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Fall Pechstein : Alles für die Sportler

  • -Aktualisiert am

Claudia Pechsteins Sieg ist auch gut für den Sport Bild: dpa

Das Oberlandesgericht München hat im Fall Claudia Pechstein ein gutes Urteil gefällt. Das mag auf den ersten Blick nicht einleuchten. Weil die Sportgerichtsbarkeit als einzig sinnvolles Regelungsmodell in Frage gestellt ist. Aber so ist es nicht.

          Das Oberlandesgericht München hat ein gutes Urteil gefällt. Auch für den Sportbetrieb. Das mag auf den ersten Blick nicht einleuchten. Weil die Sportgerichtsbarkeit als einzig sinnvolles Regelungsmodell in Frage gestellt ist. Aber so ist es nicht. Die Richter stellen die Autonomie des Sports nicht grundsätzlich in Frage. Sie haben allerdings einen eklatanten Mangel der Verbände festgestellt: den Missbrauch ihrer Macht. Und zwar zum Nachteil derjenigen, die von Funktionären in Sonntagsreden in den Mittelpunkt gestellt werden: alles für die Athleten.

          Das ist leider ein großes Missverständnis. Der Sportler dient nur als geschliffenes, angepasstes Rädchen im Sportbetrieb. Die Konstruktion des Wettbewerbs, seine Entwicklung zu einem Geschäftsbetrieb mit Milliardenumsätzen, das haben die vergangen Jahrzehnte gezeigt, steht eindeutig über den Interessen des Individuums. Die Athleten spielen mit, weil sie abhängig sind von diesem System, wenn sie ihr Talent entwickeln wollen. Zudem lockt es mit der Chance, als großer Gewinner die Bühne zu verlassen – und sei es nur für einen Augenblick olympischen Glücks. Dafür lässt man auch mal seine Grundrechte links liegen.

          Es ist also ein Segen, dass das OLG München mit seinem Urteil nicht nur Claudia Pechstein Recht gegeben hat. Es erinnert auch alle andere Spitzensportler an die Grenzen der Autonomie, der Bevormundung und Gängelung. Letztlich waren und sind Doping-Systeme auch Teil einer Sportwirklichkeit, die zwar von Sportlern kräftig genutzt werden, aber eigentlich gar nicht gewollt sind.

          Wer panscht schon gerne sein Blut? Die Manipulationen dienen vor allem Veranstaltern, wenn sie Rekorde verkaufen oder neue Lichtgestalten inszenieren. Einst rettete sich die Tour de France mit dem vollgepumpten Radprofi Lance Armstrong vor dem Zusammenbruch. Der Amerikaner ist erledigt, die Tour fährt weiter. In anderen Sportarten, auch bei Olympischen Spielen, ist es ähnlich gelaufen.

          Cas-Juristen ohne Verbindung zur Sportfamilie

          In Deutschland will man jetzt auch mit einem Anti-Doping-Gesetz, mit der Strafverfolgung von Dopern, die Misere aufbrechen. Der Deutsche Olympische Sportbund ist dagegen, er lenkte zuletzt nur halbwegs ein, weil die Bundesregierung die Sportgerichtsbarkeit in diesem Gesetz fixiert. Das wird nicht viel nutzen – falls der Bundesgerichtshof das Urteil von München bestätigt.

          Dennoch müsste der organisierte Sport keinen Zusammenbruch fürchten. Für die Rettung reichte es, den internationalen Sportgerichtshof mit Juristen zu besetzen, die keine Verbindung zur Sportfamilie haben oder hatten. Das müssen Sportler dem Sport wert sein.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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