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Fifa : Warnung vor Partnerschaft mit Qatar Airways

  • -Aktualisiert am

Es ist Vorsicht geboten: Die Fifa und Qatar Airways planen offenbar eine Sponsor-Partnerschaft Bild: AFP

Die Fußball-WM in Qatar sorgt weiter für Zündstoff. Die Fifa erwägt einen Vertrag mit der staatlichen Fluglinie. Der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth warnt vor Abhängigkeit.

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          Eine neue mögliche Werbepartnerschaft könnte wieder einmal die Glaubwürdigkeit des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) treffen. Es geht um die Fluggesellschaft Qatar Airways. „Ich würde eine solche Verbindung derzeit für problematisch halten“, sagte der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth dieser Zeitung.

          Niemand wisse, wie die Qatar-Frage für die Fifa ausgehe. Noch sei nicht entschieden, wann das Turnier im Jahr 2022 in dem Emirat stattfände, zudem laufe auch die Untersuchung wegen der Korruptionsvorwürfe, konkretisierte der Schweizer Kriminologe und frühere Reformbeauftragte des Weltverbandes. „Sich in dieser Situation noch mehr in Abhängigkeit zu Qatar zu begeben, finde ich ungeschickt“, sagte Pieth.

          Großinvestoren steigen nach und nach aus

          Nachdem dieser Tage herauskam, dass die Fluglinie Emirates nach acht Jahren ihr Engagement als einer der sechs Topsponsoren der Fifa Ende 2014 auslaufen lässt, verdichten sich die Hinweise, dass nun eine Zusammenarbeit mit der Staatslinie aus Qatar angestrebt wird. Emirates hatte die Fifa schon im Juni 2012 über den Ausstieg informiert. Dass angeblich das schlechte Image des Weltverbandes verantwortlich ist für diesen Schritt, dazu wollte niemand der Beteiligten eingehen. Realistischer scheinen auch eher andere Gründe.

          Einmal steht seit der WM-Vergabe für 2022 das Emirat Qatar sehr im Blickfeld der Fußballwelt, weshalb Marketingexperten den werbliche Sinn des Investments der Fluggesellschaft aus dem Konkurrenz-Emirat am Golf in Frage stellen. Zunehmend sind die Fifa-Sponsoren, die immer mehr zahlen (um die 30 Millionen Euro im Jahr nur an Geldleistungen) werblichen Attacken durch Wettbewerber ausgesetzt, die nichts für die teuren Sponsoringrechte aufwenden müssen.

          Zudem konterkariert die Digitalisierung der Werbung den Wert analoger Sponsorenpakete mit Bandenwerbung. Dass auch der Fifa-Partner Sony vor dem Ausstieg steht, ist keine Überraschung, kämpft der Elektronikriese doch aktuell mit Verlusten von mehr als anderthalb Milliarden Euro. Der koreanische Konzern Samsung soll schon als neuer Fifa-Sponsor parat stehen.

          „Wenn WM ist, vergessen alle die Probleme“

          Die WM ist für Unternehmen aus der globalen Konsumgüterindustrie immer noch eine begehrte Werbeplattform. Andere Hauptsponsoren neben Emirates und Sony sind Coca-Cola, Hyundau/Kia, Visa sowie Adidas. Der Sportartikelkonzern verlängerte in diesem Jahr bis 2030 - ihn kostete das Fifa-Engagement in diesem WM-Jahr rund 75 Millionen Euro. Öffentliche Kritik am Erscheinungsbild der Fifa gab es von den Werbepartnern in den Jahren aber fast gar nicht.

          „Ich würde eine solche Verbindung derzeit für problematisch halten“, sagte der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth
          „Ich würde eine solche Verbindung derzeit für problematisch halten“, sagte der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth : Bild: dpa

          „Ich glaubte während des Reformprozesses, dass die Sponsoren eigentlich interessiert sein müssten an einem besseren Ruf der Fifa. Aber diese Annahme war naiv. Wenn WM ist, vergessen alle die Probleme“, sagt Pieth. Kritiker an einem möglichen Einstieg der qatarischen Fluglinie zu diesem Zeitpunkt führen an, dass der Einfluss des Emirats auf bevorstehende Entscheidungen im Hinblick auf die umstrittene WM 2022 größer würde. Mögliche Interessenkonflikte müssten eigentlich vermieden werden.

          Glaubwürdigkeit von Qatar steht weiter auf wackligen Beinen

          Qatar verfolgt seit Jahren mit seinen Beteiligungen auch sportpolitische Ziele und investiert hier an wichtigen Adressen. Die eigene Airline ist Partner des FC Barcelona und zahlt dafür fast 100 Millionen Euro über drei Jahre. Die WM gerät trotzdem unter Beschuss. Widerspruch kommt auch wieder vom deutschen Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger. Er nimmt Bezug auf den Brief der stellvertretenden Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses im Europaparlament, Barbara Lochbihler (Grüne), den diese vergangene Woche an Fifa-Präsident Joseph Blatter geschickt hatte.

          Dort bemängelte sie die Tatenlosigkeit des Weltverbandes bei der Umsetzung geforderter Veränderungen in Bezug auf die Rechte der Gastarbeiter in Qatar. Zwanziger kritisiert, dass die Entscheidungsträger im Emirat bisher nicht die unabhängige Kommission zur Überprüfung des Reformprozesses eingesetzt haben. Es war ein zentraler Punkt eines Untersuchungsberichtes, den die Qatarer selbst in Auftrag gegeben hatten. „Solange das nicht geschieht, ist die Glaubwürdigkeit Qatars als WM-Ausrichter nicht gegeben“, sagte Zwanziger der F.A.Z. Von Blatter gibt es dazu bisher keine Reaktion.

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