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Puma-Chef Zeitz : „Wir sind nicht im Kriegszustand“

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Jochen Zeitz: „Afrika ist für das Image der Marke wichtig” Bild: ddp

Puma-Chef Jochen Zeitz im F.A.Z.-Interview über unmodische Sportverbände, die Bedeutung des Afrika-Cups für sein Unternehmen, das schwierige Verhältnis zu Adidas und seine Vorliebe für die italienische Fußball-Nationalmannschaft.

          Puma-Chef Jochen Zeitz im F.A.Z.-Interview über unmodische Sportverbände, die Bedeutung des Afrika-Cups für sein Unternehmen, das schwierige Verhältnis zu Adidas und seine Vorliebe für die italienische Fußball-Nationalmannschaft.

          Wer ist eigentlich Ihr Lieblingskicker?

          Samuel Eto'o aus Kamerun. Weil er aus Afrika stammt, weil er kreativen Fußball spielt und weil er eine so außergewöhnliche, großartige Spielerpersönlichkeit ist.

          „Was innovatives Design angeht, sind uns als Ausrüster leider noch viel zu viele Grenzen gesetzt”

          Eto'o spielt gerade mit der Elfenbeinküste beim Afrika Cup in Ghana, im Sommer folgen Fußball-Europameisterschaft und Olympia in Peking. Wie wichtig ist so ein Jahr mit vielen sportlichen Großereignissen für Puma?

          Es ist wichtig, weil wir natürlich eine echte Kommunikationsplattform haben, um unser Engagement im Sport deutlich hervorzuheben. Aber natürlich auch, um Innovation zu betreiben, indem wir Produkte entwickeln, die dann auf diesen Großereignissen ihre Bestleistung zeigen. Und es ist eine große Chance, die wir hier als eines der führenden Unternehmen haben, im Vergleich zu kleineren Marken, die mittlerweile nur wenig bis keine Präsenz während solcher Großereignisse zeigen können.

          Puma rüstet heute insgesamt zwölf afrikanische Fußball-Nationalteams aus. Warum Afrika? Was ist das Geheimnis dieses Engagements?

          Afrika ist für das Image der Marke wichtig. Weil wir uns damit klar von unseren Mitbewerbern abheben. Und weil wir es geschafft haben, eine Dominanz in Afrika im Fußball zu erzielen. Auf der anderen Seite haben wir dadurch eine völlig neue Kommunikation etabliert, indem wir Afrika und den afrikanischen Fußball nutzen, um innovative Konzepte zu präsentieren. Und diese Innovationen dann auch international vermarkten, was bisher noch nie ein Unternehmen getan hat. Bisher hat man Afrika bestenfalls als Absatzmarkt gesehen, aber wir betreiben mit und durch Afrika Innovation für den Rest der Welt. Das ist in dieser Form einmalig, weil Afrika eben auch ganz anders ist als der Rest der Welt. Da gibt es ganz andere Möglichkeiten: die Farbenfreude, die Fans, die Leidenschaft und die Kultur. Alles, was mit Afrika verbunden ist, hat ein besonderes Flair. Das wird beim Verbraucher inzwischen sehr positiv gesehen, während Afrika in der Vergangenheit durch Kriege und Armut immer sehr negativ betrachtet wurde. Das ist heute auch anders. Dazu haben auch wir unseren Beitrag geleistet. Wenn man, wie ich, seit vielen Jahren den Kontinent intensiv bereist, dann sieht man nicht nur die Probleme, sondern auch die Chancen, die Einzigartigkeit dieses Kontinents.

          Sie haben seit vielen Jahren eine Farm in Kenia, haben zuletzt Ihren Weihnachtsurlaub dort verbracht. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation mit den Unruhen nach den Wahlen?

          Die Geschehnisse der letzten Wochen sind für die Demokratie in Kenia ein herber Rückschlag und die derzeitige Situation tragisch für das Land. Aber man muss bei der Beurteilung einfach berücksichtigen, dass viele dieser Länder erst seit einigen Jahrzehnten in der Unabhängigkeit sind und ihre Probleme nicht so schnell, wie man sich das vielleicht wünschen würde, überwinden können, insbesondere auch, weil die ethnischen und kulturellen Unterschiede in einem Land wie Kenia erheblich sind. Dafür ist die Historie dieser Länder zu kurz, wenn man sich Europa oder Amerika ansieht und wie viele Jahrhunderte und Jahrtausende es gedauert hat, um mehr oder weniger dauerhaft in Frieden zu leben. Da kann man nicht von Afrika erwarten, dass das alles perfekt läuft und man die Fehler nicht macht, die wir in unserer Vergangenheit wiederholt gemacht haben. Zumal auch die Infrastruktur dieser Länder nicht auf dem erforderlichen Niveau ist, um die Probleme kurzfristig in den Griff zu bekommen. Afrika braucht noch Zeit, aber trotz der Rückschläge, wie sie Kenia gerade erlebt, ist die Aussicht auf Erfolg in jedem Fall gegeben. Es geht voran, aber eben manchmal auch einen Schritt zurück.

          Was erwarten Sie trotz aller Unkenrufen von der ersten afrikanischen Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 2010?

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