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Pechstein findet Verbündete : Scharfe Kritik an Sportrecht

Auf der Suche nach Mitstreitern: Claudia Pechstein fordert Spitzensportler zu heftiger Kritik an der Athletenvereinbarung auf Bild: dapd

Fast 50 deutsche Spitzenathleten sollen Claudia Pechsteins Kritik am bislang praktizierten Sportrecht teilen. Nach Angaben ihres Managements haben sie den Aufruf unterschrieben, den Pechstein an sie versandte.

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          Fast fünfzig deutsche Spitzenathleten teilen die grundsätzliche Kritik von Claudia Pechstein an der Athletenvereinbarung. Sportlerinnen und Sportler aus zehn verschiedenen Verbänden, unter ihnen höchst erfolgreiche, haben nach Auskunft des Managements von Claudia Pechstein einen Aufruf unterschrieben, in dem sie bekunden, dass erst die Schadensersatzklage der fünfmaligen Olympiasiegerin im Eisschnelllauf ihnen deutlich gemacht habe, dass sie auf Grundrechte verzichteten und sich einem „absurden Verfahren„ aussetzten.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.
          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Claudia Pechstein hat vor dem Landgericht München den Welt-Eislaufverband (ISU) und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) auf Schadensersatz in Millionenhöhe für ihre zweijährige Sperre verklagt. Diese verhängte die ISU und bestätigte das Schiedsgericht des Sports (Cas) in Lausanne wegen abnormer Blutwerte. Claudia Pechstein macht geltend, dass eine Erbkrankheit die inkriminierte Retikulozytenwerte, die bis heute nachweisbar sind, verursacht. Das Landgericht hat den Anwälten Pechsteins aufgegeben, bis 20. November darzulegen, dass die Unterwerfung von Athleten unter die Sportgerichtsbarkeit kein normaler Vorgang sei. „Dies ist vielen Athleten eine Herzensangelegenheit“, kommentierte Pechstein-Manager Ralf Grengel. Ihr Rechtsanwalt Thomas Summerer gibt sich sicher, dass es zu einer Reform der Schiedsgerichtsbarkeit und zu einer Änderung der Schiedsklausel kommen müsse.

          Post von Frau Pechstein
          Post von Frau Pechstein : Bild: FAZ.NET

          Den Aufruf Claudia Pechsteins hatte auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unter den olympischen Fachverbänden verbreitet. Vizepräsidentin Christa Thiel und Athletensprecher Christian Breuer weisen allerdings begleitend darauf hin, dass die Anerkennung von Schiedsklauseln zwingende Voraussetzung für die Teilnahme an internationalen Wettbewerben und den Olympischen Spielen sei. Sie zitieren die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) unter anderem mit dem Hinweis, dass den Athleten bewusst sei, „dass sie mit den Verbänden (Schieds-)Vereinbarungen schließen, die in (grund-)rechtliche Positionen eingreifen“. Die Anerkennung des Nada-Kodexes erfolge nicht zwangsweise. Die Athleten akzeptierten das Prinzip der Beweislastumkehr im Falle einer positiven Dopingprobe („strict liability“).

          Rechtsstaatliche Grundsätze würden in Schiedsverfahren genauso berücksichtigt wie vor ordentlichen Gerichten. „Anders lautende Erklärungen“, heißt es in dem Schreiben, „(...) gefährden auch den gemeinsamen Einsatz für sauberen Sport und für die sauberen Sportler.“ Grengel kritisiert die Stellungnahme: „Bei Claudia gab es nie eine positive Probe und keine verbotenen Substanzen im Körper.“ Die Erklärung, um die er Athleten bat, führt aus, dass erst der Fall Pechstein für die Unterzeichner Anlass war, darüber nachzudenken, welch schwerwiegende Folgen ihre Unterschrift habe. Sie seien sich nicht bewusst gewesen, auf das Recht zu verzichten, in „existenziellen Fragen ein deutsches Gericht anrufen zu können.“

          Anfang September veröffentlichte Claudia Pechstein eine Petition an die ISU, sie zu rehabilitieren und sich mit ihr auszusöhnen. Hundert Sportlerinnen und Sportler haben unterzeichnet, ebenso DESG-Präsident Gerd Heinze.

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