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Pechstein-Resolution : Großer Unterstützerkreis für Pechstein

Der prominenteste Unterzeichner: Olympiasieger Robert Harting unterstützt die Olympiasiegerin Pechstein Bild: dpa

Robert Harting, Raphael Holzdeppe, Christina Obergföll: Claudia Pechstein hat erstaunlich prominente Unterstützer. Die Initiative der umstrittenen Eisschnellläuferin wird zum Politikum.

          Die Petition von und für Claudia Pechstein gegen die Athletenvereinbarung entwickelt sich zum Politikum. 55 Athletinnen und Athleten treten in dieser Zeitung mit ihrem Bekenntnis an die Öffentlichkeit, sie hätten in Unkenntnis der gravierenden Konsequenzen und unter dem Zwang, ansonsten nicht für die Nationalmannschaft nominiert zu werden, ihre Rechte abgetreten. Unter ihnen sind elf Olympiasiegerinnen und -sieger wie die Biathletin Andrea Henkel, die Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, die Kanutin Katrin Wagner-Augustin, der ehemalige Bobfahrer André Lange und Diskuswerfer Robert Harting. Zu den Unterzeichnern gehören auch Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe, Doppel-Olympiasieger Robert Bartko (Rad), Vizepräsident für Leistungssport des Landessportbundes Berlin, sowie Boris Obergföll, der Bundestrainer der Speerwerfer. Sie stammen aus 16 verschiedenen Verbänden, und zu ihnen gehören 28 Goldmedaillengewinner von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Claudia Pechstein, fünfmal Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, hat zur Unterzeichnung der Petition aufgerufen, um im Prozess um Schadensersatz in Höhe von 3,5 Millionen Euro für ihre zweijährige Sperre vor dem Landgericht München belegen zu können, dass Athleten sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Sports nicht freiwillig unterwerfen. Genau diesen Druck scheint in einigen Verbänden die Kritik an der Athletenvereinbarung zu erzeugen. Ein Manager berichtete dieser Zeitung, zwei Athleten, die er vertrete, seien von ihrem Bundestrainer darauf hingewiesen worden, dass er bei der Nominierung für die Olympischen Winterspiele im Februar in Sotschi diejenigen bevorzugen werde, die nicht so renitent seien wie die Unterzeichner der Petition. Um keine Scherereien zu bekommen, hätten sie zunächst auf die Unterschrift verzichtet.

          Claudia Pechstein kommentierte: „Dass meinen Kollegen damit gedroht wird, sie nicht für Olympia zu nominieren, wenn sie die Erklärung unterschreiben, ist ein Skandal. Ich schäme mich dafür, dass so etwas in unserem Land möglich ist. Unser IOC-Präsident sollte den Verantwortlichen in den Verbänden mal die Olympische Charta vorlesen.“ Von der Nummer eins bis zur Nummer 55 zeuge diese Liste von großem Charakter, sagte sie. „Ich bin jedem dankbar, der meinen Vorstoß unterstützt, weiß aber auch, dass die Zahl derer, die eine Reform des Sportrechts wünschen, noch viel größer ist. Aber viele haben Angst, sich öffentlich dazu zu bekennen.“

          „Horizontöffnend“

          Auf die Frage, ob Rodlerinnen unter Androhung, nicht für Sotschi nominiert zu werden, aufgefordert worden seien, die Pechstein-Resolution nicht zu unterschreiben, erwiderte Thomas Schwab, der Generaldirektor des Bob- und Schlittenverbandes: „Das stimmt nicht. Ich habe selbst mit den Rodlerinnen darüber gesprochen. Ich habe ihnen gesagt, dass wir als Verband den Kodex der Nationalen Anti-Doping-Agentur akzeptiert haben. Teil des Kodex ist die Verpflichtung auf eine Schiedsgerichtvereinbarung, die wiederum Teil der Athletenvereinbarung ist. Ich habe die Athleten informiert, aber sicher nicht unter Druck gesetzt.“

          Hartings Erklärung

          In einer E-Mail fordert Schwab vor knapp zwei Wochen die Bundestrainer seines Verbandes auf: „... bitte alle Athleten aufklären, dass der Bitte von Claudia Pechstein nicht nachgegangen wird. Wenn wir die Schiedsgerichtsbarkeit bei möglichen Doping-Fällen aufheben, bedeutet dies aufgrund der Länge, die eine Verhandlung durch ein ordentliches Gericht mit sich bringen kann, das Ende der Sportförderung durch die öffentliche Hand.“ Claudia Pechsteins Manager Ralf Grengel glaubt dennoch an weiteren Zulauf: „Dies ist nicht das Ende der Fahnenstange“.

          Patrick Hausding, Welt- und Europameister im Wasserspringen, nannte die Erklärungen von Claudia Pechstein, die er wie die meisten anderen Unterzeichner per E-Mail erhielt, „horizontöffnend“. „Ich hatte das nicht in dieser Größenordnung eingeordnet“, sagte er dieser Zeitung, „und war erstaunt, dass Sportler gar nicht vor ordentlichen Gerichten klagen dürfen.“ Für Hausding ist die Petition von und für Claudia Pechstein „ein guter Anstoß, auf die Formulierung der nächsten Athletenvereinbarung einzuwirken.“

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