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Botschaft an das IOC : EU zeigt Solidarität mit Peng Shuai

Im Stich gelassen: Tennisspielerin Peng Shuai Bild: Imago

Die Europäische Union verlangt Beweise von China für die Sicherheit der Tennisspielerin Peng Shuai. Damit dokumentiert sie gleichzeitig die Kritik am Internationalen Olympischen Komitee.

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          Die Botschaft aus Brüssel kam einen Tag, bevor die WTA ihren Rückzug aus China bekannt gab: „Die EU bringt ihre Solidarität mit der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai zum Ausdruck, die verschwand, kurz nachdem sie Anschuldigungen eines sexuellen Übergriffs auf chinesischen sozialen Medien gepostet hatte. Dass sie kürzlich wieder in der Öffentlichkeit auftauchte, lindert die Sorgen um ihre Sicherheit und Freiheit nicht.“ Schon die ersten beiden Sätze der Stellungnahme der Sprecherin Josep Borrells, des Hohen Vertreters für Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union, vom Dienstag zur Lage von Peng Shuai, der früheren Nummer eins der Doppel-Weltrangliste, haben es in sich.

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          Zunächst zum Offensichtlichen: Um Peng Shuais Wohlergehen muss man sich weiter große Sorgen machen. Davon ist die WTA überzeugt, davon ist die EU überzeugt. Die Sprecherin des höchsten Vertreters europäischer Außenpolitik, der bei allen praktischen Defiziten dem Anspruch gerecht zu werden versucht, den europäische Rechtswerte und universelle Menschenrechte beschreiben, schließt sich der Forderung internationaler Sportler an: Es müsse Versicherungen geben, dass Peng Shuai frei sei und nicht bedroht werde.

          „Die EU verlangt von der chinesischen Regierung, überprüfbare Beweise zu Peng Shuais Sicherheit, Wohlergehen und Aufenthaltsort zugänglich zu machen“, heißt es weiter. Ihre Vorwürfe – Peng beschuldigt den früheren chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli der sexuellen Nötigung – müssten in einem umfassenden, fairen und freien Verfahren untersucht werden. Und: Die EU lehne die chinesische Praxis des erzwungenen Verschwindens und der willkürlichen Internierung mit aller Deutlichkeit ab, gerade mit Blick auf die Überwachung der Wohnung an einem vorbestimmten Aufenthaltsort.

          Botschaft hinter Solidaritätsadresse

          Man muss nicht sonderlich genau zwischen den Zeilen lesen, um zu erkennen, was in Borrells Büro hinsichtlich der derzeitigen Lage Peng Shuais befürchtet wird: Die Tennisspielerin wird festgehalten, ist Gefangene der Ausrichter der Winterspiele im kommenden Februar. Auch in den höchsten außenpolitischen Kreisen in Brüssel hat das Telefonat, das Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, am vorvergangenen Wochenende mit Peng geführt hatte, nicht überzeugt.

          Mit Blick auf Olympia in Peking kann das nur bedeuten, dass Europas Politiker Konsequenzen ziehen werden. Als wolle China einem diplomatischen Boykott zuvorkommen, hieß es in den vergangenen Tagen in der „Global Times“, die Staatsführung habe nicht vor, amerikanische Politiker einzuladen. Die Liste der Nichteingeladenen könnte schnell wachsen.

          Die EU-Stellungnahme lohnt aber noch einen weiteren Blick: den Vergleich mit dem, was Bachs IOC nach dem Telefonat formuliert hatte. Von Solidarität mit der nach eigenen Angaben missbrauchten Tennisspielerin, wie sie nach Sportlerinnen und Sportlern in aller Welt auch die EU formuliert, war nicht die Rede beim IOC – der Organisation, die sich die Förderung der Frauen in den zweiten Artikel ihrer Olympischen Charta geschrieben hat. Und so steckt in der Solidaritätsadresse aus Brüssel auch diese Botschaft: Die Europäische Union macht deutlich, wer Peng Shuai im Stich lässt. Die WTA zog am Mittwoch ihre Konsequenzen daraus.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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