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Potential-Analyse des Sports : Der Rahmen macht das Bild

Was eine Silbermedaille so ausmacht: Eishockey gehört plötzlich zu den Top-Wintersportverbänden Bild: dpa

PotAS kostet den Steuerzahler 700.000 Euro im Jahr. Aber die Sommersportanalyse kann warten. So wichtig scheint der Kompass fürs Potential dann doch nicht zu sein.

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          Bundestrainer und Sportdirektor haben hingeschmissen; sie sehen keine Zukunft im Verband. Die stärkste Athletin der Nationalmannschaft wird bei den nächsten Olympischen Spielen fünfzig Jahre alt werden. Das bedeutet: Eisschnelllauf verfügt über optimales Leistungspotential.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dies ist nicht die einzige erstaunliche Analyse der sieben deutschen Wintersportverbände, die in dieser Woche unter www.potas.de veröffentlicht wurde. Biathlon, die erfolgreichste Sportart der Deutschen, hat es trotz sieben Medaillen bei den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang nicht in den Exzellenz-Cluster geschafft. Dagegen gehört Eishockey dank des überraschenden Finales gegen Russland mitsamt Silbermedaille als Nummer drei zu den Top-Wintersportverbänden. Und: Der Snowboard-Verband, mit seinen Freestyle-Wettbewerben ziemlich am Ende der Rangliste von 36 Disziplinen, ist von seiner Struktur her im deutschen Wintersport die Nummer eins.

          Dies ist das Erste, was von der mit Aplomb angekündigten Reform des Spitzensports zu sehen ist: Balkendiagramme der PotAS-Kommission. 700.000 Euro kostet dieses Potenzial-Analyse-System den Steuerzahler im Jahr, und nach spektakulären Besonderheiten muss man mit der Lupe suchen. Die auf Intervention der Verbände schon vor ihrer Veröffentlichung überarbeiteten Ranglisten wirken wie die Ausdifferenzierung des Medaillenspiegels von Pyeongchang: Wer im Februar sechs Olympiasiege holt und insgesamt elf Medaillen wie der Bob- und Schlittenverband, macht nicht allzu viel falsch. PotAS attestiert: zu hundert Prozent erfolgreich, quasi perfekt. Ski mit sieben Medaillen vom Biathlon, fünf von der Nordischen Kombination und vier vom Skispringen folgt, ähnlich imposant, mit 98,8 Prozent. Das Ende bildet, wie immer, der glücklose Curling-Verband mit seinen 754 Mitgliedern in 17 Vereinen (46,7).

          Was dies alles bedeutet? Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), wollte schon lange eine Kontrolle seiner Verbände als Handreichung beim Verteilen der staatlichen Sportförderung. Der Bundesrechnungshof wiederum verlangt vom Staat, die bald 200 Millionen Euro umfassende Spitzensport-Förderung unabhängig überprüfen zu lassen. PotAS soll beide Aufgaben lösen – das Potential von Sportarten und Verbänden bewerten. Die sportlichen Aussichten der Athleten lässt es außer Acht. Der Rahmen macht das Bild.

          Wollte man das Lob aus Ministerium und Sportführung ernst nehmen, müsste sofort die Analyse der Sommersportarten folgen. Stattdessen ist Erleichterung zu spüren. PotAS wird sich erst einmal mit sich selbst beschäftigen und die 32 Verbände mit ihren 115 Disziplinen nicht bei der Vorbereitung auf Olympia stören. So wichtig scheint der Kompass fürs Potential dann doch nicht, dass die Steuerleute des deutschen Sports ihn auf dem Weg nach Tokio 2020 nutzen wollten.

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