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Putin unangreifbar : Fußball auf dem Tempelberg

Putin, Fifa-Präsident Blatter, WM-Organisationschef, Fifa-Exekutivmitglied und Sportminister Mutko: Keine Sanktion nirgends Bild: Reuters

Mit der Entscheidung, aus der Krim eine fußballpolitische Sonderzone zu machen, beweisen Fifa und Uefa dem kommenden WM-Gastgeber, wie viel Macht der Herr des Kreml im Fußball hat.

          Was Wladimir Putin sein Tempelberg,das ist der Europäischen Fußball-Union und dem Internationalen Fußballverband Fifa fortan eine Sonderzone: die Krim. Im Frühjahr im Handstreich von Russland annektiert, machten sich die Funktionäre des kommenden WM-Gastgebers im Sommer daran, die Klubs aus Simferopol (erster ukrainischer Meister nach der Unabhängigkeit 1992), Sewastopol und Jalta heim in die russische Liga zu holen.

          Und zwar auf ausdrücklichen Wunsch, das legen veröffentlichte Mitschnitte eines Gesprächs unter den Strippenziehern des russischen Fußballs nahe, vom Machthaber im Kreml persönlich. Die Annexion der Krim-Klubs erfolgte selbstverständlich gegen den Widerspruch des ukrainischen Fußballverbandes und war deshalb ein klarer Bruch der Uefa- und Fifa-Statuten.

          Fast ein halbes Jahr – in dem die Klubs wie selbstverständlich sowohl in einer russischen Regionalliga und im russischen Pokal antraten – kreisten die Gedanken der europäischen Fußballfunktionäre nun um die Krim-Frage.

          Und just an dem Tag, als Putin die Halbinsel zum Tempelberg der Russischen Föderation ausrief, wurde der Fußball auf der Krim den Russen wieder weggenommen. Keine Spiele mehr in russischen Wettbewerben ab Januar 2015.

          Allein: Die russische Realpolitik macht Spiele in der ukrainischen Liga ebenso unmöglich, längst würden die Vereine viel lieber unter der Regie der neuen, alten Landesherrn antreten. So wird der höherklassige Fußball auf der Krim einstweilen brachliegen und unter Aufsicht der Uefa eine fußballpolitische „Sonderzone“ eingerichtet. Die internationalen Verbände werden behaupten, ihre Regeln durchgesetzt und das Gesicht bewahrt zu haben. Tatsächlich aber wird den russischen Sportfunktionären mal wieder eine Vorzugsbehandlung zu Teil.

          Denn während die politische Einmischung in Verbandsangelegenheiten von Ghana bis Griechenland wenigstens mit Androhung von Ausschlüssen aus internationalen Wettbewerben belegt und Marokko jüngst für den Verzicht auf die Gastgeberrolle beim Afrika-Cup vom Turnier ausgeschlossen wurde, passiert Russlands Fußball-Verband für den einstweilen gescheiterten Versuch der unfreundlichen Übernahme: nichts. Keine Sanktion nirgends, nicht einmal eine symbolische Geldstrafe.

          So endet Putins sportpolitisches Jahr, das mit seiner olympischen Leistungsschau in Sotschi begann, mit einem weiteren Beweis, wie viel Macht der Herr des Tempelbergs auch im Fußball hat.

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