklärung des Fußballs. Sehen Sie das auch so?

Sicher ist: Die Innenministerkonferenz erwartet eine Entscheidung - und die Pläne für den Fall, dass den Erwartungen nicht entsprochen wird, sind viel konkreter, als manche meinen. Das mussten wir mehrfach zur Kenntnis nehmen, auch am Montag. Aber wir wollen der Politik nicht in jeder Hinsicht folgen, deswegen müssen wir unsere Hausaufgaben selber machen. Daher ist es wichtig, dass wir am 12. Dezember zu einer Entscheidung kommen. Zu einer Verschiebung darf es nicht kommen. Wir sollten unserer Verantwortung mit Beschlüssen gerecht werden. Auch immer mehr Vereine sehen, dass sie auch in der Verantwortung stehen für die Bundesliga als Gesamtkonstrukt.

Was steht für den deutschen Fußball an diesem Tag auf dem Spiel?

Für den deutschen Fußball steht Glaubwürdigkeit im gesellschaftlichen Dialog, Autonomie und Geschlossenheit auf dem Spiel. Der Fußball sollte zeigen, dass er sich bestimmten Herausforderungen entschlossen und geschlossen stellt - und Lösungsansätze hat. Wenn das am Mittwoch nicht der Fall sein sollte, hat der Fußball insgesamt deutlich verloren.

Die Politik macht Druck auf die DFL, aber auch die Fans. Der Stimmungsboykott war eindrucksvoll. Welches Signal nehmen Sie mit?

Es ist gut, wenn Menschen ihre Meinung sagen. Dass es aber auch Vorfälle in und um die Stadien gibt, die dort nichts zu suchen haben, kann man nicht wegdiskutieren und auch nicht wegschweigen. Pyro, Gewalt und Rechtsextremismus haben in unseren Stadien nichts zu suchen - das sind unverzichtbare Eckpfeiler aus unserer Sicht. Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass der Umgang mit Pyrotechnik im Zusammenhang mit dieser Fanaktion immer noch verharmlost wird. In Düsseldorf und Schalke ist das Problem doch zuletzt für jeden sichtbar geworden. Pyro kann kein Bestandteil der Fußballkultur sein. Zudem verleiht die sehr harte Agitation der Initiatoren von „12:12“ - ich denke dabei vor allem an den Satz „DFL und Polizei spielen falsch“ - der Aktion einen faden Beigeschmack. Die Argumentation beruht zu wesentlichen Teilen auf Pauschalierungen und Unterstellungen. Es soll keine Verpflichtung zu Ganzkörperkontrollen geben. Wir wollen Kollektivstrafen vermeiden, indem wir die Täter stellen und bestrafen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Null-Toleranz“ gegenüber Störern
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Null-Toleranz“ gegenüber Störern : Bild: dpa

In der Sicherheitsfrage steht die DFL in den letzten Monaten im Blickpunkt. In der Vergangenheit hat der DFB dafür die Federführung beansprucht und auch wahrgenommen. Der neue DFB-Präsident Niersbach hat die Gewaltfrage zu einem zentralen Anliegen seiner Amtszeit erklärt. Merken Sie etwas davon?

Präsident Niersbach, Generalsekretär Sandrock und der Sicherheitsbeauftragte Große Lefert waren regelmäßig eingebunden in die Diskussionen. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam gegen Gewalt, Extremismus und Pyro vorgehen.

Noch mal: Erwarten Sie sich mehr Unterstützung vom DFB und seinem Präsidenten?

In einer für den Fußball zentralen Angelegenheit kann man nie genug Unterstützung erhalten. Generell hätte ich mir aber - unabhängig vom DFB - von anderen, die erklärt haben, hinter dem Konzept zu stehen, gewünscht, dass sie auch in der Öffentlichkeit klar Stellung bezogen hätten. So hatten einige Vertreter von Fan-Gruppierungen mehrfach die Meinungshoheit.

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