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Radsport-Weltverband : Cookson soll das Image aufpolieren

  • -Aktualisiert am

Der neue Herr der Räder: Brian Cookson ist neuer Präsident der UCI Bild: AFP

Brian Cookson löst Pat McQuaid an der Spitze des Radsport-Weltverbands UCI ab. Der Wahl gehen chaotische Diskussionen über die Rechtmäßigkeit der McQuaid-Kandidatur voraus.

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          Es war ein langes, teilweise konfuses Prozedere. Der Kongress des Internationalen Radsportverbandes (UCI) am Freitag in Florenz schien mit wichtigen Angelegenheiten teilweise überfordert zu sein. Dabei sollte es doch ein richtungweisender Tag für den Radsport sein. Und natürlich auch für die UCI, die nicht mehr den besten Ruf hat. Immerhin verfügt der Weltverband, nach zähen Diskussionen und Abstimmungen im historischen Palazzo Vecchio, weiterhin über einen Präsidenten.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und mit Brian Cookson jetzt noch dazu über einen, dem zugetraut wird, Reformen im Weltverband durchzusetzen und das Image des Radsports aufzupolieren. Der Brite wurde am Freitag Nachfolger des umstrittenen Pat McQuaid. Cookson setzte sich deutlich mit 24:18 Stimmen durch.

          Die beiden Konkurrenten hatten sich einen harten Wahlkampf geliefert. Zuletzt waren in einem mehr als 50 Seiten starken Dossier auch Korruptionsvorwürfe gegen McQuaid erhoben worden. Angeblich hatte der Oligarch Igor Makarow, Chef des russischen Radsportverbandes, das Papier in Auftrag gegeben. McQuaid, der sich über Makarows Hilfe für Cookson beklagt hatte, war bis zuletzt ein erbitterter Rivale.

          Er trat in Florenz plötzlich doch mit einer Nominierung durch die Schweiz an, obwohl die Schweizer ihr Ja zu dem Iren im August zurückgezogen hatten – allerdings nicht fristgerecht, wie es jetzt hieß. Außerdem wurde behauptet, dass Marokko und Thailand sich rechtzeitig zu McQuaid bekannt hätten und ihre Unterstützung ebenfalls rechtens sei. Cookson, ein Landschaftsarchitekt und Gestalter urbaner Räume, wurde vom britischen Radsportverband ins Rennen geschickt.

          Schreckensszenario verfehlte seine Wirkung

          McQuaid hatte in seiner Präsentation am Freitag noch versucht, vor allem mit seinem Ansehen im internationalen Sport zu werben. Der Radsport, sagte er, würde beim Internationalen Olympischen Komitee an Einfluss verlieren, sollte er nicht wieder gewählt werden. Das Schreckensszenario verfehlte aber seine Wirkung. Cookson betonte, eine neue Ära im Radsport einleiten zu wollen, basierend auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

          Strittiger Punkt war am Freitag zunächst eine mögliche Änderung von Artikel 51.1 der UCI-Satzung, der sich mit der Präsidentschaft der UCI befasst. Am Freitag stand mit einem Mal ein Vorstoß von Barbados und der Türkei zur Debatte, dass ein amtierender Präsident befähigt sein soll, sich wieder automatisch zur Wahl zu stellen. Darüber entbrannte im „Saal der Fünfhundert“ des Palazzo Vecchio eine Auseinandersetzung unter den Kongress-Teilnehmern. Mit dem Resultat, zunächst – und zwar geheim – darüber abzustimmen, ob es überhaupt eine Abstimmung über Artikel 51.1 geben sollte, oder ob dies auf das kommende Jahr verschoben werden sollte.

          McQuaid war sichtlich genervt von dem Hin und Her. Erst gegen Mittag, nachdem der Kongress bereits drei Stunden gedauert hatte, verlas der Ire selbst das Ergebnis. Bei der „Vor-Abstimmung“, an der 42 Delegierte beteiligt waren, hatte es ein Patt von 21:21 gegeben. Es hatte also keine Mehrheit dafür gegeben, sich mit dem Vorschlag von Barbados und der Türkei zu befassen. Das wurde in Florenz teilweise schon als endgültiges Scheitern von McQuaid interpretiert. Aber dann stand der wendige Ire, der vor allem wegen seiner Haltung im Fall des wegen Dopings lebenslang gesperrten Amerikaners Lance Armstrong in die Kritik geriet, doch als Kandidat da.

          Eine unrühmliche Situation für die UCI – und ein Beleg dafür, wie trickreich McQuaid um seine Macht zu kämpfen versuchte. Wenigstens erlebte der Radsport dank des deutlichen Votums für Cookson doch noch einen Tag des Aufbruchs.

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