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Post vom Finanzamt : Was muss der DFB zahlen?

DFB-Zentrale im Frankfurter Stadtwald: Es könnte bald eine große Rechnung eintrudeln. Bild: dpa

Der DFB muss eine millionenschwere Steuernachzahlung befürchten. Noch aber sind die Untersuchungen des Finanzamts nicht abgeschlossen. Es ist weiter unklar, was mit den dubiosen 6,7 Millionen Euro passiert ist.

          Im Skandal um die Weltmeisterschaft 2006 muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weiterhin die Aberkennung seiner Gemeinnützigkeit für das WM-Jahr und damit Millionen-Zahlungen an den Fiskus fürchten. In einem Brief der Steuerfahndungsstelle des Finanzamtes Frankfurt I vom 24. Januar dieses Jahres wurde den Anwälten des Verbandes die Einschätzung mitgeteilt, dass der DFB die dubiose Summe von 6,7 Millionen Euro unkorrekt als Betriebsausgabe deklariert und so Steuern hinterzogen habe. Doch ist dies ein Zwischenstand. Der DFB teilte mit, dass die Finanzverwaltung bislang keine geänderten Steuerbescheide erlassen habe. „Die vorläufige Bewertung wird von den Fachanwälten des DFB nicht geteilt“, heißt es. Weder die Finanzverwaltung noch die Staatsanwaltschaft hätten ihre Ermittlungen abgeschlossen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Behörde verfolgt offenbar die Richtung, dass der DFB mit der Überweisung der 6,7 Millionen Euro über ein Konto des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) an den inzwischen verstorbenen französischen Geschäftsmann und einstigen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus eben nur ein privates Darlehen des früheren Präsidenten vom deutschen WM-Organisationskomitee, Franz Beckenbauer, beglichen habe. Ein solches Privatgeschäft wäre nicht abzugsfähig gewesen. Sollten die Finanzbehörden entsprechende Nachforderungen erheben, könnten dem DFB nicht nur Zinszahlungen, sondern auch der Verlust der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 drohen. Forderungen summierten sich bis auf 20 bis 25 Millionen Euro.

          Die DFB-Führung folgt dagegen der Sichtweise, dass der Betrag betrieblich veranlasst gewesen sei. Louis-Dreyfus soll in Absprache mit Beckenbauer 2002 einen Betrag von zehn Millionen Schweizer Franken nach Qatar an den damaligen Chef der Fifa-Finanzkommission, Mohamed Bin Hammam, überwiesen haben. Angeblich, so bezeugen es zumindest Beckenbauer und andere damalige DFB-Funktionäre, sei das eine Provision dafür gewesen, damit die Deutschen von der Fifa einen WM-Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro erhielten.

          Zentrale Figuren der WM 2006 machen eine „Laola“: Der damalige erste Vizepräsident des deutschen WM-Organisationskomitees Horst R. Schmidt (v.l.n.r.), DFB-Präsident Theo Zwanziger, OK-Chef Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach

          Ein Jahr vor der WM 2006 überwies das deutsche OK inklusive Zinsen umgerechnet 6,7 Millionen Euro zurück an Louis-Dreyfus. Diese Summe wurde in der Abschlussbilanz verbucht, allerdings falsch deklariert als Beitrag zu einer WM-Gala, die nie stattfand – ein Scheingeschäft. Deshalb ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

          Wofür die 6,7 Millionen flossen, ist nicht geklärt. Möglich erscheint auch die Version, dass der Betrag aufgewendet wurde zur „Wahlkampfunterstützung“ des früheren Fifa-Präsidenten Joseph Blatter, den man in der Position halten wollte. Andere Spekulationen gehen dahin, dass nachträglich offene Rechnungen beglichen wurden hinsichtlich eines Stimmenkaufs für die WM-Vergabe im Jahr 2000 an den DFB und Deutschland. Nichts ist bewiesen. Beckenbauer hält bisher an der Erklärung mit der Provision für die Fifa-Finanzkommission fest. Er will damals eine solche Abmachung mit dem früheren Fifa-Präsidenten Blatter in einem Vier-Augen-Gespräch getroffen haben.

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