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Projekt „Doping in Deutschland“ : Lauter schlechte Gefühle

Ernüchternde Resultate: DOSB-Generaldirektor Vesper und BISp-Direktor Fischer auf dem Symposium über Doping in Deutschland Bild: dpa

Das Forschungsprojekt zur Aufarbeitung von „Doping in Deutschland“ ist gescheitert. Jetzt geht es darum, wer die Schuld dafür trägt. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft tritt dem Verdacht entgegen, es habe die brisante Forschung wegen pikanter Details beendet.

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          Der letzte Zwischenbericht des Forschungsprojektes „Doping in Deutschland“ war ein Torso. Nicht nur, dass ausgerechnet die Historiker und ihre Ergebnisse nicht mehr dazu gehörten, die in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen und Glaubwürdigkeit des Unternehmens gesorgt hatten, als am Dienstag in Berlin das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) zum dritten Mal Zwischenergebnisse des seit Juli 2009 laufenden Vorhabens präsentierte. Obendrein werden der Historiker und Sportwissenschaftler Giselher Spitzer und Mitglieder seiner Gruppe, die im vergangenen Jahr systematisches Doping auch im Sport der Bundesrepublik nachgewiesen haben, an diesem Donnerstag in Frankfurt an der Oder bei einer Veranstaltung über „Probleme gesamtdeutscher Aufarbeitung am Beispiel der Aufarbeitung von Doping in Westdeutschland“ sprechen. Da dürfte es dann wohl um das Ende ihrer Arbeit an diesem ambitionierten Dopingprojekt gehen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Direktor des BISp, Jürgen Fischer, schrieb dem Projekt das Verdienst zu, eine Revision der Geschichtsschreibung zu erzwingen. Damit meinte er das Ende von der Mär des dopingfreien Sports im Westen des geteilten Deutschland. Zugleich trat Fischer dem Verdacht entgegen, sein vom Bundesinnenminister unterhaltenes Haus und der von Repräsentanten des Sports besetzte Projektbeirat hätten die brisante Forschung just deshalb beendet. Schließlich hatten die Historiker um Spitzer gewohnt kampfeslustig vor keiner Institution Halt gemacht bei ihren Enthüllungen: vor dem Deutschen Fußball-Bund und seiner Nationalelf nicht, vor den deutschen Leichtathleten nicht und nicht einmal vor Willi Daume, dem sie vorwarfen, sich regelmäßig über Doping im bundesdeutschen Sport informiert zu haben.

          Die Historiker machten vor keiner Institution Halt

          Der Fußballbund gab, noch bevor veröffentlicht war, dass drei seiner Spieler im legendären Wembley-Finale ein wenig Aufputschmittel im Urin gehabt haben sollen, ein Gegengutachten in Auftrag, andere Verbände reagierten wie die Schwimm-Präsidentin Christa Thiel, die dem Historiker und Journalisten Erik Eggers beschied, man könne ja nicht jeden im Archiv herumfuhrwerken lassen. Als dann auch noch die Veröffentlichung des Berichts ausblieb und über Schwärzungen diskutiert wurde, war der Schwarze Peter vollends beim Sport und beim Sportinstitut. Eggers, Gast der Präsentation am Dienstag in Berlin, sagte, er und seine Gruppe hätten sich gefreut, wenn sie zur Präsentation eingeladen worden wären; schließlich hätten sie bis 31. März gearbeitet.

          Fischer machte die Humboldt-Universität zu Berlin, die neben der Uni Münster mit der Arbeitsgruppe von Michael Krüger den Zuschlag für dieses Projekt erhalten hatte, für das Ende von Spitzers Forschung verantwortlich. Er wisse nicht, warum die Verträge nicht verlängert worden seien, sagte er. Bis zum 31. März habe die Humboldt-Universität keinerlei Anträge gestellt, im Übrigen habe es viele Widersprüchlichkeiten im Gebahren der HU gegeben, welche aufzuklären ihm nicht gelungen sei.

          Gegenseitige Schuldzuweisungen

          Dem widersprach der Vizepräsident für Forschung, der HU, Peter Frensch. Es handele sich eindeutig um ein Versäumnis des BISp, sagte er dieser Zeitung: „Ich sehe nicht, wo ein Versäumnis von HU oder den Mitarbeitern liegen soll.“ Er habe erst im Mai dieses Jahres, Monate nach dem Scheitern des Projektes, ein telefonisches Angebot zur weiteren Finanzierung vom BISp erhalten. Das BISp habe jederzeit wissen müssen, wann das Geld zu Ende geht.

          Am Dienstag wurde eine Merkwürdigkeit des Berliner Projekts bekannt. Nicht der Historiker Spitzer, der es in der Öffentlichkeit vertrat, war Projektleiter, sondern der Sportpsychologe Hanno Strang. Dieser ist im Verlauf des Projekts vorzeitig in den Ruhestand gegangen und hat sein Engagement auf dem Immobilienmarkt verstärkt. Spitzer arbeitete unterdessen ehrenamtlich und ernährte sich von der Förderung, die er aus einem anderen Projekt, „Translating Doping“, mitgebracht hatte.

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