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Radsport : Kniefall vor Kasachstan

  • -Aktualisiert am

Schlimmes Zeichen aus Aigle: Vincenzo Nibali kommt davon Bild: Reuters

Prima Perspektiven für 2015: Der internationale Radsportverband UCI traut sich nicht, gegen Betrüger durchzugreifen. Also darf Vincenzo Nibali unter kasachischer Flagge davonradeln.

          Schöne Nachricht aus der Schweiz! Das muss an dieser Stelle auch mal gesagt werden. Dafür gibt es natürlich einen guten Grund, in jedem Fall mit einem ganz speziellen Blick auf die Dinge rund um das Team Astana. Ist doch so, dass es auch bei diesem Rennstall um Menschen geht, um Arbeitsplätze (wertvolles Gut!) auf höchstem Niveau im Radsport, um die Zukunft eines Mannes wie Vincenzo Nibali, des Siegers der Tour de France 2014. Was hätte nur aus ihm und seiner starken italienischen Entourage bei der kasachischen Equipe werden sollen, wenn der Internationale Radsportverband (UCI) – mit Sitz in Aigle in der Schweiz – nun hart durchgegriffen hätte? Wenn die Kasachen aus der WorldTour, der Eliteklasse des Radsports, verbannt worden wären wegen einer Reihe von Betrügern? Ein Teamwechsel?

          So leicht hätte der ehrenwerte Italiener – muss man so festhalten, da rein gar nichts gegen ihn vorliegt – das im Dezember nicht mehr bewerkstelligen können. Mit seinen Ansprüchen, seinem Gehalt, seinem Helferstab. Mille Grazie, UCI: Das könnte Signore Nibali, der weiterstrampeln darf unter der Flagge Kasachstans, nun ohne weiteres nach Aigle übermitteln.

          Schlimmes Signal

          Schlimmes Signal aus der Zentrale der UCI! Das gilt für all jene, die dem Radsport als kritische Begleiter gegenüberstehen. Und jetzt kaum verstehen können, wie zahm die UCI mit dem Team Astana und dessen dubiosem Chef Alexander Winokurow umgeht. Sollte doch vieles anders werden im Radsport mit der neuen UCI-Führung, ehrlicher und transparenter. Und jetzt? Alte Verfahrensmuster! Den Finger heben, ein bisschen mahnen, etwas von Bewährung erzählen und scharfer Beobachtung. Das ist alles, was der UCI vorerst zu dieser heiklen Angelegenheit eingefallen ist.

          Mag ja sein, dass die neuesten massiven Verdächtigungen gegen das Team Astana, die eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Mediziner Michele Ferrari („Dottore Epo“) betreffen, noch nicht wirklich bewertet werden können – obwohl der Staatsanwaltschaft von Padua zuzutrauen ist, dass sie ihren Job gründlich erledigt. Doch allein die fünf Doping-Fälle beim Team Astana (inklusive seiner Continental-Gruppierung) innerhalb weniger Monate hätten reichen müssen, um ein klares Zeichen zu setzen im Anti-Doping-Kampf: Lizenzentzug! Zumal zuletzt, auch wegen der frischen Ferrari-Akte, immer deutlicher geworden ist, dass der Radsport weiterhin ziemlich verdorben zu sein scheint.

          Fatale Wirkung! Eine UCI, die offenbar nicht den Mut zu konsequentem Handeln hat. Die wohl mögliche juristische Auseinandersetzungen scheut. Die einen Kniefall vor Kasachstan zu machen scheint, das eine Menge Geld in den Radsport pumpt, mit Unterstützung des Regimes. Prima Perspektiven für 2015!

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