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Porträt : Warnung vor Wundermännern wie Walter Mayer

  • -Aktualisiert am

Mayer: „Entweder gehe ich unter, oder ich stehe das durch” Bild: AP

Mit Walter Mayer, der für die österreichischen Langlauferfolge seit Ende der neunziger Jahre ebenso steht wie für die wunderbaren Biathlon-Ergebnisse in den Jahren danach, erlebt der Österreichische Skiverband zum zweiten Mal sein blaues Wunder.

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          Vorsicht vor Männern, denen man Wunderdinge zuschreibt! Mit dem 48 Jahre alten Walter Mayer, der für das österreichische "Langlauf-Wunder" seit Ende der neunziger Jahre ebenso steht wie für die wunderbaren Biathlon-Ergebnisse in den Jahren danach, erlebt der Österreichische Skiverband (ÖSV) schon zum zweiten Mal sein blaues Wunder.

          Nach dem Einsatz verbotener Behandlungsmethoden zur Leistungsteigerung bei Olympia 2002 wurde er zunächst entlassen, der Optik wegen. Nur zu gerne stellte ihn der ÖSV wieder ein, nachdem Mayer vor ordentlichen Gerichten erfolgreich gegen das angebliche "Berufsverbot" geklagt hatte. "Wir brauchen Belastung, also Training, Entlastung, also Schlaf. Dazu ein gutes Essen und ab und zu schnackseln. Langläufer leben noch nach gewissen Grundinstinkten." Ein schöner Spruch Mayers.

          Mann mit beißendem Zynismus

          Doch damit hatte der Mann mit exzellenten Ostblock-Kontakten - so lotste er den Russen Michail Botwinow nach Österreich und formte "Botti" dort zum Siegläufer - wohl nicht alles verraten. Die Eigenblutbehandlung vor vier Jahren war für ihn ein "lapidarer Fehler". Er habe nicht gewußt, daß schon "ein Blutstropfen" ausreiche, um gegen die Anti-Doping-Bestimmungen zu verstoßen, die nicht bloß die Einnahme von Substanzen ächten, sondern auch den Einsatz bestimmter Techniken. Dieser "Fehler" brachte immerhin auch Mayers Sohn Marc eine zweijährige Wettkampfsperre ein.

          Regeln, Funktionären und Verbänden begegnete Mayer spätestens seit 1980 mit beißendem Zynismus. Obwohl vielmaliger Landesmeister, wurde er nicht für die Olympischen Spiele in Lake Placid nominiert. Mayer gewann kurz danach den berühmten Wasalauf. Seit diesem Prestigeerfolg fühlte er sich allen überlegen, was nicht zuletzt im Titel seiner Autobiographie zum Ausdruck kommt. Wer nicht für ihn war, der war gegen ihn, gehörte also zu den "Pfeif'n und Trott'ln", die der Trainer mit der Sprache und der Statur eines Bergbauern verhöhnte und auslachte.

          „Pfeif'n und Trott'ln“

          Für studierte Trainer und Wissenschaftler hatte er nur Spott übrig. Mit seiner kernigen Art wurde er ein Liebling der österreichischen Medien, dem man die olympische Affäre von 2002 schnell verzieh. Sport sei sein "Lebensinhalt", als Trainer fühle er sich wie ein "freischaffender Künstler", sagte Mayer immer wieder. Als er nach den Spielen von Salt Lake City gegen die lebenslange Sperre durch den Internationalen Skiverband und um seine Weiterbeschäftigung als Trainer in Österreich klagte, kündigte er an: "Entweder gehe ich unter, oder ich stehe das durch. Dafür bin ich doch bekannt."

          Das Gericht stellte sich auf seine Seite, für kurze Zeit war er wieder obenauf. Doch die Dopingbekämpfer konnte er nicht täuschen. Sie blieben dem eigenartigen Selbstdarsteller, der sein Outlaw-Image lustvoll pflegte, auf der Spur. Es wird spannend zu verfolgen sein, welche Athleten nun zusammen mit ihm "untergehen" werden. Als Skitrainer sollte "Wundermann" Mayer endgültig ausgedient haben. Aber das hatte man nach 2002 auch schon mal gedacht. Vielleicht begrüßt er in seinem privaten Trainingszentrum am Dachstein schon bald wieder Kundschaft. Dort sollen ja wahre Wunderdinge passieren.

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