https://www.faz.net/-gtl-p5ac

Radsport : Bettini gewinnt Hitzerennen - Zabel Vierter

  • Aktualisiert am

Leidenschaft für Gold: Paolo Bettini Bild: dpa/dpaweb

Paolo Bettini hat das olympische Straßenradrennen gewonnen. Nach 224,4 km auf dem Stadtkurs in Athen setzte sich der Italiener durch. Erik Zabel wurde Vierter, Jan Ullrich mußte sich mit Rang 19 begnügen.

          2 Min.

          Jan Ullrich hat die historische Chance verpaßt, als erster Radprofi seinen Olympiasieg zu wiederholen. Der Goldmedaillen-Gewinner von Sydney mußte am Samstag beim olympischen Straßenrennen von Athen über 224,4 km unter gnadenlos glühender Sonne mit dem 19. Rang zufrieden sein. Auf geschichtsträchtigem Kurs unter der Akropolis holte der 30jährige Italiener Paolo Bettini Gold vor dem Portugiesen Sergio Paulinho. T-Mobile-Sprinter Erik Zabel aus Unna wurde hinter Axel Merckx (Belgien) Vierter und ärgerte sich mächtig: „Schade, um vier Sekunden an Bronze vorbei. Das erinnert mich an Barcelona - aber c'est la vie.“

          Bei über 40 Grad hatten der Italiener, in den vergangenen beiden Weltcup-Rennen jeweils unglücklicher Zweiter, und der Portugiese in der vorletzten Runde erfolgreich attackiert. Der Tour-de-France-Vierte Ullrich konnte nicht folgen. Die Zuschauer zeigten wenig Interesse an dem Ereignis: Nur im Start-Ziel-Bereich standen die Fans dicht gedrängt.

          „Es haben leider zehn Meter gefehlt, aber das ist halt so. Mehr war heute einfach nicht drin“, sagte Ullrich zum entscheidenden Antritt von Bettini. Ullrich hatte sich eine Medaille fest vorgenommen und wollte damit auch seine Vorstellung auf der Tour vergessen machen. Nun muß der 30jährige alle Hoffnungen auf das 48-km-Einzelzeitfahren am Mittwoch setzen. „Die Form ist gut, eine Medaille möchte ich schon holen.“

          Bettini (m.) gewinnt Gold, der Portugiese Sergio Paulinho überrascht mit Silber und der Belgier Axel Merckx kommt mit Bronze seinem legendären Vater näher
          Bettini (m.) gewinnt Gold, der Portugiese Sergio Paulinho überrascht mit Silber und der Belgier Axel Merckx kommt mit Bronze seinem legendären Vater näher : Bild: AP

          Auch der Tour-Zweite Andreas Klöden, der mit Krämpfen ausstieg, und Michael Rich hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Zum ersten Mal hatten Radprofis in Atlanta, wo der Schweizer Pascal Richard gewann, an Olympischen Spielen teilnehmen dürfen.Die aktivsten Fahrer waren zu Beginn der Paris-Roubaix-Gewinner Magnus Backstedt, der als erster ausriß. In der sechsten von 17 Runden bekam der bullige Schwede Gesellschaft von Tour-Bergkönig Richard Virenque (Frankreich) und dem Zeitfahr-Spezialisten Laszlo Bodrogi (Ungarn). Dahinter zeigten sich die deutschen Fahrer auf der Höhe des Geschehens und an der Spitze des Verfolgerfeldes, in dem Ullrich und Klöden in der neunten Runde das Tempo forcierten. Ergebnis: Die Ausreißer wurden bald gestellt.

          „Viele werden fallen“

          Backstedt gab sieben Runden vor Ende ebenso wegen Erschöpfung auf wie Klöden und Rich, der sich für das Zeitfahren noch einiges ausrechnet. „Andreas hat bei der extremen Hitze versäumt, genug zu trinken. Deshalb bekam er Krämpfe“, sagte Teamarzt Lothar Heinrich. Den Fahrern war gestattet worden, auch außerhalb der Boxengasse Getränke aus den Begleitfahrzeugen anzunehmen. Sie hätten laut Heinrich rund zehn Liter trinken müssen. „Ich habe genug getrunken, aber trotzdem Krämpfe bekommen. Ich fühle mich nach meiner super-super Tour irgendwie ausgepowert“, sagte Klöden. Auch Jens Voigt (Berlin) fuhr nicht durch.

          Schwere Stürze hatten zum Auftakt für Dramatik gesorgt: Der spanische Weltmeister Igor Astarloa stürzte zwei Kilometer nach dem Start. Mit ihm gingen auch Michael Boogerd (Niederlande) und drei weitere Fahrer zu Boden. Die beiden Mitfavoriten konnten das Rennen nicht fortsetzen. Warn-Hinweise hatten sich schnell bewahrheitet. „Das Rennen wird besonders zu Beginn gefährlich, wenn die Fahrer der Nationen noch dabei sind, die keine Erfahrungen mit großen Starterfeldern haben“, hatte Sport-Direktor Burkard Bremer vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) gesagt. „Viele werden fallen“, prophezeite Tyler Hamilton (USA).

          Ullrich, der mit der Startnummer eins ins Rennen ging, nahm die Hitzeschlacht mit einem verbundenen rechten Unterarm in Angriff. Der 30jährige war im Trainingslager auf Kreta auf einer Abfahrt in einer Kurve weggerutscht und hatte sich Schürfwunden zugezogen. „Das wird mich nicht behindern. Nur wenn Sonne direkt auf die größte Wunde am Unterarm scheint, ist das unangenehm. Deshalb haben wir sie verbunden“, sagte Ullrich vor dem Start.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Feuerwehr im Einsatz

          EUGH-Urteil : Rufbereitschaft kann Arbeitszeit sein

          Wenn ein Feuerwehrmann zu Hause sitzt und sich für den Einsatz bereit halten muss – arbeitet er oder ruht er? Darüber hat nun der Europäische Gerichtshof entschieden.
          Durch geschlossene Cafés geht auch gesellschaftlicher Austausch verloren.

          Kontaktverlust : Was Corona mit unseren Bekanntschaften macht

          In der Pandemie kommen uns lockere Kontakte abhanden: Menschen, deren Telefonnummer wir nicht haben. Das ist schlimm. Schwache Bindungen spielen für unser Leben nämlich eine fundamentale Rolle.
          Seite an Seite: Wissenschaftler Christian Drosten und Politiker Jens Spahn bei einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr

          Experten in der Pandemie : Wenn Wissenschaft zu Ideologie wird

          In der Corona-Krise verschmilzt die Figur des Experten mit der des Aktivisten. So entsteht der Eindruck, in Forschungsbefunden liege der Schlüssel zu politischem Handeln. Für die Demokratie ist das gefährlich. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.