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Kommentar zu Platini : Aus der gleichen Schule wie Blatter

  • -Aktualisiert am

Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit: Sepp Blatter (links) und Michel Platini. Bild: AFP

Michel Platini war Blatters sportpolitischer Ziehsohn, ehe er sich aus Machtkalkül gegen ihn stellte. Deshalb kann der Franzose keinesfalls für die geforderte Glaubwürdigkeit stehen, die der angeschlagene Fußball-Weltverband dringend nötig hat. Ein Kommentar.

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          Als Befreiungsschlag für den schwer angeschlagenen Fußball-Weltverband (Fifa) wird die Entscheidung von Michel Platini nicht wirken, sich als Präsidentschaftskandidat und Nachfolger des umstrittenen Joseph Blatter zu bewerben. Dafür fehlt eine Perspektive für den Neuanfang. Zwar ist der Franzose mit sechzig Jahren fast zwei Dekaden jünger als der aktuelle Fifa-Patriarch, aber das ist fast der einzige Unterschied. Platini gehört zum alten System der Funktionärs-Seilschaften, die den Fußball in seine größte Vertrauenskrise gestürzt haben. Platini war Blatters sportpolitischer Ziehsohn, ehe er sich wegen Machtfragen mit dem alten Patron überwarf. Der Franzose kann also keinesfalls für die geforderte Glaubwürdigkeit stehen.

          Seine Strategie der vergangenen Jahre, als Chef des europäischen Verbandes (Uefa) Missstände bei der Fifa anzuprangern, ist längst entlarvt. Die Scharmützel dienten nicht dem Interesse, Veränderungen voranzubringen, sondern nur dem Kleinkrieg mit Blatter. Wie andere, die sich gerne die Hände reinwaschen (Franz Beckenbauer) und sich hinter der Überfigur Blatter verstecken, ist auch Platini seit langem ein Machtfaktor innerhalb der Fifa. Seit 13 Jahren gehört er dem Vorstand an und hätte dort mit der europäischen Fraktion viel zum Guten wenden können.

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          Aber es passierte nichts. Noch schlimmer: Die Uefa blockte aus Machtkalkül die ersten Reformschritte der Fifa. Die Unternehmensführung unter Platini befindet sich noch im Mittelalter. Außerdem hat der Uefa-Chef noch kein Licht in seine Qatar-Verbindungen gebracht. Dass die führenden Funktionäre die Krise am liebsten aussitzen würden, zeigt die neue Fifa-Arbeitsgruppe für Reformen. Trotz großer Ankündigungen existiert sie de facto nicht. Dafür trägt Platini Mitverantwortung.

          Platini ist sich sicher, die Fifa übernehmen zu können

          Die Chancen für seine Wahl zum Fifa-Präsidenten stehen dennoch sehr gut. Denn die wenigsten der 209 Nationalverbände in der Welt interessieren sich für die Diskussion um Reformen und Glaubwürdigkeit. Wichtiger ist ihnen, im Verteilerkreis des Weltverbandes mit seiner Gelddruckmaschine, dem WM-Turnier, zu bleiben. Zudem haben die meisten Funktionäre den Ernst der Lage, nämlich die Schlagkraft der ermittelnden amerikanischen Justiz, noch nicht erfasst. Das gilt auch für Platini. Aber als ehemaliger Weltklassespieler ist er mehr als andere mögliche Kandidaten in der Lage, die Interessengruppen auf sich zu vereinen.

          Uefa-Präsident : Platini will Blatter-Nachfolger bei der Fifa werden

          Als der frühere Mittelfeldspieler vor der Fifa-Wahl im Mai spürte, Blatter nicht stürzen zu können, verbrannten sich andere chancenlose Kandidaten in seinem Auftrag. Nun tritt der unter Funktionären populäre Blatter nicht mehr an. Platini ist sich sicher, die Fifa übernehmen zu können. So wird es wohl kommen. Auch der Adidas-Konzern, ein Großsponsor, steht hinter ihm. Zudem suchte Platini zuletzt noch häufiger die Nähe zum kuweitischen Scheich Ahmad al Sabah. Der gehört, als erfolgreicher Stimmenbeschaffer, zu den einflussreichsten Sportfunktionären der Welt. Dem Deutschen Thomas Bach hat er auf den Thron des Internationalen Olympischen Komitees verholfen.

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