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Protest gegen Polizeigewalt : Bucks-Boykott löst Welle aus

  • Aktualisiert am

Boykott der Milwaukee Bucks: Das Spielfeld bleibt leer. Bild: dpa

Der Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt erreicht eine neue Stufe: Die Milwaukee Bucks verzichten auf ihr Playoff-Spiel gegen Orlando Magic - und treten eine Welle der Solidarität und des Protests los. Die Konsequenzen sind offen.

          3 Min.

          Am Jahrestag des ersten Anti-Rassismus-Protests von Colin Kaepernick haben amerikanische Sportler ihre Wut und Enttäuschung über die Polizeigewalt im Land deutlich gemacht wie nie zuvor. Ausgelöst von einem historischen Playoff-Boykott der Milwaukee Bucks verzichteten am Mittwoch (Ortszeit) Teams und Spieler in der NBA, MLB, MLS und WNBA auf ihre Wettkämpfe.

          Die Spieler der Orlando Magic standen am Mittwoch auf dem Feld in Orlando, Florida, und warteten auf ihren Gegner, doch die Milwaukee Bucks um den griechischen Superstar Giannis Antetokounmpo kamen nicht – ein Boykott. Das fünfte Duell der Best-of-seven-Serie hätte eigentlich um 22.00 Uhr MESZ beginnen sollen. Die Spieler der Bucks blieben laut Medienberichten in ihrer Kabine, die Orlando Magic zogen sich wenig später auch dorthin zurück. Wenig später sagte die Liga alle weiteren für Mittwoch geplanten Spiele ab.

          Zuvor hatte Nick Nurse, Trainer von Meister Toronto Raptors, bereits erklärt, dass seine Spieler mit den Spielern der Boston Celtics darüber diskutieren würden, am Donnerstag (Ortszeit) nicht zum Viertelfinale gegeneinander anzutreten. „Es gibt die Idee“, sagte Nurse, „es gibt aber auch noch einige andere.“

          Ob die durch die Corona-Pandemie lange unterbrochene und nun in einer abgeschotteten Blase gespielte Saison in der stärksten Basketball-Liga der Welt überhaupt noch fortgesetzt wird, war in der Folge Gegenstand von intensiven Debatten. Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen schwarzen Amerikaner am Wochenende hat viele Spieler ein weiteres Mal schwer getroffen.

          Von Profisportlern aus der NBA und der NFL gab es Zuspruch für den Schritt der Bucks. Der ehemalige amerikanische Präsident Barack Obama schrieb: „Ich preise die Spieler der Bucks, die einstehen dafür, woran sie glauben, Trainer wie Doc Rivers und die NBA und WNBA dafür, ein Zeichen zu setzen. Es wird all unsere Institutionen brauchen, um für unsere Werte einzustehen.“

          Tennis-Star Naomi Osaka schloss sich dem Protest an und verzichtete unmittelbar vor den US Open auf ihr für Donnerstag angesetztes Halbfinale beim Masters in New York. Das kombinierte Damen- und Herren-Turnier reagierte mit einer kompletten Unterbrechung und einer Spielpause bis Freitag.

          Die stärkste Frauen-Basketball-Liga der Welt, die WNBA, verzichtete wie die NBA auf alle geplanten Partien für den Tag. In der Major League Soccer fanden fünf der sechs geplanten Spiele des Tages nicht statt. Auch in der Major League Baseball wurden am Mittwoch Begegnungen abgesagt.

          Auf den Tag genau vier Jahre nachdem Kaepernick, der damalige Quarterback der San Francisco 49ers, sich bei einem Testspiel vor der NFL-Saison erstmals während der Nationalhymne hingekniet und das Land in eine emotionale Debatte verwickelt hatte, blieben die Basketballer der Bucks am Mittwoch aber in ihrer Kabine.

          In einer allem Anschein nach nicht schon lange vorbereiteten Aktion boykottierten sie das fünfte Spiel der Playoff-Serie beim Stand von 3:1 nach Siegen. Der Grund: Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen Afroamerikaner, dem am Wochenende in den Rücken geschossen worden war. Der Tatort ist in weniger als einer Stunde von Milwaukee mit dem Auto zu erreichen.

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