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Politik mit Sport : Endlich ins Grundgesetz

Sportsfreund Steinbrück: Sport gehe über den Selbstzweck hinaus Bild: dpa

Das Leid von Dopingopfern habe ihn erschüttert, sagt SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück, der sich für ein Anti-Doping-Gesetz ausspricht und den Sport ins Grundgesetz aufnehmen will.

          Peer Steinbrück will ein Antidoping-Gesetz. Der Kanzlerkandidat der SPD sagte am Dienstag im Willy-Brandt-Haus in Berlin, die SPD wolle dazu beitragen, Vertrauen in den Spitzensport wiederzugewinnen. Das Leid von Dopingopfern, mit dem ihn die Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins, Ines Geipel, in seinem Beraterkreis vertraut machte, habe ihn erschüttert. Otto Schily, Innenminister der rot-grünen Koalition von Kanzler Schröder, hatte entsprechende Gesetzesinitiativen stets abgelehnt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Steinbrück sprach bei einer Veranstaltung des „Forum Sport“ seiner Partei und kündigte dabei auch an, die Förderung von Spitzensportlern verstärken zu wollen. Über Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll hinaus, bei denen der Bund fast tausend Stellen für Spitzenathleten geschaffen hat, gelte es, im öffentlichen Dienst und bei privaten Unternehmen Möglichkeiten für eine Berufsausbildung von Top-Athleten zu schaffen. Junge Menschen auf ihre Rolle als Leistungssportler zu reduzieren und sich nicht um ihre Zukunft zu kümmern, sei unfair.

          Der Schwerpunkt von Steinbrücks Ausführungen lag beim Ehrenamt, einem tragenden Pfeiler unserer Gesellschaft, wie er lobte. Leider werde sich eine Aufwandsentschädigung für Vereinsfunktionäre aus Kostengründen nicht realisieren lassen, sagte er. Verbände und Vereine sollten von Bürokratie entlastet und die zivilrechtlichen Haftungsrisiken von Vereinsvorständen abgesichert werden; in Nordrhein-Westfalen habe er als Ministerpräsident eine entsprechende Versicherung eingeführt.

          Es gelte zu verhindern, rief der Kandidat, dass die Europäische Union die Arbeitszeitrichtlinie auf das Ehrenamt ausweite. Auch unter dem Eindruck maroder Sportstätten gelte es, die kommunale Finanzausstattung zum Erhalt der Infrastruktur zu verbessern. Die Förderung bürgerschaftlichen Engagements solle als eigenständiger gemeinnütziger Zweck anerkannt werden. Steinbrück erinnert an das Programm „Hilfe für Helfer“, für das er als Bundesfinanzminister 500 Millionen Euro bereitstellte.

          Sport und Kultur ins Grundgesetz

          Steinbrück wiederholte die Forderung, Sport gemeinsam mit Kultur ins Grundgesetz aufzunehmen. Sport gehe über den Selbstzweck hinaus, sagte er. Man dürfe nicht nur auf den Spitzensport gucken. Das Staatsziel Sport verfolgte die SPD schon zu rot-grünen Zeiten, konnte sich allerdings nicht gegen ihren Kanzler und ihren Innenminister durchsetzen.

          Am Vortag hatten Spitzenkandidaten und führende Politiker der fünf großen Parteien beim Deutschen Olympischen Sportbund in Berlin beim sogenannten „Wahlhearing“ ihre Positionen zum Sport vertreten, wobei Thomas Oppermann, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, die Forderung nach einem Anti-Dopinggesetz bekräftigte. Im Kampf gegen die Hintermänner des Dopings sei die Sportgerichtsbarkeit „eine stumpfe Waffe“, sagte Oppermann. Es gebe bei der Sportgerichtsbarkeit eine Schwelle, über die man heute nicht hinaus komme.

          „Der Spitzensport hat bei uns alle Sympathien“

          Oppermann forderte die Regierungsparteien zudem auf, noch vor der Wahl eine Abstimmung im Bundestag zu ermöglichen, um den Sport als Verfassungsziel ins Grundgesetz aufzunehmen. FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sprach sich ebenfalls für die Aufnahme des Sports als Staatsziel aus. Oppermann warf der Koalition vor, im Innenausschuss einen entsprechenden Antrag für den Sport mit ihrer Mehrheit jedoch immer wieder von der Tagesordnung zu nehmen, damit er im Bundestag nicht zur Abstimmung kommen könne. Wenn die Abstimmung frei gegeben würde, würden „achtzig Prozent“ der Abgeordneten bei der Abstimmung dem Sport Verfassungsrang einräumen.

          Volker Kauder, der Vorsitzende der Unionsfraktionen im Bundestag, machte dem organisierten Sport überraschend Hoffnung auf zusätzliche finanzielle Mittel. „Der Spitzensport hat bei uns alle Sympathien“, sagte Kauder. Es gebe zwar überall finanzielle Zwänge, aber die Wünsche, die vom Sport an die Politik herantragen würden, wolle er nicht „mit einem Nein bescheiden“.

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