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Referendum für Spiele 2024 : Olympia spaltet Hamburg

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NOlympia oder Olympia now? Das große Symbol im Hamburger Stadtpark nutzen Gegner zu einem kleinen Konter, den die Freunde der Spiele flugs um ein entscheidendes „w“ erweitern. Bild: dpa

An diesem Sonntag endet das Referendum in der Hansestadt: Die Bürger sollen entscheiden, ob es eine Bewerbung um die Sommerspiele und die Paralympics 2024 geben soll. Es wird ein knappes Rennen.

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          Welche die schönsten Bilder waren, können die Olympiafreunde jetzt unmöglich sagen. Die 20.000 Menschen, die sich an einem verregneten Märzabend mit Fackel in der Hand zur Kette um die Alster formierten? Die olympischen Ringe im Stadtpark am 8. November, aus 10.000 Hamburgern gebildet, hinterher tausendfach geteilt und geliked in den sozialen Netzen? Oder doch der 39 Etappen lange Lauf der Triathleten Cecilia Farias Merchant und Nils Goerke durch alle 104 Stadtteile, das „Lauffeuer 2024“?

          Die Stadt ist eine andere geworden, seit bei der Telefonumfrage vor einem halben Jahr 64 Prozent für Spiele in Hamburg stimmten. Der Zweikampf mit Berlin war im Februar, März das beherrschende Thema. Jetzt sind es andere: Die Flüchtlinge. Der Terror. Die Landesbank. Am Sonntag um 18 Uhr endet das Referendum zu Hamburgs Bewerbung um Olympische Spiele und Paralympics 2024; 1,3 Millionen wahlberechtigte Bürger durften seit Ende Oktober abstimmen, ob sie die Spiele in ihrer Stadt haben wollen oder nicht. Was im März einfach aussah, ist eine hohe Hürde für die Olympiamacher geworden. Es wird ein knapper Ausgang erwartet. Wie sehr die Olympiafrage Hamburg bewegt, zeigt die erwartete Wahlbeteiligung: Sie könnte ähnlich wie bei den Bürgerschaftswahlen im Februar liegen, damals votierten 56,5 Prozent. Bis zum Freitag hatten 530.000 Hamburger ihre Entscheidung per Briefwahl getroffen. Sicher ist nur, dass dieser Bürgerentscheid die Stadt für lange Zeit in zwei Lager spalten wird.

          Teure Kampagnen dafür und dagegen

          Es gab unangenehme Momente. Am Tag nachdem der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im edelsten Saal des Rathauses referiert hatte, was Olympia kosten könne, wird im Kreuzfahrterminal in Altona diskutiert und gefeiert. Es entwickelt sich ein Abend der Selbstbestätigung mit der liebsten Botschaft des Pragmatikers Scholz: Es wird klappen, weil ich mich darum kümmere. Im Cruise Center soll auch der Olympiakritiker von „Stop Olympia“ seine Argumente vortragen dürfen, Joachim Lau. In der hochkarätig besetzten Runde lassen ihm Regie und Moderation zehn Minuten. Ständig unterbricht ihn Gesprächsleiterin Julia Sen. Lau verliert den Faden, er gibt eine schlechte Figur ab. Betretenes Schweigen.

          Julia Sen kommt vom NDR. Der Sender, einer der größten Arbeitgeber, hat zusammen mit dem „Abendblatt“ und der „Bild“ eine Pro-Olympia-Allianz geschmiedet. Ihr kann sich kaum jemand entziehen. Die Gegner Professor Michael Rothschuh und der Student Florian Kasiske von „NOlympia“ oder die olympiakritischen Abgeordneten der Linken, Mehmet Yildiz und Heike Sudmann, finden in den Medien kaum Gehör – oder werden gleich als ewige Nörgler disqualifiziert.

          Nicht nur im medialen Vergleich überwog das Pro-Olympia-Hamburg. Auch, was die Sichtbarkeit im Stadtbild betrug. Die zwei Millionen Euro teure Imagekampagne der privaten Initiative „Feuer und Flamme“ erfasste die Metropole mit Beginn des Referendums. PR-Profi Christian Hinzpeter zieht mit seiner Agentur „Faktor 3 Sport“ an der Binnenalster die Fäden; im Auftrag der Handelskammer und Hamburgs oberstem Olympiabotschafter Alexander Otto (ECE-Einkaufszentren) plant er, wie für die Spiele geworben wird. Otto hat das Geld bei 85 Firmen eingesammelt.

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