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Kommentar : Papiertiger für die Fifa-Präsidentenwahl

  • -Aktualisiert am

Der Boss kann feixen: Fifa-Präsident Blatter verhöhnt seine Gegner Bild: dpa

Weitere Gegenkandidaten melden sich bereit für die Wahl des Fifa-Präsidenten. Doch Amtsinhaber Blatter verhöhnt die Gegner schon. Bei den Europäern bleibt der Eindruck von Schwäche und Konzeptlosigkeit.

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          Vier Monate vor seiner angestrebten Wiederwahl verbreitet Joseph Blatter schon das Gefühl des sicheren Siegers. Mit seinem schon immer überaus stark ausgeprägten Instinkt zum Machterhalt beweist der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) sehr wahrscheinlich auch das richtige Näschen. Fast höhnisch hat sich der Herrscher vom Sonnenberg in Zürich gerade über seine „mutlosen“ Gegner lustig macht.

          Gemeint sind einige wichtige Fußballverbände in Europa, zu denen auch der Deutsche Fußball-Bund gehört. Die wollen zwar Blatter loswerden, doch fehlt ihnen eine ernsthafter Plan mit einer schlagkräftigen Strategie. Es sagt viel über die europäische Schwäche aus, dass sie nun erst auf den letzten Drücker den niederländischen Verbandspräsidenten Michael van Praag ins Präsidentschaftsrennen gegen Blatter schicken. Am Donnerstag ist Anmeldeschluss für die Fifa-Wahl am 29. Mai.

          Schwäche und Konzeptlosigkeit

          Um eine Chance gegen den umstrittenen, aber auf allen anderen Fußball-Kontinenten durchaus beliebten und dazu gewieften Fifa-Herrscher zu haben, hätte der Wahlkampf schon längst mit einer starken, überzeugenden Persönlichkeit aufgenommen werden müssen. Van Praag genießt aufgrund seiner sportpolitischen Erfahrung zwar Respekt.

          Dennoch hinterlässt die späte Meldung der Europäer den Eindruck von Schwäche und Konzeptlosigkeit. Nicht zuletzt deswegen, weil längst einige Spaßvögel wie der ehemalige Spieler David Ginola oder der Spielerberater Mino Raiola (Ibrahimovic) die bevorstehende Richtungsentscheidung beim Weltverband mit ihrer Ankündigung, gegen Blatter antreten zu wollen, ins Lächerliche gezogen haben. Am Mittwoch kündigte auch noch Luis Figo seine Kandidatur an.

          Amsterdam : Andrang auf Fifa-Chefposten

          Dabei gäbe es viel zu verändern. Es ist eine Farce, dass sich ein fast Achtzigjähriger zum fünften Mal als Präsident wählen lassen will. Aber es geht vor allem auch um eine neue Ausrichtung der Fifa, die zwar über ihre Turniere regelmäßig Milliardenumsätze macht, aber der gesellschaftspolitischen Verantwortung als Großveranstalter nicht gerecht wird.

          Einen patenten Gegenentwurf hat Fußball-Europa bisher nicht zu bieten. Mit dem neuen Namen im Spiel um die Macht bei der Fifa wird nur versucht, den Schaden in der öffentlichen Wirkung zu begrenzen. Weiterhin gilt: Die europäischen Fußballverbände und ihr Dachverband Uefa bleiben sportpolitische Papiertiger.

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