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Peng Shuai zu Vorwürfen : „Das ist sehr wichtig und muss klargestellt werden“

  • -Aktualisiert am

Sonntags in Schanghai: Peng Shuai neben dem früheren NBA-Star Yao Ming (links) Bild: REUTERS

Die Tennisspielerin Peng Shuai antwortet nun auf Fragen einer singapurischen Zeitung. Rund um ihre Äußerungen zur sexuellen Nötigung habe es viele Missverständnisse gegeben. Kritiker jedoch sehen ihre Befürchtungen verstärkt.

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          Die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai hat gegenüber einer singapurischen Zeitung dementiert, dass sie einem ho­hen chinesischen Funktionär einen se­­xuellen Übergriff vorgeworfen habe. „Ich habe niemals behauptet oder ge­schrieben, dass mich jemand sexuell missbraucht hat. Das ist sehr wichtig und muss klargestellt werden“, sagte sie in einem Video, das die chinesischsprachige Zeitung „Lianhe Zaobao“ am Montag im Internet verbreitete.

          Es gebe offenbar viele „Missverständnisse“ im Zu­sammenhang mit einem Internet-Post, den sie am 2. November veröffentlicht hatte. Darin hatte sie geschrieben, der frühere stellvertretende Ministerpräsident Zhang Gaoli habe sie vor drei Jahren zum Sex genötigt. Zugleich warf Peng dem Politiker in dem Post vor, sie nach einer gemeinsamen Affäre vor zehn Jahren fallen gelassen zu haben, als er in den Ständigen Ausschuss des Politbüros berufen wurde.

          Gespräch arrangiert?

          In dem Gespräch mit der singapurischen Zeitung sagte Peng Shuai nicht, dass die Aussagen in dem Post falsch seien. Sie bezeichnete den Text lediglich als ihre „persönliche Angelegenheit“.

          In dem am Montag verbreiteten Video werden keine Fragen zum Inhalt des In­ternet-Posts, zu den Umständen der mutmaßlichen sexuellen Nötigung oder zu Zhang Gaoli gestellt. Kritiker be­stärkte das in dem Verdacht, dass das Ge­spräch von offizieller Stelle arrangiert worden sei. Unwahrscheinlich er­schien vielen Beobachtern, dass eine singapurische Journalistin als Einzige spontanen Zugang zu Peng Shuai be­kommen haben sollte, wie die Zeitung behauptete.

          Der Direktor der Organi­sation Human Rights Watch, Kenneth Roth, schrieb auf Twitter, das Video ha­be „die Befürchtungen über den Druck, den die chinesische Regierung auf (Peng) ausübt, nur noch verstärkt“.

          Die internationale Frauentennisorganisation WTA zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP weiterhin in „großer Sorge um das Wohlergehen“ der 35 Jahre alten Sportlerin. „Wir fordern weiterhin eine umfassende, faire und transparente Untersuchung ihrer Vorwürfe eines sexuellen Übergriffes ­ – oh­ne Zensur“, teilte die WTA mit. Die Organisation hatte Anfang Dezember bekanntgegeben, alle Turniere aus Protest gegen den Umgang Chinas mit dem Fall Peng Shuai aus dem Land abzuziehen.

          Tennisstar Peng Shuai bestreitet nun offenbar den Vorwurf.
          Tennisstar Peng Shuai bestreitet nun offenbar den Vorwurf. : Bild: dpa

          Das am Montag verbreitete Video wurde, nach Angaben von „Lianhe Zaobao“, am Rande des vom Internationalen Ski-Verband im Vorfeld der Winterspiele in Peking veranstalteten „China City Tour“ Skiwettbewerbes in Schanghai aufgenommen. Darin ist Peng auch im Gespräch mit dem früheren Basketballspieler Yao Ming zu sehen. Zur Skepsis über das Zustandekommen des Videos trug bei, dass erste Aufnahmen von Peng und Yao Ming am Sonntag von einer Mitarbeiterin der Parteizeitung „Global Times“, Qingqing Chen, auf Twitter verbreitet wurden. Chen schrieb, sie habe die Aufnahmen von einem „Freund” bekommen.

          Unter ähnlichen Umständen hatte die „Global Times“ schon vorher Videos von Peng in Peking in Umlauf gebracht. Auch eine englischsprachige Email, die Peng an den WTA-Chef Steve Simon geschickt haben soll, war auf diese Weise an die Öffentlichkeit gelangt. Peng sagte nun gegenüber „Lianhe Zaobao“, sie habe eine chinesischsprachige Version der Email geschrieben. Wer das Schreiben übersetzt habe, sagte sie nicht. Auf Nachfrage hob die frühere Profispielerin hervor, sie könne sich frei bewegen und wohne mit ihrer Familie in Peking. Kritiker fürchten, dass der Sicherheitsapparat ihre Möglichkeiten beschränkt, sich frei zu äußern und zu bewegen.

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