https://www.faz.net/-gtl-8bmj6

Fifa-Urteil : Der tiefe Sturz des Fußballpaten

„Ich werde wiederkommen“: Joseph Blatter Bild: dpa

Nach dem Urteil der Fifa-Ethikkommission demontiert sich Joseph Blatter mit einem peinlichen Auftritt selbst. Auch der Fall seines Ziehsohns Michel Platini war absehbar.

          Wie bei einem gefallenen, entrückten Despoten lag auch über Joseph Blatters Abschiedsauftritt eine Atmosphäre des Wahnsinns. „Ich werde wiederkommen“, behauptete der fast achtzig Jahre alte Fußball-Patriarch, nachdem ihn die Ethikkommission des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) am Montag per Urteil in die Verbannung geschickt hatte – für acht Jahre. In Wirklichkeit ist es das Ende für Blatter als Funktionär. Aber über einen PR-Agenten inszenierte sich der gesperrte, sichtlich immer greiser und verwirrter werdende Präsident am Montag nochmals als Opfer einer politischen Intrige.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seine Botschaft klang wie die Verteidigungsrede eines Mafia-Paten: Ich wollte doch nur das Gute. Dass Blatters Gegenveranstaltung vis-à-vis des alten Züricher Fifa-Hauptquartiers stattfand, passte zur Symbolik des geschassten Fußball-Weltherrschers. Als Blatter hier residierte, war seine Macht noch unumschränkt. Inzwischen arbeitet der Walliser, der von den Deutschen für die WM 2006 das Bundesverdienstkreuz erhielt, an seiner kompletten Selbstdemontage. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die Fifa, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch“, raunte Blatter. Ein trauriges Bild.

          „Massive Auswirkungen auf den Fußball“

          Es wirkt dabei wie die Ironie des Schicksals, dass gemeinsam mit ihm sein einstiger Kronprinz Michel Platini ebenfalls für acht Jahre aus dem Rennen genommen wurde. Und dass die beiden wichtigsten Fußballfunktionäre ausgerechnet von einer Verbandsjustiz bestraft worden sind, die sie selbst unter dem öffentlichen Druck des Reformprozesses meist nur zähneknirschend unterstützt hatten. „Beide glaubten, selbst über dem Recht zu stehen“, resümiert der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth im Gespräch mit der F.A.Z.. Der Basler Strafrechtler war als Fifa-Berater maßgebend für die Einführung mehrerer Compliance-Regelungen verantwortlich. Dazu gehörte der Aufbau der inzwischen schlagkräftigen Ethikkommission, in der jetzt schon 35 Fälle gegen Fifa-Funktionäre verhandelt wurden.

          Das Urteil gegen Blatter und Platini sprach der Kammervorsitzende Hans-Joachim Eckert. Der deutsche Jurist war bis zu seiner Pensionierung im Sommer dieses Jahres Vorsitzender der sechsten Strafkammer am Landgericht München I und verfügt über umfassende Expertise in der Verfolgung sowie Ahndung von Korruptionsdelikten und Wirtschaftsstraftaten. „Ein solches Verfahren hat es noch nie gegeben. Ich weiß, dass dieses Urteil massive Auswirkungen auf die beiden Funktionäre und auch den Fußball haben wird. Dieser Verantwortung war ich mir immer bewusst“, sagte Eckert dieser Zeitung.

          Nun sind Blatter und Platini gemeinsam untergegangen. Gestürzt über eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Franken vom Fifa-Chef an den Präsidenten des Europäischen Fußballverbandes (Uefa) im Jahr 2011. Die Fifa-Richter sahen keine rechtliche Grundlage für den Geldfluss. Zwar wurde der Bestechungsvorwurf mangels eindeutiger Belege fallengelassen, dafür beanstandeten die Ethiker bei beiden Spitzenfunktionären einen Interessenskonflikt sowie die Annahme und Gewährung von Geschenken und Vorteilen. Außerdem hätten sowohl Blatter als auch Platini ihre Treuepflicht gegenüber der Fifa verletzt. Dazu muss Blatter eine Geldstrafe von 50.000 Franken zahlen, Platini 80.000 Franken.

          Weitere Themen

          Mit dem E-Surfboard über das Wasser schweben Video-Seite öffnen

          So funktioniert es : Mit dem E-Surfboard über das Wasser schweben

          Das neuartige Wassersportgerät des Franzosen Christophe Defrance wird mit einem Elektromotor unter Wasser angetrieben, das Brett selbst befindet sich über dem Wasser. Demnächst soll es auf den Markt kommen.

          Immer wieder Meister Video-Seite öffnen

          FC Bayern München : Immer wieder Meister

          Nach einem spannenden Finale heißt der Deutsche Meister zum 7. Mal in Folge: Bayern München. Somit hat das Team um Trainer Kovac die Chance, ihr selbst gesteckte Saisonziel zu erreichen.

          Topmeldungen

          Skandal um Ibiza-Video : Kurz will FPÖ-Innenminister Kickl loswerden

          Das Ende der Koalition von ÖVP und FPÖ in Österreich reißt tiefe Gräben zwischen den Parteien auf. Kanzler Kurz verurteilt die „offenen Angebote der Korruption“ Straches und rechnet mit strafrechtlichen Konsequenzen. Nun soll auch Innenminister Kickl gehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.