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Fifa : Zugriff im Morgengrauen

Am Zürichberg lichtet sich der Nebel noch nicht: Die Fifa bringt aber immerhin Reformen auf den Weg Bild: AFP

Abermals werden mutmaßlich korrupte Fifa-Funktionäre verhaftet. Für den Reformprozess im maroden Fußball-Weltverband könnte das förderlich sein. Schon kurz nach den Festnahmen reagiert das Exekutivkomitee.

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          Das „Baur au Lac“ ist ein gefährliches Pflaster für Fifa-Funktionäre. Schon Ende Mai war dort ein halbes Dutzend von ihnen festgenommen worden. Aber den Offiziellen des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) scheint es in dem Zürcher Luxushotel in Wurfweite vom Zürichsee immer noch sehr gut zu gefallen. Zur Tagung des Fifa-Exekutivkomitees am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche stiegen etliche von ihnen abermals in der Nobelherberge ab.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Den Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout (Paraguay) und Alfredo Hawit Banegas (Honduras) war dort indes nur eine kurze Nacht beschieden. Polizisten holten die beiden Herren am Donnerstag um 6 Uhr aus ihren Suiten und transportierten sie in dunklen Limousinen über die Tiefgarage hinaus und ab ins Gefängnis.

          Ersuchen des amerikanischen Justizministeriums

          Die Verhaftung im Morgengrauen beruhte abermals auf einem Ersuchen des amerikanischen Justizministeriums, das schon im September weitere Anklagen angekündigt, aber noch keine neuen Namen genannt hatte. Genau wie die sieben Fifa-Offiziellen, die im Mai in Zürich dingfest gemacht wurden, stehen die beiden Lateinamerikaner unter dem Verdacht, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Im Gegenzug sollen die Funktionäre Vermarktungsrechte für Fußballturniere in Lateinamerika und für WM-Qualifikationsspiele vergeben haben. Nach Angaben des Justizministeriums sind die Straftaten teilweise in Amerika abgesprochen und vorbereitet worden.

          Im Fadenkreuz der Justiz dürfte auch der Präsident des brasilianischen Fußballverbands stehen, Marco Polo Del Nero. Gegen ihn ermittelt die Fifa-Ethikkommission neuerdings wegen einer Reihe von Verstößen, wie ein Sprecher der Kommission bestätigte. Del Nero war Ende November aus der Fifa-Exekutive zurückgetreten und nun nicht nach Zürich gereist. Der 74-Jährige fürchtet schon seit längerem, festgenommen zu werden, wenn er sein Land verlässt. Sein Amtsvorgänger José Maria Marin gehörte zu jenen, die im Mai im „Baur au Lac“ verhaftet wurden.

          Verwalter des Übergangs: Reformchef Carrard und Interimspräsident Hayatou

          Die abermalige Verhaftungsaktion dürfte die Reformbereitschaft der Fifa-Spitzenfunktionäre befördert haben. Die verbliebenen Mitglieder des Exekutivkomitees beschlossen am Donnerstag einstimmig eine Reihe von Reformen, die allerdings erst noch vom Fifa-Kongress Ende Februar genehmigt werden müssen. Der Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou, der auch nicht frei von Bestechungsvorwürfen ist, aber nach der Suspendierung von Joseph Blatter trotzdem an die Verbandsspitze rückte, sagte auf einer Pressekonferenz in Zürich, dass er sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu den „Ereignissen“ am Morgen äußern könne. Auf die Frage, ob er selbst korrupt sei, antwortete der Afrikaner: „Ich säße nicht hier, wenn ich korrupt wäre.“ Mit den Skandalen in der Fifa habe er nichts zu tun.

          Die Fifa-Exekutive folgte den Vorschlägen des Reformkomitees. Demnach soll die Amtszeit des Fifa-Präsidenten künftig auf maximal zwölf Jahre begrenzt sein; eine Altersobergrenze wird es aber nicht geben. Das Exekutivkomitee soll durch einen Fifa-Rat (Council) ersetzt werden, der als eine Art Aufsichtsrat fungiert und lediglich die strategische Richtung vorgeben soll. Die operative Führung obliegt fortan einem Generalsekretariat, das von einem Direktor geleitet wird.

          Die Bezüge des Spitzenpersonals sollen künftig veröffentlich werden, auch die des Fifa-Präsidenten. Das Management legt Rechenschaft ab nicht nur gegenüber dem Fifa-Rat, sondern auch gegenüber dem unabhängigen Audit- und Compliance-Komitee, das unter Führung von Domenico Scala steht. Scala war die treibende Kraft hinter den Reformbemühungen. Er bezeichnete das Maßnahmenpaket in einer separaten Telefonkonferenz als „wichtigen Meilenstein“ für die Fifa. Damit könne die Fifa als Organisation gerettet werden. Es brauche aber einen begleitenden Kulturwandel, auch auf der Ebene der einzelnen Kontinentalverbände.

          Francois Carrard, Vorsitzender des Reformkommission, betonte, dass dies nur der Beginn der Erneuerung der krisengeschüttelten Fifa sei. Er verspricht sich weiter Fortschritte von den strengeren Regeln für die Wahl der künftig 36 Fifa-Ratsmitglieder. Kandidaten für Fifa-Komitees müssen sich fortan Integritätschecks unterziehen, die von externen Prüfern vorgenommen werden. Auch die Verwendung der Millioneneinnahmen aus den Fußballwettbewerben soll künftig besser kontrolliert werden. Eine weitere Kontrollinstanz soll über die Einstellung eines Chief Compliance Officers eingezogen werden. Bis zum Jahr 2018, so hieß es in Zürich, soll die Fifa als moderne und vertrauenswürdige Sportorganisation wahrgenommen werden. Bis dahin sei aber noch viel Arbeit zu tun.

          Die am Donnerstag verhafteten Fifa-Vizepräsidenten Hawit und Napout widersetzten sich einer sofortigen Auslieferung in die Vereinigten Staaten. Daher folgt nun ein formelles Auslieferungsverfahren. Das Schweizer Justizministerium ist auch den Bestechungsgeldern auf der Spur. Es ließ eine Reihe von Konten auf verschiedenen Banken in der Schweiz sperren und ordnete bisher in fünf Fällen die Herausgabe von Bankunterlagen an.

          Zu den Schweizer Banken, die mit fragwürdigen Fifa-Funktionären eine Kontobeziehung unterhielten, zählen unter anderem UBS, Credit Suisse und Julius Bär. Alle diese Banken kooperieren mit den Behörden. Wenn Schweizer Banken einen Kunden der Geldwäsche verdächtigen, sind sie ohnehin gesetzlich verpflichtet, dies zu melden. Bisher sind im Zusammenhang mit Konten von ehemaligen oder amtierenden Fifa-Funktionären gut 120 dieser Geldwäschemeldungen eingegangen.

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