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Paralympics-Kommentar : Signal für mehr Sauberkeit

So wie 2012 in London werden in Rio keine russischen Sportler an den Paralympics teilnehmen. Bild: dpa

Die Entscheidung, Russland von den Paralympics auszuschließen, ist gut für den Sport. Die Tür zu einem solchen Weg stand auch Bach mit dem IOC offen. Er zog es aber vor, sich durch den Hinterausgang davonzustehlen.

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          Der Witz des Tages kam aus Moskau. Wenn das Zitat von Sportminister Witali Mutko, wonach es „keinen Grund“ für den Ausschluss der russischen Sportler von den Paralmypics gegeben habe, richtig überliefert ist, dann spricht daraus nichts als Hohn. Für jeden, der noch daran glaubt, dass Sport etwas mit Fairplay zu tun haben soll. Und letztlich für die Sportler selbst.

          Das russische Doping-System, das der McLaren-Report zutage gefördert hat, besaß auch im paralympischen Sport zerstörerische Kraft – Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), sprach davon, dass der sportliche Wert der Paralympics von Sotschi 2014 angesichts der Enthüllungen „gegen Null“ tendiere. Mit anderen Worten: Die russische Unverfrorenheit in den Spezialdisziplinen Manipulieren und Vertuschen hat die Mühen unzähliger paralympischer Athleten zunichte gemacht. Die Leistungssprünge der Russen in Sotschi seien „schwindelerregend“ gewesen, sagte Beucher noch – „mit Betonung auf einem bestimmten Wortteil“.

          Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas), den russischen Einspruch gegen den Bann durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) abzulehnen, ist deshalb eine gute, eine wichtige Entscheidung für den Sport. Keine selbstverständliche zwar, denn gewiss trifft sie nun auch russische Athleten, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen.

          Deren Zorn sollte sich aber nicht gegen den Cas oder das IPC richten, sondern gegen den eigenen Verband, der in solch eklatanter Weise gegen die Regeln und Normen verstoßen hat. Wer betrügt, darf nicht mehr mitmachen – im Prinzip ist es ja kinderleicht. Der Weg des IPC, das russische nationale paralympische Komitee so lange zu suspendieren, bis es wieder die Standards erfüllt, erscheint da als angemessene Sanktion – und als richtiges Signal für mehr Sauberkeit.

          IPC-Entscheidung : Russisches Team von Paralympics ausgeschlossen

          Wenn jetzt noch einmal der Seitenblick auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss fällt, dann werden Thomas Bach & Co. vielleicht argumentieren, dass die Paralympier es einfacher hatten – auch strukturell, weil der gesamte russische paralympische Sport, Sommer und Winter, unter einem Dach organisiert ist. Darauf hat das IPC jetzt selbst noch einmal hingewiesen. Das Entscheidende ist jedoch etwas anderes.

          Dass die Führung der Paralympier und vor allem ihr Präsident, Sir Philip Craven, mehr Mut, mehr Klarheit, mehr Tatkraft im Kampf um einen sauberen Sport bewiesen haben. Die Tür zu einem solchen Weg stand auch Bach und dem IOC offen. Das hatte der Cas schon bei der Bestätigung des Ausschlusses der russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen in Rio anklingen lassen, und das ist jetzt auch noch einmal die implizite Botschaft des Urteils vom Dienstag. Bach aber hat vorgezogen, sich durch den Hinterausgang davonzustehlen.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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