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Kommentar zum DFB : Profis gegen Amateure

Wer wird der neue DFB-Präsident? Bis zum Start der EM soll ein Nachfolger von Niersbach gefunden werden. Bild: Reuters

Bei der Suche nach dem neuen DFB-Präsidenten stehen sich zwei Lager gegenüber. Die Wahl ist richtungsweisend für das Selbstverständnis des Verbands. Nicht ohne Grund fürchten die Amateurvertreter, dass ihre Bedeutung schrumpft.

          Wenn im kommenden Sommer die Europameisterschaft beginnt im Land von Michel Platini, will der krisengeschüttelte Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder handlungsfähig sein. Bis dahin soll es einen neuen Präsidenten geben. Das hat Rainer Koch, der Anwalt der Amateure in der neuen, vorläufigen Doppelspitze des DFB, am ersten Tag im neuen Amt angekündigt. Das eigentliche Ziel aber, den Verband gut aufzustellen, dürfte weit schwieriger werden, als für Bundestrainer Joachim Löw die richtige Aufstellung zu finden, damit aus Weltmeistern in Frankreich auch Europameister werden.

          Formal ist die Sache leicht. Es genügt ein außerordentlicher Bundestag, um aus der Doppelspitze mit Reinhard Rauball wieder eine One-Man-Show zu machen (um an eine Frau auf dem höchsten Fußballposten zu denken, muss der Ruf des DFB wohl erst noch viel tiefer sinken). Aber schon die Frage, welche Gruppe - Amateure oder Profis - ihren Repräsentanten durchsetzt, dürfte wie üblich zu Spannungen führen. Zuletzt waren es die Profis, die Wolfgang Niersbach durchgedrückt hatten. Zuvor hatte Theo Zwanziger die Amateure mit seiner Aufmerksamkeit beglückt. Koch hat sich noch nicht festgelegt, auf welchem Posten er seine Zukunft sieht. Rauball betrachtet den Präsidentenposten nicht als Teil seiner Lebensplanung.

          Klar ist allerdings, dass die Profis aus der Abteilung Deutsche Fußball Liga in den vergangenen Jahren stärker geworden sind. Und sie haben ihren Einfluss in den vergangenen DFB-Krisenwochen und am Rücktrittstag von Niersbach auch geltend gemacht. Sie wünschen und fordern, wenn auch nicht ganz so laut, eine Modernisierung des DFB nach eigenem Vorbild. Die Amateurvertreter fürchten nicht ohne Grund, dass bei Strukturveränderungen, die beim DFB nötig sind, auch ihre Bedeutung schrumpft. Das ist die eigentliche Auseinandersetzung hinter den Kulissen, um die es bis zur EM innerhalb des DFB geht. Für Rauball wäre es gleichwohl leichter, die nötige Zustimmung als Präsident zu finden als für die Reformen, die sich mit dem Wechsel eines Profis an die Spitze verbinden.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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