https://www.faz.net/-gtl-80rio

Radsport-Untersuchungsbericht : Die acht größten Vorwürfe gegen die UCI-Führung

  • Aktualisiert am

Der frühere UCI-Präsident Pat McQuaid Bild: AFP

Laut des Untersuchungsberichts über die UCI hat die frühere Führung des Radsport-Weltverbandes mehrfach gegen ihre eigenen Regeln verstoßen – und dabei verschiedene Athleten bevorzugt. FAZ.NET dokumentiert die größten Verfehlungen.

          2 Min.

          Der Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission CIRC zur Doping-Problematik im Radsport erhebt schwere Anschuldigungen gegen die frühere Führung des Weltverbandes UCI. FAZ.NET dokumentiert die größten Verfehlungen gemäß des Untersuchungsberichts:

          • Verstöße gegen die Artikel 4, 8 und 43 des eigenen Anti-Doping-Reglement

          Bei der UCI war es gängige Praxis, nachträgliche Atteste von Fahrern nach positiven Dopingproben zu akzeptieren. So war Laurent Brochard bei seinem WM-Titel 1997 positiv auf das Lokalanästhetika Lidocain getestet worden. Bei Lance Armstrong enthielten vier Proben während der Tour de France 1999 Spuren von Kortison. Ähnlich gelagert waren weitere Fälle. Die UCI akzeptierte nachträgliche Atteste, obwohl die Fahrer laut Reglement dazu verpflichtet sind, diese im Vorfeld anzugeben.

          • Verstoß gegen Artikel 77 des eigenen Anti-Doping-Reglements

          Lance Armstrong durfte bei seinem Comeback 2009 bei der Tour Down Under an den Start gehen, obwohl er noch nicht sechs Monate dem Testpool angehörte. Pat McQuaid hatte diese Entscheidung am 8. Oktober 2008 getroffen. Noch am gleichen Tag gab Armstrong seinen Start bei der Tour of Ireland bekannt, die von Pat McQuaids Bruder Darach mitorganisiert wurde. Auch wenn es keine direkten Beweise für ein Agreement zwischen McQuaid und Armstrong gibt, stellte die Kommission wohl einen zeitlichen Zusammenhang fest.

          • Bevorzugte Behandlung von Lance Armstrong

          Die UCI informierte Armstrong und seine Entourage über Dopingproben bei der Tour de Suisse 2001, die zwar nicht als „positiv“, aber als „sehr verdächtig“ eingestuft worden waren. Auf Initiative des Weltverbandes wurde dem Armstrong-Lager durch Martial Saugy, dem Direktor des Labors in Lausanne, das Testverfahren auf EPO erklärt.

          Der Spanier wurde von dem positiven Dopingtest auf Clenbuterol bei der Tour 2010 persönlich in seinem Heimatland bei einem Treffen mit drei UCI-Funktionären informiert. Kontaminiertes Fleisch wurde dabei als mögliche Ursache der positiven Probe erörtert. Dass der Weltverband die positive Probe vertuschen wollte, konnte nicht nachgewiesen werden. Gleichwohl sei der Fall Contador laut CIRC ein Beispiel für das „schlechte öffentliche Management von Krisensituationen“ durch die UCI.

          • Annahme von Geldzahlungen aktiver Fahrer

          Die UCI nahm als Spenden deklarierte Geldzahlungen Armstrongs in Höhe von 125 000 Dollar an. Zwar konnte nicht belegt werden, dass diese Zahlungen im Zusammenhang mit der Vertuschung von Dopingproben steht. Trotzdem wertete die Kommission die Verhaltensweise der UCI als „unklug“.

          • Einflussnahme auf den Report von Emile Vrijman

          Nachdem Bericht der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ über Armstrong-Proben aus dem Jahr 1999, bei denen im Zuge von Nachtests EPO festgestellt worden war, sollte Emile Vrijman einen unabhängigen Bericht verfassen. Tatsächlich wies die CIRC aber nach, dass die UCI und das Armstrong-Lager massiv Einfluss auf den Inhalt des Berichts genommen hatten.

          • Klüngelei

          Die UCI und Armstrong arbeiteten bei diversen juristischen Auseinandersetzungen mit dritten Parteien eng zusammen. So unterstützte Armstrong die UCI im Streit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur. Umgekehrt machte sich die UCI für Armstrong bei Doping-Anschuldigungen wie etwa beim Buch von David Walsh stark.

          • Einflussnahme auf die UCI-Präsidentschaftswahl 2005

          Nachdem Hein Verbruggen sein Ausscheiden aus dem Amt des Präsidenten für 2005 erklärte, machte er sich sogleich für McQuaid als seinen Nachfolger stark. Der Ire erhielt bereits ein halbes Jahr vor der Wahl einen bezahlten und nicht öffentlich ausgeschriebenen UCI-Posten, in dem er auf das Amt vorbereitet wurde. Verbruggen erklärte die weiteren Kandidaten als „nicht die beste Wahl“.

          Weitere Themen

          Dortmund muss auf Barcelona hoffen Video-Seite öffnen

          BVB in der Champions League : Dortmund muss auf Barcelona hoffen

          Dienstagabend geht es für Borussia Dortmund darum, ob das Team von Lucien Favre die Gruppenphase übersteht. Momentan punktgleich mit Inter Mailand, jedoch mit dem schlechteren Torverhältnis, muss der BVB auf ein gutes Ergebnis des FC Barcelonas bei den Italienern hoffen.

          Stuttgart dreht das Spiel dank Gomez

          3:1 gegen Nürnberg : Stuttgart dreht das Spiel dank Gomez

          Durch zwei nicht gegebene Stuttgarter Tore hatte das Spiel einen Hauch von Déjà-vu. Doch auch dank Mario Gomez dreht Stuttgart das Spiel und gewinnt gegen den 1. FC Nürnberg. Die Franken dagegen kriseln weiter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.