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Fifa-Sperren : Nur die Politik kann den Sport retten

Abgegerätscht: Joseph Blatter ist gesperrt Bild: AP

Die Sperren für Fifa-Präsident Joseph Blatter und Uefa-Boss Michel Platini sind Folge einer Grätsche von Politik und Justiz. Nur der Druck von außen gibt Anlass zur Hoffnung auf Veränderungen innerhalb der Sportverbände.

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          Für einen Mann, der einst von Deutschland für die Weltmeisterschaft 2006 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam und jüngst für den Friedensnobelpreis ins Gespräch gebracht wurde, ist Joseph Blatter tief gefallen. Aber nicht nur das ist bemerkenswert. Zum ersten Mal sind in Gestalt des Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) und seines nicht weniger einflussreichen Pendants auf europäischer Seite zwei der wichtigsten Vertreter des Weltsports aus dem Spiel genommen worden - und das von der eigenen Verbandsjustiz. Sie hat Blatter und Michel Platini wegen Verstößen gegen die Ethikregeln zu einer Sperre von acht Jahren verurteilt.

          Die Entscheidung der Fifa-Ethiker hat deshalb eine besondere Bedeutung, weil es mit den vielbeschworenen Selbstreinigungskräften des Sports nicht weit her ist. Ob Bestechung, Bereicherung oder Doping - meist werden im üblichen Alibi-Reflex intern nur die Kleinen verfolgt, während um die Manipulateure mit großem Namen oder hohem Status gerne ein großer Bogen gemacht wird. Genau hier geht ein Signal von der Fifa-Justiz und den neuen Compliance-Bemühungen des Fußball-Weltverbandes aus. Es zeigt, was möglich ist und wie schlagkräftig mit einem ernsthaften Ansatz Ermittler sowie Richter innerhalb des Sportsystems wirken können.

          Nur die Politik weckt Hoffnung

          Und doch ist das Urteil nur ein Hoffnungsschimmer. Nicht nur, dass Lug und Trug in der milliardenschweren Unterhaltungsindustrie des Sports weit verbreitet sind. Im Fußball wehren sich die alten, korrupten Seilschaften nach Jahrzehnten des Wildwuchses mit Händen und Füßen gegen geordnete, transparente Verhältnisse. Im Schatten der Fifa herrschen zudem ebenso dunkle Machenschaften, wie sie derzeit in der Leichtathletik zu erkennen sind. Die steht ein gutes halbes Jahr vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro vor dem Kollaps.

          Die Olympiaplaner von Tokio 2020 wiederum vergehen sich gerade an der eigenen Bevölkerung, nachdem jetzt herauskam, dass sich das Budget versechsfacht hat. Einzig die Aussicht auf Druck von außen, auf Grätschen aus Politik und Justiz, gibt Anlass zur Hoffnung auf Veränderung im Sport. Aufgeklärt wurde stets erst dann, wenn sich Polizei und Staatsanwälte einschalteten. Unter diesem Eindruck entwickeln auch Sponsoren und das Millionenpublikum in aller Welt die richtige Haltung zum falschen Spiel.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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