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Thomas Bach wiedergewählt : Pragmatiker an der IOC-Spitze

Thomas Bach ist seit 2013 IOC-Präsident und bleibt es auch weiterhin nach seiner Wiederwahl. Bild: dpa

Thomas Bachs Art der Führung sichert die wirtschaftliche Zukunft des IOC. Welchen Preis er bereit ist zu zahlen, zeigte sich erst im Umgang mit russischen Betrügern. Nun sind es die Pandemiespiele.

          2 Min.

          Eigentlich hatte Thomas Bach seine Bestätigung im höchsten Amt des Sports in Athen begehen wollen, auf der 137. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Pandemie machte das Treffen in der griechischen Hauptstadt unmöglich.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Also stand Spyros Kapralos allein im Panathinaiko-Stadion, wo 1896 die ersten Spiele der Neuzeit stattgefunden hatten, und setzte den Ton für den Rest der Veranstaltung, in die Bachs Wiederwahl ohne Gegenkandidaten eingekleidet wurde. Auf „noch mehr Einigkeit“ in den kommenden vier Jahren, sagte der Grieche, freue er sich unter dem Präsidenten Bach. Via Videokonferenz zugeschaltete IOC-Mitglieder überboten sich anschließend in ihren Dankesworten.

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          Nun kannte das IOC schon in der Vergangenheit weder Scham noch Scheu im Umgang mit den Personenkult bejahenden Gesellschaftsmodellen. Aber Thomas Bach, 2013 in Buenos Aires als erster Deutscher zum IOC-Präsidenten aufgestiegen, inzwischen 67 Jahre alt, hat das IOC durchaus transformiert. Für das Pathos gibt es Filmclips und Auftritte wie den von Kapralos. Relevanz demonstriert Bach, indem er die Zustimmung für seine Strategie durch entsprechende Zusagen der Vereinten Nationen und der G-20-Staaten referiert.

          Ansonsten führt der einstige Fechter, Olympiasieger mit der bundesdeutschen Florett-Mannschaft 1976, das IOC von oben nach unten. Die inzwischen extrem stromlinienförmige Entscheidungsfindung des Tauberbischofsheimers ist getrieben vom Gedanken an den Schutz und den Erhalt der beiden Produkte, die dem IOC das Geld einspielten, das schließlich die Sportverbände in aller Welt erreicht und so das eigene Geschäftsmodell sichert: die Olympischen Spiele.

          Es gab kein Rennen um 2032

          Und da nicht nur der Klimawandel den Winterspielen arg zusetzt – die Anbiederung des IOC an die chinesischen Gastgeber war auch in der virtuellen Sitzung am Mittwoch wieder zu hören –, kommt den ohnehin weit größeren Sommerspielen noch überragendere Bedeutung zu. Deshalb muss Bach, mit steigenden Aussichten auf Erfolg, die Spiele in Tokio im Sommer durch die Pandemie bringen.

          Deshalb steht schon so gut wie fest, dass Brisbane die Sommerspiele in elf Jahren austragen wird, während an Rhein und Ruhr und beim Deutschen Olympischen Sportbund noch gerätselt wird, wer wann den Startschuss zum Kandidatenwettlauf verschlafen hat. Die Antwort: Es gab kein Rennen.

          Bachs Pragmatismus sichert die wirtschaftliche Zukunft des IOC. Welchen Preis er dafür bereit ist zu zahlen, zeigte sich in seiner ersten Amtszeit im Umgang mit den russischen Betrügern, die Wladimir Putin die gewünschten Medaillen in Sotschi 2014 lieferten. In der zweiten werden es Wohl und Wehe der Pandemiespiele definieren: im Sommer in Tokio, ein halbes Jahr später der Besuch bei Xi Jinping.

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