https://www.faz.net/-gtl-z2cb

Prozess im Wettskandal : Nachts eingesperrt – zum Zocken

Schieber Cvrtak vor Gericht: „Das war Antes Spiel” Bild: AFP

Marijo Cvrtak und Ante Sapina haben offenbar schon früher als bislang bekannt gemeinsame Sache gemacht. 2007 habe er bei einer Wette auf das EM-Qualifikationsspiel Norwegen gegen Malta 10.000 Euro gewonnen, so Cvrtak: „Das war Antes Spiel.“

          Je länger der Bochumer Prozess im Wettskandal um Ante Sapina und Marijo Cvrtak dauert, umso undeutlicher wird, seit wann die Zocker gemeinsame Sache gemacht haben – und wer davon gewusst haben könnte. Nachdem Sapina noch vor Ostern aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, hat nun Cvrtak zu den 43 ihm vorgeworfenen Fällen ausgesagt. Mit einigen Ausnahmen gab er seine Beteiligung zu. Ganz nach dem bekannten Schema: Mal sagte er Sapina, welche Spieler im Boot seien, mal habe ihm Sapina, eher der Mann für Schiedsrichterbestechung, sichere Tipps gegeben. Gewinne wurden geteilt.

          2006 anlässlich des WM-Spiels zwischen Brasilien und Kroatien habe er Sapina kennengelernt. Wie es weiterging? Schon 2007 habe er 10.000 Euro gewonnen, sagt Cvrtak, bei einer Wette auf das Spiel Norwegen gegen Malta. Und: „Das war Antes Spiel.“ Am 2. Juni 2007 trat Malta in der EM-Qualifikation gegen Norwegen an und verlor 0:4. Das Spiel ist nicht Teil der Anklage, ein Manipulationsverdacht war bislang nicht bekannt. Die frühesten Fälle des gemeinsamen Wirkens von Cvrtak und Sapina wurden bislang auf 2008 datiert. Sapina wollte am Donnerstag nichts dazu sagen.

          Manipulierte Freundschaftsspiele, um die wettfreie Zeit zu verkürzen

          Neben Wetten hatte Cvrtak ein ausgeprägtes Interesse an Karten und Würfeln und flog für Pokerpartien bis Macao und ins argentinische Seebad Mar del Plata – und an den Kunden in seiner Spielbude in Nürnberg. „Was soll ich sagen? Die Fußballspieler zocken doch alle, naja, fast alle. Den Tomasz Hajto habe ich nachts bei mir im Wettbüro eingeschlossen, damit er am Automaten weiterzocken konnte.“ Hajto spielte 2004 und 2005 für den 1. FC Nürnberg, mit den Spielmanipulationen steht er nicht im Zusammenhang. Aber es zeigt: Cvrtak hatte die richtigen Kontakte.

          Fußballprofi Hajto: „Den habe ich nachts bei mir im Wettbüro eingeschlossen”, sagt Cvrtak

          Als er NK Travnik aus Bosnien im Sommer 2009 auf eine Tour manipulierter Freundschaftsspiele in die Schweiz schickte, um die spiel- und damit wettfreie Sommerpause zu verkürzen, habe ein Schweizer Spezialist die logistische Organisation übernommen. Der Mann ist bei Uefa und Fifa als Match Agent lizenziert. Doch trotz aller Offenheit: Seinen Antrag auf Haftentlassung wies das Gericht zurück. Mindestens bis Montag muss Cvrtak in Untersuchungshaft bleiben.

          Weitere Themen

          Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

          Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

          Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

          Neue Trainer, keine Tore

          Kein Vollgas-Fußball : Neue Trainer, keine Tore

          Im vermeintlichen Topspiel des ersten Bundesliga-Spieltags können Gladbach und Schalke den Vollgas-Fußball ihrer neuen Trainer Rose und Wagner noch nicht umsetzen.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.