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Amt des DOSB-Präsidenten : Angriff auf den Stuhl von Alfons Hörmann?

DOSB-Präsident Alfons Hörmann muss sich auf einen Gegenkandidaten einstellen. Bild: dpa

Amtsinhaber Alfons Hörmann möchte wieder für die Präsidentschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes kandidieren. Doch erstmals formiert sich nun eine Opposition.

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          Für den herausfordernden Ton in der Ankündigung von Alfons Hörmann, im Dezember, wieder für die Präsidentschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu kandidieren, gibt es vielleicht eine Erklärung. Hörmann muss mit einer Opposition im deutschen Sport rechnen, wie sie ein Dachverbands-Präsident seit dem Fusionskampf von Nationalem Olympischem Komitee und Deutschem Sportbund (DSB) in den neunziger Jahren zum DOSB nicht mehr erlebt hat. Das geht nicht nur aus der Erklärung von Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruder-Verbandes und Sprecher der Spitzenverbände, hervor. „Da Unzufriedenheit mit Herrn Hörmann besteht“, sagte Kaidel der Deutschen Presse-Agentur, „und da er lange offengelassen hat, ob er noch einmal kandidiert, ist es verständlich, dass es eine Suche nach einem Nachfolger gibt.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind einige namhafte Funktionäre nicht mit der Entwicklung der Leistungssportreform und der Amtsführung Hörmanns einverstanden. Allerdings hat sich bis zum Sonntag kein aus der Sicht der Opposition mehrheitsfähiger Kandidat erklärt. Es soll aber in jedem Fall einen Gegenkandidaten geben. Chancen werden dem Rechtsanwalt Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF, eingeräumt. Das Verhältnis zwischen ihm und Hörmann ist getrübt. Weikert war vor zweieinhalb Jahren auf Betreiben Hörmanns als Vorsitzender der Trainerakademie in Köln abgelöst worden; die Behauptung Hörmanns, die Veränderung sei zuvor im Sommer 2016 auch in großer Runde besprochen worden und Weikert habe Bescheid gewusst, bezeichnete Weikert damals als erlogen.

          Hörmann berief sich in der Bekanntgabe seiner Kandidatur auf das einstimmige Votum der sechzehn Landessportbünde für ihn, die am Samstag in Altötting tagten. Nach Darstellung eines Augenzeugen positionierten sich die Verbände nach Abwägung der auch ihnen bekannten Schwächen und Stärken Hörmanns für den DOSB-Chef. Es sei ein „ehrliches“ Bekenntnis gewesen. Von den Fachverbänden erwartet Hörmann auf deren Tagung am Dienstag in Frankfurt ein ähnliche Unterstützung. Sie vereinen die Mehrheit der Stimmen. Hörmann, 58 Jahre alt und Vorstandsvorsitzender des Bauzulieferers Schöck-Gruppe mit Sitz in Baden-Baden, führt den DOSB in Nachfolge von Thomas Bach seit 2013.

          In einem Brief an die Verbandspräsidenten vom 24. September beschreiben er und die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker ihren Kampf um die staatliche Förderung des Spitzensports. Über ein Treffen mit Innenminister Horst Seehofer und der Abteilung Sport aus dessen Haus am 21. September heißt es darin, sie hätten den aktuellen Fortgang der Leistungssportreform kritisch bewertet und verdeutlicht, dass bei allen Beteiligten vor allem die negativen Konsequenzen der Reform angekommen seien. Hörmann warf demnach den Mitarbeitern des Ministeriums im Beisein des Ministers vor, dass vieles ungeklärt sei und positive Ergebnisse wie der Mittelaufwuchs (plus 30 Millionen Euro im Etat 2018) nicht in ausreichendem Maße angekommen seien.

          Vor allem geht es ums Geld. Für den Haushalt 2019 hat der DOSB eine Liste über „Mehrbedarfe 2019“ im Vergleich zu 2017 vorgelegt, der 114 Millionen Euro umfasst. Für 2019 stellt sich der Dachverband demnach einen Etat von 284 Millionen vor. Die Regierung ist bislang bereit, 200 Millionen Euro zu geben. Gemäß Zusage, heißt es in dem Brief, werde sich „explizit auch der Bundesinnenminister für einen erneuten deutlichen Mittelaufwuchs einsetzen“. Alle Beteiligten wollten die Parlamentarier von der dringenden Notwendigkeit dessen überzeugen. Unterdessen beklagen Sprecher der Athleten im DOSB, dass das Hin und Her bei der Spitzensportreform ihnen mehr schade als nütze. Die Förderung einzelner Verbände und Sportarten sowie Betrieb oder Schließung einzelner Stützpunkte seien für sie existentielle Fragen. Ein überzeugender Gegenkandidat könnte wohl auf die ideelle Unterstützung der Athleten und deren Einfluss auf ihre Verbandspräsidenten zählen.

          Hörmann versucht wohl zu punkten, indem er versucht, Stellen zu schaffen und Geld zu akquirieren: Für die Schaffung von knapp mehr als 370 Stellen im Spitzensport fordert der DOSB vom 1. Januar 2019 an gut 30 Millionen Euro. Dafür sollen 93 hauptberufliche Stützpunktleiter und knapp 300 Trainer beschäftigt werden. In der Aufstellung des DOSB hat dies die Priorität 2 und 4 hinter der „Verbesserten Unterstützung der olympischen Spitzenverbände zur Umsetzung einer optimierten Leistungssportförderung“ im Wert von 17,3 Millionen Euro sowie (Priorität 3) der Aufstockung der direkten Athletenförderung via Sporthilfe auf 7,8 Millionen. Nach Informationen der F.A.Z. sind allerdings die vom Parlament für 2018 bewilligten 3,5 Millionen Euro für die Sporthilfe wegen grundsätzlicher Bedenken immer noch nicht überwiesen. Die Ausstattung der Olympiastützpunkte soll für 5,3 Millionen Euro verbessert werden.

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